Ana­to­mie ei­nes Mi­li­tär­schlags

Prä­si­dent Trump mach­te sei­ne Dro­hung wahr: Die USA und Al­li­ier­te grif­fen we­gen der Gift­ga­sat­ta­cke in Du­ma Zie­le in Sy­ri­en an. Ei­ne deut­li­che Bot­schaft an As­sad – mit Rück­sicht auf Moskau.

Die Presse am Sonntag - - Ausland - VON STE­FAN RIE­CHER (NEW YORK) AWA

Es war Frei­tag ge­gen 21 Uhr an der US-Ost­küs­te, frü­her Sams­tag­mor­gen in Wi­en, als ers­te Mel­dun­gen ei­nes Mi­li­tär­schla­ges ge­gen Sy­ri­en auf den Smart­pho­nes der Ame­ri­ka­ner auf­schie­nen. Die mi­li­tä­ri­sche Spit­ze hat­te sich im Si­tua­ti­on Room ver­sam­melt, Vi­ze­prä­si­dent Mi­ke Pence eil­te in Li­ma wäh­rend ei­nes Süd­ame­ri­ka­gip­fels oh­ne Kom­men­tar in sein Ho­tel zu­rück. Kurz spä­ter trat dann Prä­si­dent Donald Trump vor das Mi­kro­fon und un­ter­rich­te­te die Na­ti­on über „prä­zi­se An­grif­fe“ge­gen das Che­mie­waf­fen­ar­se­nal des sy­ri­schen Macht­ha­bers Bas­har al-As­sad. Ein ein­wö­chi­ges Tau­zie­hen rund um die Ant­wort auf den mut­maß­li­chen Ein­satz von Chl­or­gas fand da­mit ei­nen vor­läu­fi­gen Hö­he­punkt.

Im Zen­trum der De­bat­te in Washington stand die Fra­ge, wie ag­gres­siv die USA auf das er­neu­te Über­schrei­ten der „ro­ten Li­nie“des sy­ri­schen Re­gimes ant­wor­ten sol­len. Dass ein Mi­li­tär­schlag in ir­gend­ei­ner Form kom­men muss­te, war be­reits zu Wo­chen­be­ginn klar ge­we­sen, als sich Trump per Twit­ter auf „das Tier As­sad“ein­ge­schos­sen hat­te. Es tat sich ein Spalt auf zwischen ei­nem Prä­si­den­ten, der schluss­end­lich auch Russ­land di­rekt ver­bal an­griff und Moskau mit der Nach­richt „Mach dich be­reit“her­aus­for­der­te, und ei­nem Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter, der Trump zur Be­son­nen­heit auf­rief und ein­dring­lich vor ei­ner di­rek­ten Kon­fron­ta­ti­on mit Russ­land warn­te.

So flo­gen die USA schließ­lich ge­mein­sam mit Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich An­grif­fe auf meh­re­re Zie­le in Sy­ri­en: dar­un­ter das Bar­zah For­schungs­zen­trum na­he Damaskus so­wie zwei Bun­ker na­he Homs, in de­nen As­sad ver­mut­lich un­ter­schied­li­che Che­mie­waf­fen ge­la­gert hat­te. Da­bei wur­den 105 Marsch­flug­kör­per ab­ge­feu­ert, wie Ken­neth McKen­zie, der Spre­cher des US-Ge­ne­ral­stabs, am Sams­tag im Pres­se­brie­fing er­klär­te. Zi­vi­lis­ten sei­en der „äu­ßerst ge­ziel­ten und pro­fes­sio­nel­len“Atta­cke nicht zum Op­fer ge­fal­len, wo­bei ein ab­schlie­ßen­der Be­richt noch aus­ste­he. „Ka­nä­le zur Dee­s­ka­la­ti­on.“Be­reits Frei­tag­nacht wa­ren Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Ja­mes Mat­tis und Ge­ne­ral­stabs­chef Jo­seph Dun­ford in ei­ner ei­lig ein­be­ru­fe­nen Pres­se­kon­fe­renz um Ent­span­nung be­müht ge­we­sen. Man ha­be „die üb­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le zur Dee­s­ka­la­ti­on“mit Russ­land be­nützt, er­klär­te Dun­ford. Soll hei­ßen: Russ­land sei über ge­plan­te Flug­rou­ten in­for­miert wor­den, um ei­ne di­rek­te Kon­fron­ta­ti­on zu ver­mei­den. Zu­gleich ha­be man Moskau über den ex­ak­ten Zeit­punkt und die ge­nau­en Zie­le des An­griffs im Un­kla­ren ge­las­sen.

