„Ich hat­te nie den Wunsch zu se­hen“

Deutsch Perfekt - - Wirtschaft -

Frau Pabst, ist Ih­re Seh­be­hin­de­rung für Ih­re Man­dan­ten manch­mal ein Pro­blem?

Nein, sonst wür­den sie ja nicht kom­men. Im nor­ma­len Man­dan­ten­ge­spräch ist das ei­gent­lich kein The­ma. Au­ßer, wenn ich ei­nen Man­dan­ten dar­um bit­ten muss, et­was für mich vor­zu­le­sen. Aber es hat mir noch nie­mand ge­sagt: „Sie kön­nen die­sen Job doch gar nicht machen, Sie se­hen ja nichts!“Wer das denkt, kommt gar nicht erst zu mir.

Es ist al­so nicht wichtig, dass man vor Ge­richt Kör­per­spra­che se­hen kann?

Nein, man merkt ja auch so, was ge­sagt wird. Und auch an der Stim­me kann man et­was er­ken­nen. Ob­wohl ich oft sa­ge, dass ich kein Lü­gen­de­tek­tor bin. Ich weiß, dass man mich schon an­ge­lo­gen hat und ich es nicht ge­merkt habe.

War­um ha­ben Sie sich ei­gent­lich ent­schie­den, Rechts­an­wäl­tin zu wer­den?

Als ich elf Jah­re alt war, war ich mit mei­ner Mut­ter zum ers­ten Mal beim Rechts­an­walt. Ich war be­geis­tert von der Art, wie er ge­spro­chen hat. Al­so habe ich ge­sagt: Ich möch­te Ju­ra stu­die­ren.

Und Sie woll­ten dann spe­zi­ell ins Straf­recht?

Ja, das war von An­fang an mein Wunsch. Als ich er­fah­ren habe, dass ich we­gen mei­ner Seh­be­hin­de­rung kei­ne Straf­rich­te­rin wer­den kann, habe ich ge­sagt: Na gut, dann wer­de ich eben Rechts­an­wäl­tin.

Wie ha­ben Sie das Ju­ra-Stu­di­um ge­schafft?

Ich hat­te net­te Kom­mi­li­to­nen, die mir die Bü­cher vor­ge­le­sen ha­ben. Auch meine Mut­ter hat das ge­tan. Und ich hat­te auch Kas­set­ten, auf de­nen mir die Bü­cher vor­ge­le­sen wur­den. Ins­ge­samt war das ei­gent­lich sehr pro­blem­frei.

Ha­ben Sie auch schon un­ter Ih­rer Seh­be­hin­de­rung ge­lit­ten?

Als ich in der Schu­le war, wur­de ich ab der 7. Klas­se von mei­nen Ka­me­ra­den ge­mobbt. Ich hat­te neue Mit­schü­ler, die meine Seh­be­hin­de­rung aus­ge­nutzt ha­ben. 13, 14, 15 Jah­re – das war ein schwie­ri­ges Al­ter. Trotz­dem hat­te ich nie den Wunsch, dass ich se­hen kann.

War­um ha­ben Sie sich ent­schie­den, ein Buch über Ihr Le­ben zu schreiben?

2007 habe ich meine Ar­beit als Rechts­an­wäl­tin an­ge­fan­gen. Da­mals gab es vie­le Zei­tungs­ar­ti­kel über mich. Die Ghost­wri­te­rin Shir­ley Michae­la Seul hat mich dann kon­tak­tiert und ge­sagt, dass sie gern mit mir ein Buch schreiben wür­de.

Ha­ben Sie lan­ge über­legt, ob Sie Ja sa­gen?

Nein. Ich hat­te noch nie ein Pro­blem da­mit, ei­ne öf­fent­li­che Per­son zu sein. Und ich bin auch gern ein Vor­bild für an­de­re.

Seit Sep­tem­ber gibt es auch ei­ne Se­rie, für die Ihr Buch die Ba­sis ist. Ha­ben Sie an der Ent­wick­lung teil­ge­nom­men?

Ja und nein. Die Se­rie ist ei­ne Fik­ti­on, und ich habe un­ter­schrie­ben, dass ich kein Rück­spra­che­recht habe. Aber die Dreh­buch­schrei­ber, der Re­gis­seur und die Pro­du­zen­ten wa­ren bei mei­ner Ar­beit da­bei. Ich konn­te al­so schon ein biss­chen Ein­fluss neh­men. Die Schau­spie­le­rin Li­sa Mar­ti­nek, die mich spielt, war auch viel mit mir zu­sam­men un­ter­wegs. Wir sind in­zwi­schen gu­te Freun­din­nen.

Sind Sie mit der Se­rie zu­frie­den?

Ich habe sechs Folgen da­von ge­se­hen – ich sa­ge auch ge­se­hen da­zu. Ich bin sehr glück­lich mit dem Er­geb­nis und lie­be die Se­rie sehr. In­ter­view: Guil­lau­me Horst

Schon als Kind wuss­te Pa­me­la Pabst, dass sie Ju­ra stu­die­ren will. Ob­wohl sie nur den Un­ter­schied zwi­schen hell und dun­kel sieht, ist sie heu­te die erste Straf­ver­tei­di­ge­rin in Deutsch­land, die schon seit ih­rer Ge­burt blind ist.

Pa­me­la Pabst (40) ist blind zur Welt ge­kom­men. Die Straf­ver­tei­di­ge­rin hat ei­ne Kanz­lei in ih­rer Hei­mat­stadt Ber­lin. 2014 hat sie ih­re Bio­gra­fieIch se­he das, was ihr nicht sehtpu­bli­ziert. Die­ses Buch war die Ba­sis für ei­ne Fern­seh­se­rie über ei­ne blin­de An­wäl­tin: Die Hei­land – wirsind An­walt, gibt es seit Sep­tem­ber im Ers­ten Deut­schen Fern­se­hen.

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