Lang im Amt: Die lau­fen­de Ver­jün­gung des Dok­tor Z.

Wäh­rend bei Volks­wa­gen ein holp­ri­ger Füh­rungs­wech­sel von­stat­ten­geht, legt Daim­lers Lang­zeit-CEO Die­ter Zet­sche größ­te Ge­las­sen­heit an den Tag: Die Ge­schäf­te lau­fen glän­zend, Skan­da­le wer­den groß­räu­mig ver­mie­den. Da­bei macht nichts die Hand­schrift des Ma­na

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - VON TI­MO VÖL­KER

Zwölf Jah­re im Amt und kein nen­nens­wer­ter Skan­dal, der ihm an­zu­las­ten wä­re: Den Elch­test des per­sön­li­chen Be­tra­gens hät­te Die­ter Zet­sche, 64, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Daimler AG seit 2006, be­stan­den.

Aber das ist nicht die ein­zi­ge po­si­ti­ve Bi­lanz, die sich zie­hen lässt. Mer­ce­des ran­giert an der Spit­ze der deut­schen Pre­mi­um­her­stel­ler: Erz­kon­kur­rent BMW ist über­holt (der Ab­stand wächst), Au­di auf den drit­ten Platz ver­wie­sen.

Um fast zehn Pro­zent nahm der Ab­satz von Mer­ce­des-Mo­del­len im Vor­jahr ge­gen­über 2016 zu, bei BMW wa­ren es 4,2 Pro­zent, bei Au­di we­ni­ger als ein Pro­zent. Und das bei der höchs­ten Um­satz­ren­di­te im Ver­gleich: Bei 9,7 Pro­zent liegt die­se ma­gi­sche Zahl, die wie kei­ne an­de­re für nach­hal­ti­ges Wirt­schaf­ten und wohl auch ho­he Be­gehr­lich­keit der Pro­duk­te steht. Das Ver­hält­nis von Um­satz zu Net­to­er­geb­nis kann sich se­hen las­sen bei der Kon­zern­mar­ke.

Da kann man schon ein­mal zu­frie­den sein, scheint die Kör­per­spra­che des Ma­na­gers denn auch aus­zu­drü­cken, als wir ihm bei ei­nem Round-Ta­ble-Ge­spräch in Kroa­ti­en an­läss­lich der Vor­stel­lung der neu­en A-Klas­se ge­gen­über­sit­zen.

Zet­sche scheint in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren kei­nen Tag ge­al­tert zu sein, im Ge­gen­teil: Im­mer ju­gend­li­cher wirkt er, nach­dem er bei öf­fent­li­chen Auf­trit­ten zu­erst die Kra­wat­te ab­ge­legt hat und mitt­ler­wei­le be­vor­zugt mit Turn­schu­hen auf der Büh­ne steht. Der groß­ge­wach­se­ne Zet­sche ist top­fit und von as­ke­ti­scher Na­tur, was sein schun­ke­lig-ge­müt­lich wir­ken­der Wal­ross­bart nur ver­schlei­ert. Wäh­rend bei sei­nen As­sis­ten­ten und Bei­sit­zern am Tisch stän­dig Soft­drinks kna­cken und Espresso oder Milch­kaf­fee auf­ge­tischt wer­den, äu­ßert der Chef kein Be­dürf­nis. „Ask Doc­tor Z“. So ge­nüss­lich streckt ein Mann die lan­gen Ar­me, denkt man bei sich, der im Vor­jahr 13,04 Mil­lio­nen Eu­ro ver­dient ha­ben soll (Qu­el­le: HKP Un­ter­neh­mens­be­ra­tung) und dem trotz­dem nie­mand ei­nen Strick dar­aus dre­hen will: nicht selbst­zu­frie­den, aber auch nicht ge­ra­de mit dem Schick­sal ha­dernd oder ängst­lich auf die Zu­kunft ge­bannt.

Mit Me­di­en kann Zet­sche gut, wie man so sagt, man schätzt sei­ne of­fe­nen Wor­te, stets aus­rei­chend dis­zi­pli­niert ge­äu­ßert, um sich nicht in die Bre­douil­le zu brin­gen, wie kürz­lich VWChef Mat­thi­as Mül­ler. Der ist seit ver­gan­ge­nen Frei­tag nun auch zu Zet­sches Ex­kol­le­gen zu zäh­len.

