Zur Ma­ril­len­blü­te! In die Wach­au!

Der­zeit ste­hen die Bäu­me der Wach­au in Voll­blü­te: ein Na­tur­schau­spiel, das in­ten­siv ver­mark­tet wird und vie­le Wan­de­rer, Rad­fah­rer und Tou­ris­ten an­zieht. Wer die­se Ku­lis­se nicht ver­pas­sen will, soll­te sich al­ler­dings be­ei­len.

Die Presse am Sonntag - - Wien - VON mIr­jAm mA­rITs

Wer den Be­griff „Ma­ril­len­blü­te“goo­gelt, be­kommt sei­ten­wei­se nur Vor­schlä­ge von Web­siten, die sich auf die Wach­au be­zie­hen. Na­tür­lich blü­hen der­zeit auch an­ders­wo in Ös­ter­reich die Ma­ril­len­bäu­me, aber kei­ne an­de­re Re­gi­on ver­steht es, dies so ge­schickt zu ver­mark­ten wie die Wach­au: Web­sites, Blogs, ja so­gar ei­ne Web­cam, über die man live den Blü­ten­stand be­ob­ach­ten kann, fin­den sich im In­ter­net.

Ein Blick durch die Web­cam wird dem, was sich der­zeit in der Wach­au den Be­su­chern bie­tet, al­ler­dings nicht ge­recht: Zehn­tau­sen­de Bäu­me – an­geb­lich so­gar 100.000 – am Nord- und Süd­ufer der Wach­au ste­hen der­zeit in Voll­blü­te: Viel schö­ner als wäh­rend die­ser kur­zen Pha­se (die je nach Wet­ter­ent­wick­lung auch schnell wie­der vor­bei sein kann), da sind sich wohl die meis­ten Be­su­cher ei­nig, prä­sen­tiert sich die Wach­au wohl zu kei­ner an­de­ren Jah­res­zeit.

Man darf al­so durch­aus von ei­nem Na­tur­schau­spiel spre­chen – und wie das so ist bei Din­gen, die nur kurz zur Ver­fü­gung ste­hen: Sie sind un­glaub­lich be­liebt. Dem­ent­spre­chend viel ist der­zeit in der Wach­au los, an den Wo­che­n­en­den muss, wer mit dem Au­to kommt, mit ei­nem nur trä­gen Vor­an­kom­men auf den Stra­ßen rech­nen. Vie­le We­ge. Un­ter der Wo­che frei­lich ist der An­drang an­ge­nehm über­schau­bar, ein Spa­zier­gang auf ei­ner der vie­len Stre­cken, auf de­nen man im­mer wie­der an Ma­ril­len­bäu­men vor­bei­kommt, idyl­lisch und er­hol­sam: Die Vö­gel sin­gen, so vie­le ver­schie­de­ne Ar­ten, wie man sie sel­ten hört, die Son­ne scheint – ein Son­nen­schutz kann nicht scha­den, man geht fast im­mer in der pral­len Son­ne –, die weiß-rosa Blü­ten wir­ken, ge­ra­de, wenn man aus der Groß­stadt hier­her­kommt (in der na­tür­lich auch ge­ra­de al­ler­lei blüht), wie ei­ne Wohl­tat für das Au­ge.

Wo aber star­ten? Da­für gibt es vie­le Mög­lich­kei­ten, der Ma­ril­len­baum­be- stand be­ginnt in Krems und er­streckt sich in Rich­tung Wes­ten prak­tisch über die gan­ze Wach­au. Am Nord­ufer fin­den sich weit­läu­fi­ge Ma­ril­len­gär­ten zwischen Spitz und Wil­len­dorf. In Krems-An­gern gibt es den 4,5 Ki­lo­me­ter lan­gen Ma­ril­len-Er­leb­nis­weg (Start beim Wein­hof Auf­rei­ter), der durch vie­le al­te Ma­ril­len­gär­ten führt.

Auch am Süd­ufer gibt es meh­re­re Rou­ten, die an vie­len schö­nen Ma­ril­len- (und noch recht kah­len Wein-) Gär­ten vor­bei­füh­ren. Ein gu­ter Aus­gangs­punkt sind die Or­te Ros­satz und Ros­satz­bach, durch die die so­ge­nann­ten Ma­ril­len­mei­le Ost führt. Ge­kenn­zeich­net sind die­se Rou­ten der Ma­ril- len­mei­le – wei­te­re Ort­schaf­ten, in de­nen man star­ten kann, sind et­wa St. Jo­hann oder Ober­arns­dorf (Ma­ril­len­mei­le West). Al­le sie­ben Rou­ten der Ma­ril­len­mei­le sind mit klei­nen gel­ben Weg­wei­sern aus­ge­schil­dert, die man al­ler­dings nicht im­mer gleich fin­det. Aber egal: Wer durch ei­nen der Or­te fährt oder geht, ge­langt fast zwangs­läu­fig rasch auf ei­ne der Rou­ten – oder ent­deckt das Zar­t­ro­sa der Blü­ten so­wie­so auch oh­ne Weg­wei­ser. Schön sind die We­ge al­le, ein­fach los­mar­schie­ren!

