Mo­no­ki­ni und PVC-Mi­ni­kleid

Ös­ter­reich hat auch Ge­wag­tes zur Welt­mo©e bei­ge­tra­gen.

Die Presse am Sonntag - - Künst­ler - VON SA­MIR H. KÖCK

helm, der et­wa auch für die is­län­di­sche Pop­si­re­ne Björk schnei­dert, teilt sie die Be­geis­te­rung für Pop­mu­sik. Ih­re Fa­vo­ri­tin­nen sind – we­nig über­ra­schend – zwei höchst un­ter­schied­li­che Frau­en. Die rü­de Court­ney Lo­ve, Ex-Braut von Kurt Co­bain, und die el­fen­ar­ti­ge Stevie Nicks, einst Lead­sän­ge­rin der Sof­tRock-For­ma­ti­on Fleet­wood Mac. Bei den bei­den ist Pork­ar durch­aus ob­ses­siv. „Ich hö­re sie seit 15 Jah­ren bei­na­he täg­lich. Ih­re Stim­men sind vol­ler Emo­ti­on. So un­ter­schied­lich sie auf den ers­ten Blick auch schei­nen mö­gen, sie ha­ben vie­le Ge­mein­sam­kei­ten. Bei­de hat­ten ein stark aus­ge­präg­tes Ge­fühl für Mo­de, führ­ten ein tur­bu­len­tes Le­ben, das sich ide­al in ih­rer Mu­sik wi­der­spie­gelt.“

Was In­ter­na­tio­na­li­tät an­geht, kann sich Pork­ar schon mit Pop­stars ver­glei­chen. An­ge­se­he­ne Mo­de­ga­zet­ten von „i-D“bis „Har­per’s Ba­zaar“be­rich­te­ten über sie. Zu­dem ist nach Los An­ge­les und New York Pa­ris be­reits ih­re drit­te Wir­kungs­stät­te. Die Stra­ßen in die­sen Me­tro­po­len durch­misst sie eher ra­schen Schrit­tes. „Ich se­he lei­der viel zu we­nig auf, wenn ich zu Fuß un­ter­wegs bin. Meis­tens star­re ich auf mein Han­dy­dis­play.“Wo­mög­lich als Schutz­maß­nah­me ge­gen den tex­ti­len Ein­heits­brei, den die glo­bal tä­ti­gen Wa­ren­häu­ser zu ver­ant­wor­ten ha­ben. „Ich bin eher auf­merk­sam, wenn es um die Klei­dungs­sti­le der Men­schen in mei­nem nä­he­ren Um­feld geht.“Ei­ne an­de­re Par­al­le­le zwi­schen Pop­mu­sik und Mo­de be­steht dar­in, dass bis in die Neun­zi­ger­jah­re hin­ein klar er­kenn­ba­re Epo­chen­sti­le exis­tiert ha­ben. Pork­ar be­harrt in­ter­es­san­ter­wei­se dar­auf, dass es die­se auch heu­te noch gibt, bloß be­mer­ke man das erst in der Rück­schau. „Die ganz spe­zi­fi­sche Äs­t­he­tik der 2000er-Jah­re ist erst jetzt wirk­lich er­kenn­bar.“ Ge­gen ©Żs Über­in­tel­lek­tu­el­le. In ih­rer Äs­t­he­tik mixt sie mit Vor­lie­be Ex­pe­ri­men­tel­les mit Fe­mi­ni­nem, will aber nicht – we­nigs­tens nicht be­wusst – an ei­ner Neu­jus­tie­rung weib­li­cher Hip­ness ar­bei­ten. Die Über­in­tel­lek­tua­li­sie­rung der Mo­de ist ihr zu­wi­der. Aber Karl La­ger­felds Dik­tum, dass, „wer zu tief denkt, in der Mo­de­bran­che fehl am Platz ist“, geht ihr dann doch zu weit. „Mo­de ist na­tür­lich ober­fläch­lich, weil man sie auf der Haut trägt. Weil al­le paar Mo­na­te al­les neu er­fun­den wird, bleibt we­nig Zeit für tief ge­hen­de Dis­kus­sio­nen. Ich den­ke aber nicht, dass ich mich mit mei­nem Ent­schluss, De­si­gne­rin zu wer­den, per se für die Ober­fläch­lich­keit ent­schie­den ha­be.“

Die drei­ein­halb Jah­re seit ih­rem Ab­schluss leb­te und wirk­te sie in New York, Ber­lin, Los An­ge­les und na­tür­lich Pa­ris. All­mäh­lich rea­li­siert sie, dass sie, die so viel Wert auf Freun­de legt, mehr und mehr zur Aus­lands­ös­ter­rei­che­rin wird. Sie be­kommt viel Be­such. Zu­wei­len kehrt sie zu ih­ren aus dem Iran ge­bür­ti­gen El­tern nach Wien zu­rück. Ih­re De­fi­ni­ti­on von Hei­mat ist nicht vom Seh­sinn ge­prägt. Nach kur­zem Nach­den­ken nennt sie „das Es­sen mei­ner Ma­ma, den Ge­ruch ei­nes Ge­wit­ters und schnul­zi­ge Mu­sik aus den Acht­zi­ger­jah­ren. Die Lis­te ist lang und wird wo­mög­lich kit­schig. Al­so hö­re ich jetzt lie­ber auf.“ „Ru­di Görn­rik“, hol­per­ten die ame­ri­ka­ni­schen Fern­seh­mo­de­ra­to­ren Mit­te der Sech­zi­ger­jah­re über sei­nen Na­men. Ru­di Gern­reich hieß er in Wahr­heit. Als ho­mo­ero­tisch ori­en­tier­ter Wie­ner muss­te er 1938 vor den Na­zis flüch­ten. Zu­nächst ar­bei­te­te er in den USA als Tän­zer, ehe er sei­ne ge­wag­ten Ide­en in der Mo­de­bran­che um­setz­te.

