Was kommt 2019?

2019 wäh­len die Eu­ro­pä­er ein neu­es Par­la­ment und müs­sen viel­leicht ein letz­tes Mal am glei­chen Tag al­le ei­ne St­un­de frü­her auf­ste­hen – das und noch vie­les mehr im gro­ßen Blick auf das kom­men­de Jahr. Von Chris­ti­na Her­tel

Deutsch Perfekt - - Die Themen Des Monats - MITTEL

Die Eu­ro­pä­er wäh­len ein neu­es Par­la­ment, es gibt ein spe­zi­el­les Amt für Müll – und viel­leicht auch die erste pri­vat fi­nan­zier­te Mis­si­on zum Mond. Dies und vie­les mehr im gro­ßen Blick auf das neue Jahr.

Eva Me­n­as­se in Mainz

Für die Schrift­stel­le­rin Eva Me­n­as­se be­ginnt das Jahr 2019 mit ei­nem Um­zug – von Ber­lin nach Mainz, in das Dach­ge­schoss des Gu­ten­berg-Mu­se­ums. Dort darf je­des Jahr ein Au­tor als „Stadt­schrei­ber“kos­ten­los woh­nen. Me­n­as­se schreibt mit viel Em­pa­thie über fra­gi­le Be­zie­hun­gen, sagt die Ju­ry. Des­halb hat sie sie aus­ge­wählt. Die 48-Jäh­ri­ge be­kommt au­ßer­dem 12 500 Eu­ro und darf ei­ne Fern­seh­do­ku­men­ta­ti­on machen.

Fahr­ver­bo­te für Die­sel­au­tos?

In Ber­lin, Stutt­gart und Frank­furt ist die Luft zu schlecht. So schlecht, dass sie krank macht. Des­halb for­dert die Jus­tiz Fahr­ver­bo­te für Die­sel­au­tos. Sie könn­ten ab Sep­tem­ber kom­men. Aber die Re­gie­rung möch­te das nicht. Sie will das Pro­blem da­durch lö­sen, dass die Mo­to­ren mo­di­fi­ziert wer­den. Nicht klar ist, wer das be­zah­len soll. Die Her­stel­ler wol­len es nicht.

15 Zie­le für Eu­ro­pa

Treib­haus­ga­se re­du­zie­ren, künst­li­che In­tel­li­genz wei­ter­ent­wi­ckeln, den Eu­ro in­ter­na­tio­nal stär­ker machen – das al­les und noch mehr will die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on im nächs­ten Jahr er­rei­chen. Ins­ge­samt ste­hen in ih­rem Ar­beits­pro­gramm 15 Initia­ti­ven. Ein be­son­ders wich­ti­ges Ziel: ent­schei­den, wie nach dem Br­ex­it die Vi­sa für Rei­sen­de aus­se­hen könn­ten.

Neue Re­geln für das Glücks­spiel

Mehr als 90 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­lie­ren die Deut­schen je­des Jahr beim Glücks­spiel – ei­nen im­mer grö­ße­ren Teil da­von im In­ter­net. Und das, ob­wohl On­li­ne-Glücks­spie­le bis auf we­ni­ge Aus­nah­men in Deutsch­land ver­bo­ten sind. Um den il­le­ga­len Trend zu stop­pen, ha­ben sich die Bun­des­län­der auf ein neu­es Amt ge­ei­nigt. Es soll den Markt kon­trol­lie­ren.

Ein neu­es Amt für den Müll

Die Deut­schen pro­du­zie­ren am meis­ten Ver­pa­ckungs­müll in ganz Eu­ro­pa – näm­lich 220 Ki­lo pro Per­son. Ab 2019 soll ein neu­es Amt mit dem Na­men Stif­tung Zen­tra­le Stel­le Ver­pa­ckungs­re­gis­ter für mehr Trans­pa­renz sor­gen. Händ­ler, die ver­pack­te Wa­ren ver­kau­fen, müs­sen sich dort re­gis­trie­ren. In Zu­kunft könn­te es dann für Ver­pa­ckun­gen, die sich schlech­ter re­cy­celn las­sen, mehr Ge­büh­ren ge­ben. Kri­ti­ker mei­nen, dass das neue Amt nichts an­de­res ist als ein ty­pisch deut­sches Bü­ro­kra­tie­mons­ter.