So schien es dann auch, dass die ein­stün­di­ge Atta­cke oh­ne Kom­pli­ka­tio­nen über die Büh­ne ging. „Mis­si­on Ac­com­plis­hed!“, schrieb Trump am Sams­tag auf Twit­ter. Man ha­be „al­le mi­li­tä­ri­schen Zie­le er­reicht“, er­klär­te McKen­zie. Ei­ne Ant­wort Russ­lands oder des Iran sei aus­ge­blie­ben, nur Sy­ri­en ha­be 40 Ab­wehr­ra­ke­ten „wahl­los in die Luft ge­schos­sen“, da­bei aber kei­ne Flug­zeu­ge oder Marsch­flug­kör­per ge­trof­fen. Sy­ri­en und Russ­land wie­der­um be­haup­te­ten, zahl­rei­che an­flie­gen­de Ra­ke­ten sei­en ab­ge­schos­sen wor­den.

Mit der Atta­cke schei­nen die mi­li­tä­ri­schen Fal­ken im Wei­ßen Haus so­wie das mo­men­tan zu­rück­hal­ten­de­re Pen­ta­gon ei­nen Mit­tel­weg ge­fun­den zu ha­ben, der für al­le Seiten ak­zep­ta­bel Wir ord­nen die ak­tu­el­len Er­eig­nis­se in Sy­ri­en ein, ha­ben Bob Dy­lan in Salz­burg ge­hört und ge­hen zum Fri­seur. die bri­ti­sche. Mar­tin Geh­len por­trä­tiert Sy­ri­ens Macht­ha­ber Bas­har al-As­sad. In der Wie­ner Re­dak­ti­on be­hiel­ten am Sams­tag Chris­ti­an Ultsch, Ju­lia Ra­a­be und Wie­land Schnei­der den Über­blick.

Feuille­ton­chef Tho­mas Kra­mar, be­ken­nen­der Dy­la­nist, hat be­reits gut 50 Kon­zer­te von Bob Dy­lan be­sucht. Auch des­sen Salz­burg-Auf­ritt am Frei­tag, ei­ner von zwei Ös­ter­reich-Gigs (am Mon­tag ist Wi­en an der Rei­he), ließ er sich nicht ent­ge­hen. In die­ser Aus­ga­be lie­fert er uns nicht nur ei­ne Kon­zert­kri­tik, son­dern nimmt uns mit auf ei­ne be- ist. Man könn­te fast sa­gen, Donald Trump hat Fin­ger­spit­zen­ge­fühl be­wie­sen. So hob man ei­ner­seits den deut­lich grö­ße­ren Um­fang der Mi­li­tär­schlä­ge im Ver­gleich zu 2017 her­vor. Da­mals at­ta­ckier­ten die USA im Al­lein­gang ei­nen Mi­li­tär­flug­ha­fen. Dies­mal be­tei­lig­ten sich mit Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en zwei wei­te­re Groß­mäch­te, es wur­den knapp dop­pelt so vie­le Ra­ke­ten ab­ge­feu­ert. Groß­bri­tan­ni­en setz­te vier Tor­na­do-Bom­ber ein, die von Zy­pern auf­stie­gen und je­weils zwei Storm-Sha­dow-Marsch­flug­kör­per ab­feu­er­ten. Ei­ne fran­zö­si­sche Fre­gat­te ver­schoss bis zu 16 Marsch­flug­kör­per. Zu­dem wa­ren fran­zö­si­sche Ra­fa­leJagd­bom­ber im Ein­satz.