Sei­ne Ent­wür­fe setz­ten der Prü­de­rie der Fünf­zi­ger- und zu­nächst auch Sech­zi­ger­jah­re ei­ni­ges ent­ge­gen. Am spek­ta­ku­lärs­ten war der Mo­no­ki­ni, ein „top­less swim­su­it“. Be­ste­hend aus ei­nem Ho­serl, das bis an die Rip­pen reich­te, und ei­nem mit­ti­gen Dop­pel­trä­ger, der um den Hals dra­piert wur­de, sorg­te das Teil in­ter­na­tio­nal für Fu­ro­re. Al­ler­dings nur als Schlag­zei­le. Ver­kauft wur­den et­wa 3000 Tei­le, die wohl nur auf pri­va­ten Pl­ansch­par­tys zum Ein­satz ka­men. Ero­ti­sches Ab­zip­pen. Wich­ti­ger wa­ren Gern­reichs Ent­wür­fe für ei­ne Unis­exMo­de. Früh sah er das an­dro­gy­ne Zeit­al­ter her­an­kom­men. Gern tän­del­te er in man­chen sei­ner De­signs mit ab­zipp­ba­ren Ele­men­ten, die ei­ne zu­nächst sitt­sam wir­ken­de Sil­hou­et­te in Se­kun­den­schnel­le in den Mo­dus der ero­ti­schen Atta­cke ver­wan­deln konn­ten. Ein be­son­de­res Gus­to­stü­ckerl sei­nes Wir­kens sind die Uni­for­men der bri­ti­schen Sci­ence-Fic­tion-TV-Se­rie „Mond­ba­sis Al­pha 1“, die von 1975 bis 1977 lief. Die beige-ro­ten Unisex-Over­alls, die mit brei­ten Gür­teln aus­ge­stat­tet wa­ren, kann man die­ser Ta­ge noch im Fa­shion In­sti­tu­te of De­sign and Mer­chan­di­sing in Los An­ge­les be­sich­ti­gen.

Der aus dem 22. Wie­ner Be­zirk stam­men­de Hel­mut Lang er­öff­ne­te 1979 in der Son­nen­fels­gas­se Bou Bou Lang, das ers­te Out­let sei­ner Krea­tio- nen, und ging prompt da­mit in Kon­kurs. 1986 hat­te er sich wie­der auf­ge­rap­pelt und re­üs­sier­te mit ei­ner spek­ta­ku­lä­ren Mo­de­schau in Pa­ris. Statt wie an­de­re auf Opu­lenz zu set­zen, ver­blüff­te er mit fern­öst­lich wir­ken­der Sch­licht­heit. Spä­ter be­gann er mit Ma­te­ria­li­en wie La­tex und PVC zu ex­pe­ri­men­tie­ren. Die in­ter­na­tio­na­le Kar­rie­re kam jetzt so rich­tig ins Rol­len. Zu­sätz­lich un­ter­rich­te­te Lang an der Hoch­schu­le für an­ge­wand­te Kunst in Wien. Als ers­ter Nicht-Ame­ri­ka­ner wur­de er ins Coun­cil of Fa­shion De­si­gners of Ame­ri­ca auf­ge­nom­men. 2004 ver­kauf­te er die let­zen An­tei­le sei­nes La­bels an Pra­da und lebt seit­her als Künst­ler in Long Is­land.

Wen­dy & Jim, aus Hel­ga Ruth­ner und Her­mann Fank­hau­ser be­ste­hend, fan­den 1999 an der Uni für an­ge­wand­te Kunst zu­ein­an­der. Ei­ner ih­rer Leh­rer war da­mals Hel­mut Lang. Ih­re Kol­lek­tio­nen zei­gen sie re­gel­mä­ßig in Pa­ris. Ei­ne Kol­la­bo­ra­ti­on mit Com­me des Gar­cons¸ zählt zu ih­ren High­lights. Ro­ckŻ­bil­ly-Dirn©l. Seit 2006 mischt auch die Gra­ze­rin Le­na Ho­schek in­ter­na­tio­nal mit. Nach dem Di­plom an der Mo­de­schu­le Het­zen­dorf und ei­nem Prak­ti­kum bei Vi­vi­en­ne West­wood er­öff­ne­te sie ei­ge­ne Sto­res in Graz, Wien und Ber­lin. Sie kom­bi­niert gern Dirndl-Ele­men­te mit Ro­cka­bil­ly-Chic.

We­sent­lich avant­gar­dis­ti­scher ge­hen es DMM­JK an, das Duo Emil Beindl und Mar­kus Bin­der, das schon mit dem Apol­da Eu­ro­pean De­sign Award aus­ge­zeich­net wur­de. Ei­ne Zu­sam­men­ar­beit mit Pro­en­za Schou­ler in New York war ein bis­he­ri­ges High­light. Die bei­den hat­ten mit Bern­hard Will­helm und Ve­ro­ni­que Bran­quin­ho die glei­chen Leh­rer wie Ro­shi Pork­ar.

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