Fri­su­ren und Kos­me­tik in Wi­en: »Mit Haut und Haar«

Wie tru­gen Wie­ner frü­her ih­re Bär­te? Und seit wann Frau­en kur­ze Haa­re? Das Wi­en Mu­se­um gibt in ei­ner neu­en Aus­stel­lung Ant­wor­ten.

Die Presse am Sonntag - - Wien - VON MIR­JAM MA­RITS

„Sich her­rich­ten“: Die­ser zu­tiefst wie­ne­ri­sche Aus­druck für „sich schön ma­chen“ist das Leit­mo­tiv, das sich durch die neue Aus­stel­lung „Mit Haut und Haar“im Wi­en Mu­se­um zieht. Und die wid­met sich, wie der Un­ter­ti­tel ver­rät, dem „Fri­sie­ren, Ra­sie­ren, Ver­schö­nern“. Und das, we­nig über­ra­schend für das Wi­en Mu­se­um, mit Fo­kus auf der Ge­schich­te der Wie­ner und Wie­ne­rin­nen und aus ei­ner kul­tur­his­to­ri­schen Per­spek­ti­ve: Dass wir un­se­re Haa­re, un­se­re Haut pfle­gen, zählt zu den äl­tes­ten Kul­tur­tech­ni­ken über­haupt. Po­li­ti­sche Haa­re. Wel­che Me­tho­den da­bei im Lau­fe der Zeit an­ge­wen­det wur­den, wie sich die Pfle­ge- und Gestal­tungs­ar­ten ver­än­dert ha­ben, wie ge­wis­se Mo­den ent­stan­den und wie­der ver­schwun­den sind, all dies will die Aus­stel­lung nach­zeich­nen. Da­bei wird Fra­gen nach­ge­gan­gen wie: Seit wann tra­gen Frau­en kur­ze Haa­re? Wann sind Haa­re po­li­tisch? Oder auch: Wie war die Bart­mo­de in Wi­en?

Ku­ra­to­rin Su­san­ne Breuss hat da­für die Samm­lung des Wi­en Mu­se­ums durch­fors­tet: Das Mu­se­um hat zwar nie ge­zielt Ob­jek­te zu den The­men „Fri­su­ren“oder „Kör­per­pfle­ge“ge­sam­melt, den­noch ist Breuss fün­dig ge­wor­den und hat rund 500 Ex­po­na­te aus­ge­wählt, mit de­nen sich die Ge­schich­te der Haar- und Haut­pfle­ge in Wi­en nach­er­zäh­len lässt. Der über­wie­gen­de Teil der ge­zeig­ten Ex­po­na­te, die von ei­nem Fri­sier­sa­lon von 1900 über Franz Grill­par­zers Ra­sier­mes­ser bis zu Kai­se­rin Eli­sa­beths

„Mit Haut und Haar. Fri­sie­ren, Ra­sie­ren, Ver­schö­nern“

ist ab Don­ners­tag, 19. 4., bis 6. Jän­ner 2019 im Wi­en Mu­se­um zu se­hen. Ge­öff­net Di bis So 10 bis 18 Uhr. www.wien­mu­se­um.at Schön­heits­re­zep­ten rei­chen, stammt aus dem Wi­en Mu­se­um selbst. Zu se­hen ist et­wa auch ein Toi­let­ten­tisch, den Os­wald Ha­erdtl – der Ar­chi­tekt des Wi­en Mu­se­ums – ent­wor­fen hat.

Zeit­lich liegt der Fo­kus auf der Zeit vom 18. Jahr­hun­dert bis in die Ge­gen­wart. Ge­glie­dert ist die Aus­stel­lung in vier Tei­le. Der ers­te, „Bli­cke auf den Kör­per“, nimmt den mensch­li­chen Kör­per aus un­ter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven – von Hy­gie­ne über Re­li­gi­on bis Aber­glau­ben – in den Blick, je­weils knapp und poin­tiert an­hand ei­nes ein­zel­nen Ex­po­nats.

Im zwei­ten Teil na­mens „Ar­beit am Kör­per“steht die Kör­per­wahr­neh­mung und Kör­per­ge­stal­tung im Vor­der­grund – ei­ne Viel­zahl an Spie­geln vom klei­nen Ta­schen- bis zum Ba­de­zim­mer­spie­gel soll den Be­su­cher auch mit sich selbst kon­fron­tie­ren. „Vor­bild­li­che Kör­per“heißt der drit­te Teil, bei dem ge­zeigt wird, wie sehr sich Kör­per­ge­stal­tung im Lau­fe der Zeit an Nor­men und Vor­bil­dern ori­en­tiert, sich aber auch dar­an reibt. Ge­zeigt wer­den nicht nur Me­di­en als Ver­mitt­ler die­ser Schön­heits­nor­men (Rat­ge­ber, Wer­bung etc.), son­dern auch pro­mi­nen­te Vor­bil­der wie Schau­spie­le­rin­nen. Der vier­te Teil ist den ver­schie­de­nen For­men der Haarund Haut­ge­stal­tung ge­wid­met: Ge­zeigt wer­den his­to­risch re­le­van­te Bei­spie­le von der Pe­rü­cken­mo­de am Ho­fe über lan­ge Män­ner­haa­re. Zu se­hen sind auch Mo­de­dar­stel­lun­gen, Ge­mäl­de und heu­te kaum mehr be­kann­te Ac­ces­soires wie Bart­bin­den oder Fin­ger­spit­zen­for­mer.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.