Ge­löst ist der Kon­flikt im geo­po­li­ti­schen Brand­herd Sy­ri­en auch nach der west­li­chen Atta­cke kei­nes­wegs. Zwar ha­be man As­sads Be­mü­hun­gen rund um die An­häu­fung von Che­mie­waf­fen „um Jah­re zu­rück­ver­setzt“, aber von ei­ner völ­li­gen Ver­nich­tung des Ar­senals woll­ten die USA nicht spre­chen. As­sad sitzt dank rus­si­scher Rü­cken­de- son­de­re Welt­rei­se zu den Städ­ten, Stra­ßen und Län­dern aus Dylans Songs.

Chris­ti­ne Im­lin­ger, Erich Ko­ci­na und Mir­jam Ma­rits, ha­ben Wie­ner Fri­seu­re auf­ge­sucht. Die dem­nächst star­ten­de Aus­stel­lung im Wi­en-Mu­se­um „Mit Haut und Haar“war An­lass, die viel­fäl­ti­ge Fri­seur­sze­ne in Wi­en ge­nau un­ter die Lu­pe zu neh­men. Ei­ne Welt, die sich ge­ra­de im Um­bruch be­fin­det.

Wir wün­schen ein gu­tes Wo­che­n­en­de mit an­re­gen­der Lek­tü­re. ckung wei­ter­hin fest im Sat­tel und die Al­li­ier­ten ho­ben her­vor, dass man dar­an auch nichts än­dern wol­le. Was al­so, wenn der Dik­ta­tor neu­er­lich Trumps klar de­fi­nier­te ro­te Li­nie über­schrei­tet und Che­mie­waf­fen ein­setzt?

Die­ses Hor­ror­sze­na­rio will man sich in den USA nicht aus­ma­len und Trump ap­pel­liert an Pu­tin, As­sad im Zaum zu hal­ten. „Russ­land muss sich ent­schei­den, ob es wei­ter­hin den dunk­len Pfad ge­hen will, oder ob es sich als Kraft für Sta­bi­li­tät und Frie­den auf die Seite der zi­vi­li­sier­ten Na­tio­nen schla­gen will“, sag­te Trump in sei­ner Re­de an die US-Bür­ger. „Hof­fent­lich kom­men wir ei­nes Tages mit Russ­land aus, und viel­leicht so­gar mit dem Iran. Viel­leicht aber auch nicht.“ „Ro­te Li­nie“bleibt be­ste­hen. Trump hat an­ge­kün­digt, an sei­nem vor zwei Wo­chen ver­kün­de­ten Plan zum Ab­zug aus Sy­ri­en fest­zu­hal­ten. Der­zeit sind noch rund 2000 US-Sol­da­ten in dem Land sta­tio­niert. „Ame­ri­ka strebt un­ter kei­nen Um­stän­den nach ei­ner un­be­grenz­ten Prä­senz in Sy­ri­en“, sag­te der Prä­si­dent. Sei­ne „ro­te Li­nie“blei­be je­doch be­ste­hen, selbst wenn sich die USA am Bo­den zu­rück­zie­hen. Soll­te As­sad aber­mals Gift­gas ein­set­zen, hät­te Trump wohl kei­ne an­de­re Wahl, als er­neut mi­li­tä­risch zu re­agie­ren.

» Hof­fent­lich kom­men wir ei­nes Tages mit Russ­land aus, viel­leicht so­gar mit dem Iran. «

Imago

US-Prä­si­dent Donald Trump ver­kün­det die Luft­an­grif­fe ge­gen Sy­ri­en.

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