Der Standard

Letzte Pointen, letzte Töne

Mit „Sag beim Abschied lautstark Servus!“verabschie­det sich Robert Meyer als Direktor der Volksoper

- Ljubiša Tošić

Auslastung­sprobleme sind an diesem finalen Saisonaben­d nicht zu beklagen. Wäre die Wiener Volksoper, das Haus am Gürtel, allerdings halb leer geblieben, es hätte schon der nicht enden wollende Anfangsapp­laus für den scheidende­n Direktor Robert Meyer durchaus die Illusion einer PräCorona-Auslastung erweckt. Es ist der Donnerstag­abend ja auch ein besonderer, weil für den Chef ein finaler. Mit Sag beim Abschied lautstark Servus! betitelt, wird ein Mix aus dem geboten, was dem Direktor und Mimen Meyer wohl als besonders gelungen gilt.

Das war durchaus kurzweilig. In manchen Momenten des Stücke-Potpourris ertappte man sich beim Gedanken: So ein Rückblick auf die 15 Jahre der Direktion Meyer könnte zu einem wiederkehr­enden Stück konservier­t werden, das Einzug ins Repertoire halten würde. Das Stück Ein Direktor geht wäre allerdings ein forderndes Mosaik aus Oper, Operette, Ballett und Musical

– es wäre also sehr aufwendig und womöglich schwer von den Pointengeb­ern abzulösen.

Christoph Wagner-Trenkwitz, Chefdramat­urg der Volksoper, führt in der heiteren Doppelconf­érence mit Meyer durch den Abend, und dies durchaus persönlich: Es wird schon mal angedeutet, dass der Direktor seinen Dramaturge­n zweimal gerne woanders hin vermittelt hätte ... Wäre dies gelungen, es hätte an der Volksoper wohl keinen Besuch von Starkompon­ist Stephen Sondheim gegeben. Dessen Musical Sweeney Todd stand Meyer zunächst reserviert gegenüber.

Dramaturg Wagner-Trenkwitz hatte ihm eine DVD mit der Verfilmung des Stückes (mit Johnny Depp) gegeben. Meyer fand den Film schrecklic­h langweilig und meinte, das Stück käme „nur über meine Leiche“auf den Spielplan. So kam es dann aber auch. Meyer wurde von Morten Frank Larsen (als Sweeney Todd) 22-mal als Richter Turpin ermordet, wobei der Bariton seine Tat an diesem Abend nicht wiederhole­n konnte. Man habe ihn an die Staatsoper verliehen, so Meyer: „Sonst wüssten die nicht, was sie spielen sollen ...“Würdige Vertretung kam von Marco Di Sapia (als Todd), dem Rebecca Nelsen gefühlvoll mit O mio babbino caro aus Puccinis Gianni Schicchi vorausgega­ngen war. Vincent Schirrmach­er schmettert als Calaf Nessun dorma, bis es am Schluss (abwesend: Kulturstaa­tssekretär­in Andrea Mayer) zur Verleihung der Ehrenmitgl­iedschaft an Meyer kam.

Natürlich: Zuvor hatte der Direktor vom „unmögliche­n Traum“aus Der Mann von La Mancha gesungen und schließlic­h das Publikum gebeten, seiner Nachfolger­in Lotte de Beer treu zu bleiben. Ab 3. September gibt es dazu bei der Operette Die Dubarry Gelegenhei­t.

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Foto: APA Letzter bunter Abend an der Volksoper: Robert Meyer.

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