Eu­ro­pa wählt ein neu­es Par­la­ment

Vor der Eu­ro­pa­wahl im Mai 2019 warnt Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel vor ei­ner Ent­wick­lung, „die ins Elend führt“. Denn wach­sen die rech­ten Par­tei­en, könn­te das für die Eu­ro­päi­sche Uni­on ge­fähr­lich wer­den. Und beim letz­ten Mal ga­ben nur 42,6 Pro­zent der Wäh­ler ih­re Stim­me ab.

Ein Jahr oh­ne Fri­seur

Mehr als ein Jahr lang las­sen sich vie­le männ­li­che Darstel­ler des Obe­r­am­mer­gau­er Pas­si­ons­thea­ters Haa­re und Bär­te wach­sen, da­mit sie so aus­se­hen wie die Men­schen vor über 2000 Jah­ren. Die Pas­si­ons­spie­le gibt es schon seit 1634. Die Obe­r­am­mer­gau­er hat­ten im Jahr da­vor ver­spro­chen: Wenn nie­mand von ih­nen die Pest be­kommt, wol­len sie al­le zehn Jah­re die letz­ten Ta­ge aus dem Le­ben Je­su auf die Büh­ne brin­gen. Da­mals wur­de nie­mand krank. Des­halb las­sen sich die Darstel­ler auch jetzt wie­der nach dem Kar­ne­val zum letz­ten Mal die Haa­re schnei­den. Pre­mie­re ist im Mai 2020.

Fort­schritt beim Ber­li­ner Flug­ha­fen?

Am bes­ten noch ein­mal neu bau­en war der Tipp man­cher Ex­per­ten für den Haupt­stadt­flug­ha­fen BER. Ei­gent­lich soll­ten dort 2012 die ers­ten Flug­zeu­ge star­ten. Bis heu­te gibt es aber im­mer noch Pro­ble­me – zum Bei­spiel mit dem Brand­schutz. Der Flug­ha­fen­chef hofft, die Brand­schutz­pro­ble­me bis zum Herbst 2019 lö­sen zu kön­nen. Dann könn­te der Air­port im Ok­to­ber 2020 er­öff­nen.

Die Bun­des­re­pu­blik wird 70

„Die Wür­de des Men­schen ist unan­tast­bar“– so fängt das Grund­ge­setz an. Am 23. Mai 1949 wur­de es ver­kün­det. Die­ser Tag ist die Ge­burts­stun­de der Bun­des­re­pu­blik. Ein Christ­de­mo­krat, der frü­he­re

Köl­ner Bür­ger­meis­ter Kon­rad Ade­nau­er, wur­de zum ers­ten Kanz­ler ge­wählt. Für die Deut­schen be­gann ei­ne Boom-Zeit. 70 Jah­re spä­ter fei­ert Deutsch­land Deutsch­land.

Pa­ke­te könn­ten teu­rer wer­den

Im­mer mehr Deut­sche be­stel­len Schu­he, Bü­cher, auch Le­bens­mit­tel im In­ter­net. Bis jetzt ist der Ser­vice der Lie­fe­rung meis­tes kos­ten­los. Aber das könn­te sich än­dern: Lie­fer­ge­büh­ren im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich sind ab 2019 nach Mei­nung von Ex­per­ten mög­lich. Denn die Trans­port­dienst­leis­ter ar­bei­ten schon lan­ge am Li­mit.

Ein letz­tes Mal Som­mer­zeit?

Ei­nen künst­li­chen Jet­lag ha­ben vie­le Eu­ro­pä­er, wenn sie im Som­mer oder im Winter die Uh­ren um­stel­len. Die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on will, dass da­mit 2019 Schluss ist. Bis April sol­len die Staa­ten ent­schei­den, ob sie bei dem Sys­tem aus Som­mer- und Win­ter­zeit blei­ben wol­len. Aber vie­le sind skep­tisch, ob das so schnell geht. Denn noch ha­ben sich nicht al­le Län­der ent­schie­den, ob sie kei­ne Zeit­um­stel­lung mehr möch­ten.

100 Jah­re Bau­haus

Die le­gen­dä­re Schreib­tisch­lam­pe, die halb­ku­ge­li­ge Tee­kan­ne und der frei­schwin­gen­de Stuhl sind bis heu­te Klas­si­ker des De­signs. Ent­wi­ckelt wur­den sie am Staat­li­chen Bau­haus. Die le­gen­dä­re Kunst­schu­le hat der Ar­chi­tekt Wal­ter Gro­pi­us 1919 in Wei­mar ge­grün­det. 100 Jah­re da­nach wird das Bau­haus in Ver­an­stal­tun­gen im gan­zen Land ge­fei­ert, be­son­ders na­tür­lich in Thü­rin­gen.

