WIE DEUTSCH­LAND FUNK­TIO­NIERT

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Wenn der Job weg ist

Plötz­lich ist sie da: die Kün­di­gung. Der al­te Ar­beits­platz ist weg. Was pas­siert jetzt? Und wo­rum muss man sich schnell küm­mern, da­mit Geld auf das Kon­to kommt?

Es gibt zwei We­ge, sei­nen Ar­beits­platz zu ver­las­sen. Der Ers­te geht so: Man geht zum Chef und kün­digt. Ide­al ist es dann na­tür­lich, wenn man schon den Ver­trag für ei­nen neu­en Job un­ter­schrie­ben hat. Man hört al­so in der ei­nen Fir­ma auf, und fängt di­rekt in der nächs­ten an. Es gibt kei­ne Pau­se.

Aber manch­mal funk­tio­niert es nicht so op­ti­mal. Viel­leicht kann man erst zwei Mo­na­te spä­ter als ge­plant an sei­nem neu­en Ar­beits­platz an­fan­gen. Oder man sagt: Ich brau­che et­was Zeit für mich – und nicht so­fort wie­der ei­nen vol­len Ar­beits­tag. Aber wer fi­nan­ziert die­se Zeit?

In Deutsch­land gibt es Ar­beits­lo­sen­geld, da­mit nie­mand Angst um sei­ne Exis­tenz ha­ben muss. Aber wenn man selbst „oh­ne wich­ti­gen Grund“kün­digt, gibt es bis zu zwölf Wo­chen kein Geld. Das nennt sich Sperr­zeit. Bei wich­ti­gen Grün­den (zum Bei­spiel Mob­bing in der Fir­ma oder Um­zug zur Ehe­frau oder zum Ehe­mann in ei­ne an­de­re Stadt) kann es Aus­nah­men ge­ben. Ach­tung: Auch bei ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag gibt es fast im­mer ei­ne Sperr­zeit.

Um über­haupt die­ses ers­te Ar­beits­lo­sen­geld (Alg I) zu be­kom­men, muss man sich bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ar­beits­los mel­den. Es ist sehr wich­tig, dass man das nicht ver­gisst und recht­zei­tig tut: Spä­tes­tens drei Mo­na­te vor dem En­de des Ar­beits­ver­hält­nis­ses soll man sich mel­den. Das hat ei­nen wich­ti­gen Grund: Die Ex­per­ten der Ar­beits­agen­tur wol­len nicht, dass je­mand (lan­ge) ar­beits­los ist. Ih­re Lo­gik: Mel­det je­mand sich früh, kann man schon eher mit der Su­che nach ei­nem neu­en Ar­beits­platz be­gin­nen. So sind die Chan­cen bes­ser, dass je­mand nicht lan­ge oh­ne Job ist – oder viel­leicht di­rekt von ei­nem Job in den nächs­ten wech­selt.

Wenn man erst spä­ter er­fährt, dass man ar­beits­los wird, muss man sich in­ner­halb von drei Ta­gen mel­den. Denn na­tür­lich kann man nicht nur selbst kün­di­gen. Auch der Ar­beit­ge­ber kann dies aus ver­schie­de­nen Grün­den tun. Und das kann dann ei­ne ziem­li­che Über­ra­schung sein. Der Vor­teil: Bei Kün­di­gun­gen vom Chef gibt es kei­ne Sperr­frist (Aus­nah­me: Man hat die Kün­di­gung durch ex­trem schlech­tes Ver­hal­ten pro­vo­ziert). Ar­beits­los mel­den kann man sich per­sön­lich bei ei­ner Agen­tur für Ar­beit in der Nä­he. Es geht aber auch kos­ten­los mit ei­nem An­ruf un­ter der Te­le­fon­num­mer 08 00 / 4 55 55 00. Nach ei­ner Re­gis­trie­rung ist es auch on­line mög­lich (www.ar­beits­agen­tur.de).

