EIN BE­WOH­NER VON DAMASKUS

Die Presse am Sonntag - - Ausland -

Bil­der auf­ge­nom­men wor­den sind, ist frei­lich un­klar.

Nach An­ga­ben des Pen­ta­gon nah­men die west­li­chen An­grei­fer meh­re­re Zie­le un­ter Feu­er, dar­un­ter ein che­mi­sches For­schungs­in­sti­tut in Damaskus. Na­he der Stadt Homs traf es zwei Mi­li­tär­ein­rich­tun­gen, in de­nen Che­mi­ka- li­en zur Gift­gas­pro­duk­ti­on la­gern sol­len. Nach In­for­ma­tio­nen der Sy­ri­schen Be­ob­ach­tungs­stel­le für Men­schen­rech­te wur­den auch Ka­ser­nen der Re­pu­bli­ka­ni­schen Gar­den und der be­rüch­tig­ten Vier­ten Di­vi­si­on, der Eli­te­ein­heit un­ter dem Kom­man­do von As­sad-Bru­der Ma­her, ge­trof­fen. Rus­si­sche Stand­or­te da­ge­gen blie­ben aus­ge­spart, sy­ri­sche Zi­vi­lis­ten ka­men nach ers­ten In­for­ma­tio­nen nicht ums Leben. Angst un­ter der Be­völ­ke­rung. Zwar ist die Zahl der ab­ge­feu­er­ten Ra­ke­ten dies­mal of­fen­bar dop­pelt so groß wie bei dem US-Luft­schlag nach ei­nem Gift­gas­an­griff vor ei­nem Jahr. Aber auch die neu­er­li­che west­li­che Atta­cke am Sams­tag dürf­te das Re­gime in Damaskus nicht son­der­lich be­ein­dru­cken oder gar sei­ne Ent­schlos­sen­heit brem­sen, ganz Sy­ri­en mit al­len Mit­teln wie­der in sei­ne Ge­walt zu brin­gen.

Angst und Schre­cken in der Zi­vil­be­völ­ke­rung sol­len da­bei Druck auf die be­waff­ne­ten Grup­pen aus­üben, zu den Be­din­gun­gen As­sads zu ka­pi­tu­lie­ren. So auch ver­gan­ge­ne Wo­che in Os­tGhou­ta bei Damaskus: St­un­den nach dem Gift­ga­s­ein­satz wil­lig­te die kampf­star­ke Jaish al-Is­lam in Du­ma in ih­ren über die An­grif­fe der Al­li­ier­ten. Ab­zug ein, so­dass das Re­gime ei­nen ver­lust­rei­chen Häu­ser­kampf ver­mei­den konn­te. Mit Bus­sen wur­den die Ji­ha­dis­ten und ih­re An­ge­hö­ri­gen nach Nord­sy­ri­en ge­bracht. En­de der ver­gan­ge­nen Wo­che ga­ben die letz­ten der Kämp­fer ih­re schwe­ren Waf­fen ab. Seit­dem pa­trouil­liert die rus­si­sche Mi­li­tär­po­li­zei durch die eins­ti­ge Re­bel­len­hoch­burg, die seit 2013 in der Hand der Auf­stän­di­schen war.

Für den sy­ri­schen Dik­ta­tor ist die Rück­er­obe­rung von Ost-Ghou­ta ein ähn­lich spek­ta­ku­lä­rer Macht­er­folg wie ein Jahr zu­vor der Sieg über die Re­bel­len in Ost-Alep­po.

Denn da­mit kon­trol­liert Bas­har alAs­sad jetzt na­he­zu das ge­sam­te Staats­ge­biet und muss kei­nen nen­nens­wer­ten mi­li­tä­ri­schen Wi­der­stand der Auf­stän­di­schen mehr fürch­ten, die ne­ben we­ni­gen Mi­ni-En­kla­ven nur noch die Nord­pro­vinz Id­lib be­herr­schen. Kein Platz für Re­gime­geg­ner. Es meh­ren sich die An­zei­chen, dass die Macht­ha­ber ein Nach­kriegs­sy­ri­en pla­nen, in dem Mil­lio­nen von Re­gime­geg­nern, die sich mo­men­tan als Flücht­lin­ge au­ßer­halb ih­rer Hei­mat auf­hal­ten, kei­nen Platz mehr ha­ben sol­len.

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