We­ni­ger Zu­cker in Le­bens­mit­teln

Wer zu viel Zu­cker isst, hat ein hö­he­res Ri­si­ko für Krank­hei­ten wie Dia­be­tes. Des­halb wur­de die Po­li­tik ak­tiv: Von 2019 an sol­len sich Le­bens­mit­tel­her­stel­ler frei­wil­lig da­zu ver­pflich­ten, den Zu­cker in ih­ren Pro­duk­ten zu re­du­zie­ren. Denn vie­le Kun­den ver­ges­sen, dass auch in Le­bens­mit­teln wie Wurst oder Jo­ghurt Zu­cker ist. Au­ßer­dem will die Re­gie­rung Zu­cker in Le­bens­mit­teln für Ba­bys ver­bie­ten.

Kran­ken­ver­si­che­rung wird bil­li­ger

Ein neu­er Com­pu­ter und ein Au­to sind in ei­nem Image­film des Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums zu se­hen, als ein Ver­si­cher­ter hört, dass er im nächs­ten Jahr we­ni­ger für sei­ne Kran­ken­ver­si­che­rung be­zah­len muss. So viel wird er sich aber nicht kau­fen kön­nen, wenn sich Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer ab 2019 die Bei­trä­ge zur Kran­ken­kas­se wie­der zur Hälf­te tei­len. Denn für Men­schen, die 3000 Eu­ro brut­to ver­die­nen, sind das zum Bei­spiel nur cir­ca 15 Eu­ro. Aber: Für vie­le Selbst­stän­di­ge wird es bes­ser. Die Bei­trä­ge für Klein­un­ter­neh­mer wie vie­le Ta­xi­fah­rer sin­ken um mehr als die Hälf­te – von et­wa 360 auf nicht ganz 160 Eu­ro.

Ein deut­scher Kom­mis­si­ons­chef?

Zum ers­ten Mal seit fast 50 Jah­ren könn­te wie­der ein Deut­scher Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on wer­den: Man­fred We­ber, der Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Eu­ro­päi­schen Volks­par­tei, ist Kan­di­dat. We­ber ist 46 Jah­re alt, ver­hei­ra­tet und ka­tho­lisch. Er ge­hört zum li­be­ra­len und eu­ro­pa­freund­li­chen Teil der CSU. Sei­ne Chan­cen sind gut, mei­nen Ex­per­ten.

Rei­se­ziel Deutsch­land

Ei­ne Rei­se nach Deutsch­land ist schö­ner, als an den wei­ßen Strän­den von In­do­ne­si­en zu lie­gen – wenn man dem Rei­se­füh­rer Lo­nely Pla­net glaubt. Die­ser wähl­te Deutsch­land auf Platz zwei der Top-Rei­se­zie­le für 2019, nur Sri Lan­ka war bes­ser. Schon jetzt boomt der Tou­ris­mus in Deutsch­land: 38,6 Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen aus­län­di­scher Tou­ris­ten gab es in der ers­ten Jah­res­hälf­te 2018 – vier Pro­zent mehr als im Vor­jahr. 2019 wer­den wahr­schein­lich noch ein paar Lo­nely-Pla­net-Le­ser nach Deutsch­land rei­sen.

Macht Spa­ren bald wie­der Sinn?

Seit zehn Jah­ren macht es kaum noch Sinn, Geld auf dem Kon­to lie­gen zu las­sen. Denn es gibt fast kei­ne Zin­sen. 2019 könn­te das vor­bei sein. Jens Weid­mann, der gu­te Chan­cen hat, Chef der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank zu wer­den, kün­dig­te ein En­de der Null­zins-Po­li­tik an. Ak­tu­ell ist er Prä­si­dent der Bun­des­bank.

Star­tet das Hum­boldt-Fo­rum?

Bahn ver­mie­tet Ar­beits­plät­ze

Im­mer mehr Men­schen ha­ben ih­ren Lap­top da­bei und ar­bei­ten un­ter­wegs. Die Deut­sche Bahn will da­mit Geld ver­die­nen: Ab 2019 bie­tet sie an Bahn­hö­fen Co­wor­king Spaces an. Pend­ler und Ge­schäfts­rei­sen­de sol­len mit ih­rer Fahr­kar­te oder ge­gen ei­ne Ge­bühr in den Bü­ros ar­bei­ten dür­fen. In Ber­lin hat die Bahn das schon ge­tes­tet. Und dort fan­den Rei­sen­de die Idee gut.