Wo­bei „mar­schie­ren“über­trie­ben ist: Es sind an­ge­neh­me, fast durch­ge­hend fla­che We­ge, die man auch mit we­nig Kon­di­ti­on gut be­wäl­ti­gen kann. Um­so mehr er­staunt es, dass man­cher Spa­zier­gän­ger, dem man hier be­geg- net, mit fes­ten Berg­schu­hen und Out­door-Ge­wand un­ter­wegs sind, als wür­de er gleich ei­nen Drei­tau­sen­der be­stei­gen. Vie­le ha­ben auch ih­re Rä­der mit­ge­bracht, auch für ei­ne Rad­tour eig­net sich die Ma­ril­len­mei­le bes­tens, durch die auch der Do­nau­rad­weg führt.

Die blü­hen­den, kurz­stäm­mi­gen Ma­ril­len­bäu­me kann man auf den Spa­zier­gän­gen aber nicht durch­ge­hend be­trach­ten: Im­mer wie­der sind sie un­ter­bro­chen von an­de­ren Obst­bäu­men oder Wein­gär­ten. Dann wie­der taucht man mi­nu­ten­lang in das Blü­ten­meer ein und be­ob­ach­tet da­bei Tou­ris­ten, die die ein­zel­nen Blü­ten sehr aus­dau­ernd mit ih­ren Vi­deo­ka­me­ras fil­misch fest­hal­ten. Gu­te Fo­to­mög­lich­kei­ten fin­det man hier je­den­falls zahl­rei­che. mit der Wach­au­bahn. Man kann die Ma­ril­len­blü­te aber auch be­quem aus dem Bus­fens­ter be­ob­ach­ten: Die Bus­se WL1 und WL2 be­fah­ren das Nord­ufer der Do­nau im St­un­den­takt, ent­lang des Süd­ufers sind sie al­le zwei St­un­den un­ter­wegs, zu­stei­gen kann man in Krems oder Melk. Über­haupt emp­fiehlt sich am Wo­che­n­en­de die öf­fent­li­che An­rei- Die Ma­ril­len­mei­le am Süd­ufer kann man auch bes­tens mit dem Rad be­fah­ren. se. Mit dem Zug kommt man aus Wi­en vom Franz-Jo­sefs-Bahn­hof rasch nach Melk oder Krems. An den Wo­che­n­en­den ver­kehrt zu­dem die Wach­au­bahn zwischen Krems und Melk, die ob ih­rer er­höh­ten Tras­se durch Wein­gär­ten und ent­lang al­ter Ge­mäu­er schö­ne Bli­cke auf die Wach­au (und nicht nur auf die Ma­ril­len­bäu­me) er­mög­licht. (Heu­te, Sonn­tag, ist die Stre­cke al­ler­dings noch teils ge­sperrt und hält nicht in al­len Or­ten, In­fos: www.wauchau­bahn.at)

Wer die blü­hen­den Bäu­me heu­er noch er­le­ben will, muss schnell sein: We­gen der war­men Tem­pe­ra­tu­ren wird die Blü­te­zeit heu­er ei­ne eher kur­ze sein. Am längs­ten wer­den die Bäu­me im Spit­zer Gra­ben – zwischen Spitz und Mühl­dorf – blü­hen, auch rund um Aggstein ist die Voll­blü­te noch nicht er­reicht. Auf der Web­site www.ma­ril­len­blu­e­te.at wird der Blü­ten­stand lau­fend ak­tua­li­siert.

Wer die Ma­ril­len­blü­te ver­säumt und nicht nur zum Wan­dern in die Wach­au kom­men will, kann sich schon fol­gen­de Ter­mi­ne vor­mer­ken: Am 5. und 6. Mai fin­det der Wach­au­er Wein­früh­ling statt, bei dem man bei un­zäh­li­gen Win­zern den Jahr­gang 2017 ver­kos­ten kann. Und im Som­mer (20. bis 23. Ju­li) wer­den in Spitz dann kol­lek­tiv je­ne Früch­te ver­speist (oder in Schnaps­form ge­trun­ken), de­ren Bäu­me ge­ra­de blü­hen: Beim gro­ßen Ma­ril­len­kir­tag näm­lich. In­fos: www.ma­ril­len­blu­e­te.at

Dann wie­der taucht man mi­nu­ten­lang in ein Meer aus Blü­ten.

Cle­mens Fa­b­ry (2)

Blick über die Do­nau auf Dürn­stein: Am Süd­ufer ste­hen die Ma­ril­len­bäu­me der­zeit in Voll­blü­te.

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