Die Pri­vat­per­son Zet­sche ist so gut wie un­be­kannt, Klatsch­spal­ten und Pro­mi-Events wer­den ge­mie­den, doch die gro­ße Büh­ne ist er von Be­rufs we­gen ge­wohnt. Den er­prob­ten En­ter­tai­ner gab er letz­tens im Jän­ner, als er mit Ar­nold Schwar­ze­negger in De­troit mit Zir­ben­schnaps auf die Nach­fol­ge­ge­ne-

Mio. Fahr­zeu­ge

setz­te Mer­ce­des im Jahr 2017 ab. Erz­kon­kur­rent BMW kam auf 2,088 Mio.

Pro­zent Um­satz­ren­di­te

er­ziel­te Mer­ce­des 2017. BMW er­reich­te 8,9 Pro­zent, Au­di 8,4 Pro­zent. Nur mehr den Na­men ge­mein: neue (l.) und Ur-A-Klas­se (r.). ra­ti­on der G-Klas­se an­stieß (nur Was­ser, hieß es hin­ter den Ku­lis­sen).

Als er noch Chef von Chrys­ler in den USA war, zim­mert man ei­ne gan­ze Wer­be­kam­pa­gne um sei­ne Per­son: „Ask Dr. Z“. (Die Kam­pa­gne flopp­te, weil man den Mann mit dem lus­ti­gen Schnau­zer und dem deut­schen Ak­zent für ei­ne über­dreh­te Kunst­fi­gur hielt, aber das Un­ter­neh­men fand un­ter sei­ner Füh­rung in die schwar­zen Zah­len.) 64 Far­ben. Die­ser Ta­ge be­ant­wor­tet Dr. Z. er­war­tungs­ge­mäß am liebs­ten Fra­gen zur neu­en A-Klas­se, die wie kaum ei­ne an­de­re Bau­rei­he sei­ne Hand­schrift trägt (ein ers­ter Fahr­be­richt folgt am Frei­tag auf der Au­to­sei­te der „Pres­se“).

Grö­ßer könn­te der Un­ter­schied zu je­nem Mo­dell, wie es 1997 auf die Welt kam, welt­be­kannt nicht zu­letzt durch den le­gen­dä­ren Um­fal­ler beim Elch­test, auch gar nicht sein. Doch ob der Kun­de wirk­lich auf Lüf­tungs­dü­sen, die sich in 64 ver­schie­de­nen Farb­tö­nen be­leuch­ten las­sen, ge­war­tet hat?

Den Kun­den ge­be es zu­nächst ein­mal nicht, ant­wor­tet Zet­sche, doch ja, man ha­be sich bei der A-Klas­se auf den In­nen­raum fo­kus­siert, „wo­bei wir uns auch fürs Äu­ße­re nicht zu ge­nie­ren brau­chen, glaube ich“.

Es wer­de Kun­den ge­ben, die Be­lüf­tungs­dü­sen in 64 Far­ben nicht exis­ten­zi­ell brau­chen, „man kann aber auch die Fra­ge stel­len“, so Zet­sche wei­ter, „ob man ei­nen Mer­ce­des exis­ten­zi­ell braucht“.

Ei­ne Fra­ge, die an­ge­sichts des Re­kord­ab­sat­zes im Vor­jahr von an­nä­hernd 2,3 Mio. ver­kauf­ten Ex­em­pla­ren un­be­ant­wor­tet im Raum ver­blei­ben darf.

Zet­sche ist von as­ke­ti­scher Na­tur, was sein ge­müt­li­cher Wal­ross­bart nur ver­schlei­ert. »Man kann die Fra­ge stel­len, ob man ei­nen Mer­ce­des exis­ten­zi­ell braucht.«

Sand­wich. Die A-Klas­se in ih­rer Ur­form – ge­baut wur­de sie von 1997 bis 2012 – hat­te ziem­lich ein­fa­che und gänz­lich un­be­leuch­te­te Lüf­tungs­dü­sen. Und war über­haupt ein ganz an­de­res Au­to, bei­lei­be kein schlech­tes. Ein klu­ges und fort­schritt­li­ches Raum­kon­zept schuf ma­xi­ma­le Platz­ver­hält­nis­se auf nur knapp über 3,8 Me­tern Län­ge. Die Sand­wich­bau­wei­se sah so­wohl ei­nen Ver­bren­nungs­mo­tor als auch Elek­tro­an­trieb vor (was zu­letzt doch nicht in Se­rie ging), und bei ei­nem Un­fall wur­de die An­triebs­ein­heit un­ter den Fah­rer nach hin­ten ge­scho­ben.

Das be­deu­te­te, dass der Mensch am Steu­er auch hö­her saß als in kon­ven­tio­nel­len Au­tos – ei­ne Vor­weg­nah­me des heu­te so un­ge­mein be­lieb­ten er-

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