Spä­tes­tens am ers­ten Tag oh­ne Job muss man dann aber per­sön­lich zu „sei­ner“Agen­tur für Ar­beit ge­hen und sich (wie­der) ar­beits­los mel­den. Sonst gibt es kein Geld. Bei die­sem Ter­min soll man ver­schie­de­ne Do­ku­men­te da­bei ha­ben, zum Bei­spiel ei­nen Aus­weis (In­for­ma­tio­nen dar­über, was ge­nau man braucht, gibt es bei der Ar­beits­agen­tur).

Aber be­kommt wirk­lich je­der in Deutsch­land Alg I? Nein. Da­für muss man in den letz­ten zwei Jah­ren min­des­tens zwölf Mo­na­te in die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt ha­ben. Es wer­den aber auch Er­satz­zei­ten an­ge­rech­net. Die­se gibt es zum Bei­spiel, wenn man sich um sein klei­nes Kind küm­mert. Wer selbst­stän­dig ist, zahlt meis­tens nichts in die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ein und kann des­halb auch kein Alg I be­kom­men.

Wie viel Alg I je­der be­kommt, steht im Ge­setz: Es sind cir­ca 60 Pro­zent des Net­to­lohns. Wenn man ein Kind oder meh­re­re Kin­der hat, be­kommt man 67 Pro­zent.

Wie lan­ge ein Ar­beits­lo­ser Alg I be­kommt, ist ver­schie­den: Es hängt da­von ab, wie alt man ist. Und wie lan­ge man in den letz­ten Jah­ren in die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt hat. So kann es sechs Mo­na­te lang Alg I ge­ben (zwölf Mo­na­te ein­ge­zahlt) oder auch ma­xi­mal 24 Mo­na­te (min­des­tens 48 Mo­na­te ein­ge­zahlt, min­des­tens 58 Jah­re alt).

Und was pas­siert, wenn man nach die­ser Zeit noch im­mer kei­ne neue Ar­beit ge­fun­den hat? Dann kommt das Ar­beits­lo­sen­geld II (Alg II). Um­gangs­sprach­lich heißt es auch Hartz IV. Ei­ne Kom­mis­si­on un­ter Lei­tung des Ma­na­gers Pe­ter Hartz hat das Kon­zept 2002 näm­lich ent­wi­ckelt. Um Alg II zu be­kom­men, muss man zum Job­cen­ter ge­hen. Ex­per­ten in den Job­cen­tern küm­mern sich spe­zi­ell um Per­so­nen, die Alg II be­kom­men. Und das sind nicht nur Men­schen, die kei­nen Job ha­ben: Wenn man zum Bei­spiel ex­trem we­nig ver­dient (oder das Alg I sehr nied­rig ist), be­kommt man et­was Geld da­zu.

Das Alg II ist nicht sehr hoch. Es soll das Exis­tenz­mi­ni­mum si­chern. Ein Sin­gle be­kommt zum Bei­spiel 426 Eu­ro im Mo­nat. Da­zu kommt Geld für die Mie­te (die nicht sehr hoch sein darf) und für die Hei­zung. Ach­tung: Wenn man zum Bei­spiel ver­hei­ra­tet ist und die Ehe­frau oder der Ehe­mann ver­dient gut, be­kommt man we­ni­ger oder auch kein Geld. Auch wenn man sehr viel ge­spart hat, muss man zu­erst die­ses Geld aus­ge­ben. Nur ein biss­chen darf man be­hal­ten.

Egal ob je­mand Alg I oder Alg II be­kommt: Ar­beits­agen­tur und Job­cen­ter wol­len, dass man sich en­ga­giert. Denn nie­mand soll lan­ge ar­beits­los sein. Wenn man sich nicht en­ga­giert, kann es Sank­tio­nen ge­ben. Meis­tens be­kommt man dann we­ni­ger Geld. Es ist al­so wich­tig, im­mer ge­nau zu fra­gen, wo­rum man sich küm­mern muss. Clau­dia May

Ar­beits­lo­sen­geld gibt es in zwei Va­ri­an­ten

– der Un­ter­schied ist groß.

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