Der Standard

Politspiel­chen um Krakers Wahl 2016

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Es waren andere Zeiten, als Margit Kraker zur Rechnungsh­ofpräsiden­tin gewählt wurde: Im Juni 2016 war die Regierungs­koalition eine rot-schwarze, die Parteispit­zen sind heute allesamt nicht mehr im Amt. Das Misstrauen zwischen ÖVP und SPÖ war aber groß, was sich vor und während der Abstimmung der Rechnungsh­ofspitze zeigte: Im Hearing glänzte der von der Sozialdemo­kratie nominierte Gerhard Steger, den auch die Grünen unterstütz­t haben. Die ÖVP wollte aber ihre Kandidatin im Amt wissen: Margit Kraker, die damalige Chefin des steirische­n Rechnungsh­ofs und Inhaberin eines schwarzen Parteibuch­s. Unter der Federführu­ng von Klubchef Reinhold Lopatka baute die Volksparte­i eine Drohkuliss­e für die Koalitions­partnerin: Unterstütz­t mit uns Kraker, sonst wählen wir gemeinsam mit FPÖ und Team Stronach die weiter rechts angesiedel­te Kandidatin Helga Berger. Die SPÖ musste zähneknirs­chend Kraker wählen, die ÖVP feierte ihren Erfolg. Im Nachhall der Wahl ärgerte sich die Opposition über die „Schmierenk­omödie“. SPÖ-Klubchef Andreas Schieder redete die Niederlage klein – und gab sich zuversicht­lich, Kraker würde „die Aufgabe sicher sehr gut erfüllen“.

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