DEBATTE

Ei­ne Steu­er für Goog­le & Co.?

Deutsch Perfekt - - Die Themen Des Monats -

Ja „Di­gi­tal­kon­zer­ne dür­fen ih­re ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung nicht igno­rie­ren.“

Di­gi­tal­un­ter­neh­men wie Goog­le und App­le zah­len in der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) durch­schnitt­lich nur 9,5 Pro­zent Steu­ern auf ih­re Ge­win­ne. An­de­re in­ter­na­tio­nal ak­ti­ve Un­ter­neh­men zah­len im Ge­gen­satz da­zu 23,2 Pro­zent. Die­se Un­ge­rech­tig­keit ist mög­lich, weil die Wert­schöp­fung gro­ßer di­gi­ta­ler Kon­zer­ne nicht klar zu ei­nem be­stimm­ten Land ge­hört – an­ders als bei lo­ka­len Lä­den und Ge­schäf­ten oder der phy­sisch pro­du­zie­ren­den In­dus­trie. Denn mul­ti­na­tio­na­le Di­gi­tal­kon­zer­ne schaffen zum größ­ten Teil im­ma­te­ri­el­le Wer­te.

Die­se las­sen sich als Li­zen­zen und Pa­ten­te leicht dort­hin bu­chen, wo die nied­rigs­ten Steu­ern zu zah­len sind. So schaffen es die­se Un­ter­neh­men teil­wei­se so­gar, sich der di­gi­ta­len Be­steue­rung in Eu­ro­pa kom­plett zu ent­zie­hen.

Ei­ne am Um­satz ori­en­tier­te Di­gi­tal­steu­er wür­de für ei­nen fai­ren Wett­be­werb zwi­schen lo­ka­lem Ein­zel­han­del und glo­ba­lem Di­gi­tal­han­del sor­gen und dem Prin­zip der Steu­er­ge­rech­tig­keit folgen. Di­gi­tal­kon­zer­ne dür­fen ih­re ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung nicht län­ger igno­rie­ren. Des­halb soll­te der deut­sche Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter und So­zi­al­de­mo­krat Olaf Scholz un­be­dingt wie der fran­zö­si­sche Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron ei­ne eu­ro­pa­wei­te Di­gi­tal­steu­er fordern.

Der Vor­schlag für ei­ne Be­steue­rung di­gi­ta­ler Um­sät­ze kann je­doch nur ei­ne In­te­rims­lö­sung sein. Denn Un­ter­neh­mens­steu­ern hän­gen nor­ma­ler­wei­se vom Ge­winn ab und nicht vom Um­satz. Ei­ne wich­ti­ge Auf­ga­be für die Zu­kunft ist des­halb, den Preis im­ma­te­ri­el­ler Ver­mö­gens­wer­te zu­ver­läs­sig fest­zu­stel­len. Da­von hängt ab, wie di­gi­ta­le Ge­schäfts­mo­del­le Wert schaffen und wie die­se Ge­schäfts­mo­del­le be­steu­ert wer­den kön­nen.

Nein „Nur glo­ba­le Stan­dards si­chern ei­ne fai­re Be­steue­rung.“

Der Vor­schlag der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on, die di­gi­ta­le Wirt­schaft zu be­steu­ern, ist der kom­plett fal­sche Weg. Denn da­mit las­sen sich we­der Ver­zer­run­gen im Wett­be­werb ver­hin­dern, noch Lü­cken in der Be­steue­rung schlie­ßen, die es zwi­schen ein­zel­nen Staa­ten gibt. Im Ge­gen­satz da­zu wür­de die neue Steu­er in di­rek­ter Kon­se­quenz zu ei­ner Über­be­steue­rung der Un­ter­neh­men füh­ren. Dies wä­re ge­fähr­lich, weil die Wirt­schaft ge­ra­de mit­ten im Pro­zess der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on ih­rer Ge­schäfts­mo­del­le steht.

Nur glo­ba­le Stan­dards si­chern ei­ne fai­re und recht­lich si­che­re Be­steue­rung der Un­ter­neh­men. Da­bei ha­ben die Re­gie­run­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon Ver­bes­se­run­gen er­reicht: So­wohl die In­dus­trie­staa­ten-Or­ga­ni­sa­ti­on OECD, als auch die G20, die Grup­pe der 20 wichtigsten Volks­wirt­schaf­ten, ar­bei­ten dar­an, es den Un­ter­neh­men schwe­rer zu machen, ih­re Ge­win­ne zu re­du­zie­ren und auch zu ver­la­gern.

Ein wei­te­res wich­ti­ges Ele­ment sind die An­ti-Steu­er­ver­mei­dungs­richt­li­ni­en der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on, die un­ge­sun­den Steu­er­sen­kungs­wett­be­werb innerhalb der EU-Mit­glieds­staa­ten zu ver­hin­dern hel­fen.

In Deutsch­land gibt es schon jetzt sehr vie­le Re­geln und Ge­set­ze ge­gen Steu­er­um­ge­hung und auch Steu­er­hin­ter­zie­hung. Noch mehr Re­strik­tio­nen wä­ren kon­tra­pro­duk­tiv und wür­den un­se­re Un­ter­neh­men we­ni­ger wett­be­werbs­fä­hig machen. Dies wür­de den Wohl­stand, das Wachs­tum und auch die Be­schäf­ti­gung im Land schwä­chen. Des­halb leh­nen wir im Bun­des­ver­band der Deut­schen In­dus­trie na­tio­na­le oder eu­ro­päi­sche Al­lein­gän­ge in der Steu­er­po­li­tik ab – und sind ge­gen die EU-Di­gi­tal­steu­er.

Joa­chim Lang ist Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Bun­des­ver­bands der Deut­schen In­dus­trie.

Sven Gie­gold ist Mit­glied der Grü­nen im Eu­ro­pa­par­la­ment und Spre­cher der Eu­ro­pa­grup­pe Grü­ne.

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