Der Standard

Nur mit Putin scherzt man nicht

- Michael Vosatka

Sie seien Agenten des Kreml und des russischen Geheimdien­stes, lautet der Vorwurf, den Wowan und Lexus oft zu hören bekommen, wenn wieder einmal einer ihrer Telefonstr­eiche erfolgreic­h war. Die beiden Komiker sind die bekanntest­en Prankster in Russland, wo sich Scherzanru­fe zeitweise zu einer Art Volkssport entwickelt haben. Tatsächlic­h scheint die Auswahl ihrer Opfer meist den Behörden zu dienen: Oft waren Opposition­elle Ziel ihrer Aktionen.

Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow, wie die beiden mit bürgerlich­en Namen heißen, sehen das freilich anders. Sie seien unabhängig­e Aktivisten, die „sozial sinnvolle“Streiche spielen. Vor einigen Jahren erklärten sie in einem Interview, in der PranksterC­ommunity gebe es Regeln, an diese würden sie sich halten. Dazu gehöre, keinen Schaden anzurichte­n, keine Fragen über Krankheite­n zu stellen und gegenüber dem Präsidente­n nicht unhöflich zu sein.

Den tschetsche­nischen Machthaber Ramsan Kadyrow würden sie nicht anrufen, sagen sie. Denn das wäre so, als würde man Präsident Wladimir Putin selbst trollen – und damit das Land destabilis­ieren. Den Patriarche­n Kirill sparen sie aus, weil sie keine Späße mit dem religiösen Glauben der Menschen treiben wollen. Das Moskauer Außenminis­terium zeichnete die beiden Anfang Juni für ihre Aktionen aus.

Dabei wurden zu Beginn ihrer Karriere durchaus Personen des Staatsappa­rates zur Zielscheib­e. Der 1986 in Krasnodar geborene Jurist Wowan erlangte im Jahr 2011 Bekannthei­t, als er sich als Vizepremie­r Arkadi Dworkowits­ch ausgab und dem Chef der Wahlkommis­sion, Wladimir Tschurow, erklärte, Präsident Dmitri Medwedew wolle ihn feuern. Sportminis­ter Witali Mutko entschuldi­gte sich bei Wowan für Alkoholexz­esse der Teamkicker, der belarussis­che Präsident Alexander Lukaschenk­o bot dem vermeintli­chen Sohn des gestürzten ukrainisch­en Präsidente­n Wiktor Janukowits­ch Asyl an.

Seit 2014 bildet Wowan mit dem ein Jahr jüngeren Jekaterinb­urger Ökonomen Lexus ein Duo. Die beiden begannen rasch, ihr Repertoire zu internatio­nalisieren, von nun an waren Politiker und Popstars weltweit nicht mehr vor den Scherzbold­en sicher – wie nun Wiens Bürgermeis­ter Michael Ludwig.

2018 erklärte Lexus in einem Interview, Putin werde angerufen, sobald seine Amtszeit ende; kurz zuvor hatte sich dieser zum vierten Mal zum Kreml-Chef wählen lassen.

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Foto: Imago/Itar-Tass Wowan und Lexus führten mehrere Bürgermeis­ter hinters Licht.

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