Dies­mal han­del­te Trump rich­tig

Der west­li­che Mi­li­tär­schlag in Sy­ri­en war prä­zi­se, eng ein­ge­grenzt und gut be­grün­det. Das sy­ri­sche Re­gime wird es sich künf­tig zwei­mal über­le­gen, ob es aber­mals Gift­gas ein­setzt.

Die Presse am Sonntag - - Seit - LEIT­AR­TI­KEL VON CHRIS­TI­AN ULTSCH

Das sy­ri­sche Re­gime zeig­te sich am Mor­gen da­nach we­nig be­ein­druckt von den Mi­li­tär­schlä­gen ame­ri­ka­ni­scher, fran­zö­si­scher und bri­ti­scher Streit­kräf­te. Das Staats­fern­se­hen strahl­te (mög­li­cher­wei­se al­te) Pro­pa­gan­da­bil­der aus, auf de­nen zu se­hen war, wie Prä­si­dent As­sad see­len­ru­hig mit ei­ner Ak­ten­ta­sche in sei­nen Pa­last spa­ziert. Und sei­ne Nach­rich­ten­agen­tur ver­brei­te­te Ju­bel­mel­dun­gen über den Ein­marsch der sy­ri­schen Ar­mee in Du­ma, je­ne Stadt, die ver­gan­ge­ne Wo­che laut Be­rich­ten von Au­gen­zeu­gen, ört­li­chen Ärz­ten und der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on ( WHO) Schau­platz ei­nes Chl­or­gas­an­griffs ge­we­sen war.

Um die­sen Ein­satz von Che­mie­waf­fen zu ver­gel­ten, führ­ten US-Prä­si­dent Trump und sei­ne Al­li­ier­ten ih­re Straf­ak­ti­on durch. Da­bei war Ab­schre­ckung ihr er­klär­tes Ziel: Der Wes­ten will ver­hin­dern, dass Gift­gas wie­der zu ei­nem ganz nor­ma­len Mit­tel der Kriegs­füh­rung wird. Che­mi­sche Waf­fen sind seit 1997 in­ter­na­tio­nal ge­äch­tet.

Völ­ker­recht­lich ist die Mi­li­tär­ope­ra­ti­on trotz­dem nicht ganz sau­ber. Da­für hät­te es ei­nes Man­dats des UN-Si­cher­heits­rats be­durft. Doch dort hält Russ­land sei­nem Ver­bün­de­ten in Damaskus den Rü­cken frei. Die Al­ter­na­ti­ve wä­re al­so ge­we­sen, un­tä­tig zu blei­ben, die To­ten von Du­ma un­ge­sühnt zu las­sen und die Ero­si­on der Che­mie­waf­fen­kon­ven­ti­on in Kauf zu neh­men.

Die USA, Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich ha­ben des­halb rich­tig ge­han­delt. Ih­re Mi­li­tär­ak­ti­on war pe­ni­bel ka­li­briert und dar­auf an­ge­legt, die Ge­fahr ei­ner Es­ka­la­ti­on und die Zahl der Op­fer mög­lichst ge­ring zu hal­ten. Die Ra­ke­ten der Al­li­ier­ten schlu­gen in aus­ge­wähl­te Ar­mee- und Che­mie­waf­fen­ein­rich­tun­gen ein. Es han­del­te sich um ei­ne sym­bo­li­sche Mi­li­tär­ak­ti­on. Mehr nicht. Vor­war­nung. Sy­rer, Rus­sen und Ira­ner wa­ren vor­ge­warnt, um Sol­da­ten und Rüs­tungs­ge­gen­stän­de in Si­cher­heit zu brin­gen. Ei­ne Ve­rän­de­rung der Macht­ba­lan­ce in Sy­ri­en war nie be­ab­sich­tigt. Trump ließ den Kriegs­ap­pa­rat As­sads in­takt und ver­mied pein­lichst jeg­li­che Tuch­füh­lung mit den in Sy­ri­en sta­tio­nier­ten rus­si­schen Streit­kräf­ten. Of­fen­bar stan­den die Mi­li­tärs der Atom­mäch­te in Kon­takt, um ei­ne Kon­fron­ta­ti­on mit all ih­ren ver­hee­ren­den Fol­gen zu ver­hin­dern.

Dass sich Russ­lands Prä­si­dent nun im Si­cher­heits­rat zum Hü­ter des Völ­ker­rechts auf­schwingt, ge­hört zu sei­nem Re­per­toire. Ernst neh­men kann man die Po­se von je­man­dem, der in Nach­bar­län­der ein­mar­schiert und ei­nen Kriegs­ver­bre­cher wie As­sad un­ter­stützt, nicht – ge­nau­so we­nig wie den Vor­wurf, die Bri­ten hät­ten den Gift­gas­an­griff in Du­ma in­sze­niert. In Zei­ten ag­gres­si­ver Des­in­for­ma­ti­on wä­re es je­doch trotz star­ker In­di­zi­en klug ge­we­sen, vor dem Mi­li­tär­schlag die Ex­per­ti­se in­ter­na­tio­na­ler In­spek­to­ren ein­zu­ho­len und Be­wei­se vor­zu­le­gen.

Au­ßer schril­len Pro­tes­ten ist aus Sy­ri­en, Russ­land und dem Iran kei­ne Re­ak­ti­on zu er­war­ten. Denn der Mi­li­tär­schlag än­dert den Kriegs­ver­lauf nicht. Der Wahn­sinn wird ein­fach wei­ter­ge­hen. Doch As­sad wird es sich künf­tig zwei­mal über­le­gen, ob er Gift­gas ver­sprü­hen lässt. Da­mit wä­re schon et­was ge­won­nen, wenn auch nicht viel. Ei­ne Stra­te­gie für Sy­ri­en hat der Wes­ten nicht.

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