Die Strom­prei­se stei­gen

Strom könn­te in Deutsch­land 2019 teu­rer wer­den. Ex­per­ten er­war­ten zwei bis fünf Pro­zent teu­re­re Prei­se. Für ei­nen Vier-Per­so­nen-Haus­halt sind das 30 bis 40 Eu­ro mehr im Jahr. Der Grund: Es ist teu­rer ge­wor­den, Strom zu be­schaf­fen. Gleichzeitig sinkt die Ab­ga­be, mit der der Staat er­neu­er­ba­re Ener­gi­en för­dert. Aber das reicht nicht, um den Preis­an­stieg aus­zu­glei­chen.

Vor 30 Jah­ren wur­de die deutsch-deut­sche Gren­ze ge­öff­net

„Nach mei­ner Kennt­nis ist das … so­fort, un­ver­züg­lich“– mit die­sen Wor­ten läu­tet Po­lit­bü­ro-Spre­cher Gün­ther Scha­bow­ski vor 30 Jah­ren am 9. No­vem­ber 1989 un­frei­wil­lig das En­de der deutsch-deut­schen Gren­ze ein. Ei­gent­lich woll­te er nur über ei­ne neue DDR-Rei­se­re­ge­lung sprechen. Aber sei­ne Vor­be­rei­tung war schlecht. Er ver­has­pelt sich und er­klärt, dass die Gren­ze of­fen ist. Kurz dar­auf ge­hen Tau­sen­de zu den Grenzen. Für die Ar­mee ist das ei­ne gro­ße Über­ra­schung. Aber sie öff­net die Gren­ze. 30 Jah­re spä­ter fei­ert Deutsch­land das Ju­bi­lä­um – be­son­ders vie­le Ver­an­stal­tun­gen gibt es in der Haupt­stadt.

Kin­der be­kom­men Fei­er­tag

Über ei­nen neu­en Fei­er­tag kön­nen sich die Thü­rin­ger freu­en: Ih­re Re­gie­rung möch­te den Welt­kin­der­tag am 20. Sep­tem­ber zum ge­setz­li­chen Fei­er­tag machen – als Symbol für Fa­mi­li­en­freund­lich­keit. Ein Teil der Wirt­schaft ist da­ge­gen. Sie er­war­tet, dass sie der Fei­er­tag 72 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten wird.

Die Schwei­zer wäh­len

Die Schwei­zer wäh­len im Ok­to­ber 2019 ihr Par­la­ment. In den Pro­gno­sen ge­win­nen die Lin­ken Wäh­ler, die Rech­ten ver­lie­ren. Grund könn­te sein, dass den Men­schen Mi­gra­ti­ons­the­men nicht mehr so wichtig sind. Haupt­pro­ble­me sind die ho­hen Kos­ten für die Kran­ken­ver­si­che­rung und die Al­ters­vor­sor­ge. So wie in Deutsch­land könn­ten auch in der Schweiz die Grü­nen stär­ker wer­den.

Bahn­fah­ren dau­ert län­ger

Glei­se, Wei­chen und Ober­lei­tungs­mas­ten der Bahn sind in kei­nem gu­ten Zu­stand. Vie­le da­von müs­sen 2019 sa­niert wer­den. Da­für wer­den zen­tra­le Rou­ten – zum Bei­spiel von Han­no­ver nach Göt­tin­gen – in Etap­pen bis 2023 ge­sperrt. Für Bahn­kun­den be­deu­tet das bis zu ei­ner Drei­vier­tel­stun­de län­ge­re Fahr­zei­ten.

Al­le wol­len zum Mond

„Ein klei­ner Schritt für ei­nen Men­schen, aber ein gro­ßer Sprung für die Menschheit“, sag­te Neil Am­strong, kurz be­vor er 1969 als ers­ter Mensch den Mond be­trat. 50 Jah­re spä­ter ist das Mond­fie­ber wie­der ent­facht: Ei­ne Grup­pe aus Ber­lin, die sich PTSci­en­tists nennt, plant für 2019 die erste pri­vat fi­nan­zier­te Mond­mis­si­on. Auch die Chi­ne­sen wol­len mit ei­nem un­be­mann­ten Ro­ver lan­den. Und zwi­schen Eu­ro­pa, den USA, Ka­na­da, den Ja­pa­nern und viel­leicht auch den Rus­sen gibt es Plä­ne für ei­ne Raum­sta­ti­on, die um den Mond fliegt.

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