Hu(ch)! Is­lands Ruf pri­va­ti­siert

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - KARL GAULHOFER

Ein Schlacht­ruf kann ein Volk ei­nen – und ent­zwei­en. Dass Is­lands Fuß­bal­ler bei der EM 2016 bis ins Vier­tel­fi­na­le durch­presch­ten, ver­dank­ten sie auch dem laut­star­ken Rück­halt von ih­ren Fans. Der Wi­kin­ger-Ruf „Hu“don­ner­te durch Frank­reichs Sta­di­en und schuf un­ter den wa­cke­ren In­sel­be­woh­nern ein un­ge­ahn­tes Ge­fühl der Ge­mein­sam­keit. Und jetzt das: Viel Streit um ein we­nig schnö­den Pro­fit. Ein Volks­schul­leh­rer hat­te in der Eu­pho­rie ei­nen küh­len Kopf be­hal­ten und Rech­te aufs „Hu“an­ge­mel­det, ge­nau­er auf sei­ne Ver­wen­dung als Mar­ke für Klei­dung und Ge­trän­ke. Spä­ter for­der­te er Geld von ei­nem Ka­ri­ka­tu­ris­ten. Die­ser ver­treibt on­line ein Lei­berl, auf dem ein Wi­kin­ger mit Na­tio­nal­tri­kot und „Hu“-Sprech­bla­se prangt. Der Face­book-Wu­t­aus­bruch des Krea­ti­ven über die Pri­va­ti­sie­rung von ver­ba­lem Ge­mein­gut kocht nun zum kol­lek­ti­ven Volks­zorn hoch. Der Leh­rer wird be­lei­digt, be­droht, auch wenn er al­les nur noch be­reut. Der Le­ser mö­ge ent­schei­den, ob er in das an­ti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Grö­len ein­stimmt – oder sich ru­hig und rasch ein paar Rech­te si­chert. „Im­mer wie­der Ös­ter­reich“und „Jetzt geht’s los“sind dem Ver­neh­men nach noch zu ha­ben.

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