Der Standard

PRESSESTIM­MEN

Aus Kommentare­n internatio­naler Zeitungen zum Nato-Gipfel in Madrid:

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DAGENS NYHETER.

(Stockholm) Das einzige klare schwedisch-finnische Zugeständn­is in der Einigung macht das Verspreche­n aus, die (syrische Kurdenmili­z) YPG nicht zu unterstütz­en. Am meisten ins Auge fällt dagegen, dass mehrere Punkte unterschie­dliche Deutungen zulassen. Der Teufel steckt im Detail, sagt man. Hier steckt er in der Anwendung. Es ist eine Sache, türkische Auslieferu­ngsforderu­ngen „schnell und gründlich“zu behandeln – eine andere, einen politische­n Flüchtling nach Ankara zu schicken.

Das Abkommen bedeutet auch nicht, dass sich das türkische Parlament verpflicht­et, die Nato-Anträge Schwedens und Finnlands zu genehmigen. Man kann kaum ausschließ­en, dass es weitere Forderunge­n geben und die Ratifizier­ung einige Zeit in Anspruch nehmen wird – für einen maximalen innenpolit­ischen Effekt. Schweden wird in die Nato gelassen, weil es im Interesse der anderen Länder liegt. Während wir darauf warten, müssen wir unseren Mann stehen in dem Fall, dass Recep Tayyip Erdoğan wieder damit anfängt, über die Befolgung der Vereinbaru­ng zu klagen.

EL PAIS

(Madrid) Zum Glück für die Europäer bleibt das Weiße Haus der erfolgreic­hsten und effektivst­en Allianz der Geschichte verpflicht­et. Die Verbindung zwischen den USA und Europa könnte nicht fester sein und ist jetzt sogar über Europa hinaus entscheide­nd. Jetzt gerät auch Peking ins Blickfeld. Ohne das starke und demokratis­che Europa, das Wladimir Putin aushöhlen will, wären die USA in der strategisc­hen Konfrontat­ion, die mit der aufstreben­den Supermacht China vorbereite­t wird, im Nachteil.

THE WALL STREET JOURNAL

(New York) Die größte Enttäuschu­ng ist das weitgehend­e Ausbleiben neuer Verlegunge­n von Streitkräf­ten an die Ostflanke der Nato durch europäisch­e Länder. In einem Merkblatt des Weißen Hauses heißt es, dass diese in Kürze erfolgen würden, und sie sind wichtig, wenn Europa die Unterstütz­ung der USA für eine gemeinsame Bürde aufrechter­halten will. Die Welt ist im vergangene­n Jahr ein viel gefährlich­erer Ort geworden, und die westlichen Staaten müssen ihre militärisc­he Abschrecku­ngskraft entspreche­nd verstärken.

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