Ei­ne ein­sa­me Stern­stun­de

Red Bull Salz­burg öff­net auch den Li­ga-Ri­va­len das Tor zu Eu­ro­pa. Nur schei­nen die­se der Auf­ga­be nicht ge­wach­sen, da­bei hät­ten vor al­lem die Wie­ner Groß­klubs al­le Vor­aus­set­zun­gen da­für.

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON JO­SEF EB­NER

Das Wie­ner Der­by, das letz­te gro­ße High­light in ei­ner Li­ga, in der ein Se­ri­en­meis­ter re­giert und Dorf­ver­ei­ne um Eu­ro­pa­cup­plät­ze spie­len, steht auf dem Pro­gramm. Aber es ist nur ei­ne Rand­no­tiz. In Salz­burg ist die Re­dBull-Trup­pe näm­lich ge­ra­de da­bei, Fuß­bal­lös­ter­reich in neue Di­men­sio­nen zu schie­ßen. Im Eu­ro­pa­cup sind nur noch die fünf Top­li­gen des Kon­ti­nents ver­tre­ten – und die ös­ter­rei­chi­sche Bun­des­li­ga, dank Salz­burg.

Mit dem Ein­zug ins Halb­fi­na­le der Eu­ro­pa Le­ague hat Salz­burg in der Uefa-Fünf­jah­res­wer­tung rund die Hälf­te al­ler ös­ter­rei­chi­schen Punk­te ein­ge­spielt, in die­ser Sai­son sind es bis­her so­gar knapp zwei Drit­tel (24 von 37). So wur­de die hei­mi­sche Li­ga bei­na­he im Al­lein­gang auf Platz acht im eu­ro­päi­schen Jah­res­ran­king 2017/18 be­för­dert. Und plötz­lich kommt auch in Wals-Sie­zen­heim Stim­mung auf, zwei Mal war das Sta­di­on zu­letzt aus­ver­kauft (29.520), auch im Rück­spiel des Eu­ro­pa-Le­ague-Halb­fi­na­les ge­gen Olym­pi­que Mar­seil­le am 3. Mai wird das nicht an­ders sein (in der Bun­des­li­ga fin­den sich im Schnitt nur 6500 Be­su­cher pro Heim­spiel ein).

Mit dem Marsch durch Eu­ro­pa über­deckt Salz­burg auch die Schwä­che der Li­gari­va­len. Vor al­lem die Wie­ner Groß­klubs Ra­pid und Aus­tria hät­ten auch selbst al­le Vor­aus­set­zun­gen für Er­folg bzw. sind ge­ra­de da­bei, sie zu schaf­fen. In Hüt­tel­dorf, wo noch Nach­hol­be­darf im Nach­wuchs be­steht, nicht nur ge­gen­über den in die­ser Hin­sicht längst ent­eil­ten Salz­bur­gern, hat auch das neue Al­li­anz-Sta­di­on sport­lich kei­nen Sprung nach vor­ne be­wirkt, auf die Er­öff­nung im Som­mer 2016 folg­te die schwächs­te Sai­son der jün­ge­ren grün­wei­ßen Ge­schich­te. Dass die Aus­tria am Frei­tag das Lo­go für die neue Ge­ne­ra­li Are­na (Er­öff­nung 13. Ju­li ge­gen Dort­mund), die sie in punk­to In­fra­struk­tur wie­der nach vor­ne ka­ta­pul­tie­ren soll, prä­sen­tiert hat, ging im Freu­den­tanz der Salz­bur­ger Eu­ro­pa­cup­hel- den un­ter. Aber just mit neu­em Sta­di­on droht den Fa­vo­rit­nern erst­mals nach zwei Jah­ren ei­ne Sai­son oh­ne in­ter­na­tio­na­len Be­werb.

Dort ha­ben sich die Wie­ner Ver­tre­ter zu­letzt oh­ne­hin nicht aus­ge­zeich­net, muss­ten gar als Schüt­zen­bu­den her­hal­ten (Ra­pid wur­de 2016 im Sech­zehn­tel­fi­na­le von Va­len­cia mit 0:10 ver­ab­schie­det, die Aus­tria zwei­mal in Fol­ge Grup­pen­letz­ter). Salz­burg hat heu­er Re­al So­cie­dad, Bo­rus­sia Dort­mund und La­zio Rom aus dem Be­werb ge­wor­fen, al­le­samt mit Ka­dern aus­ge­stat­tet, de­ren Markt­wer­te je­nen des ös­ter­rei­chi­schen Meis­ters um mehr als das Dop­pel­te über­tref­fen. Beim 4:1 über La­zio ge­lan­gen als ers­ter hei­mi­scher Mann­schaft seit dem Wie­ner Sport­club vor 50 Jah­ren (7:0 über Ju­ven­tus) vier To­re ge­gen ei­nen ita­lie­ni­schen Ver­ein. Ent­ge­gen dem Trend. Mit den in­ter­na­tio­na­len Er­fol­gen von Aus­tria Salz­burg, Ra­pid und Sturm Graz in den 1990erJah­ren ist der Salz­bur­ger Auf­stieg nicht mehr zu ver­glei­chen. Zu sehr ist seit­her die Sche­re zwischen den gro­ßen und klei­nen Li­gen im eu­ro­päi­schen Klub­fuß­ball aus­ein­an­der­ge­gan­gen, auch zum Leid­we­sen Ös­ter­reichs. Fi­nan­zi­ell hat Salz­burg der bis­he­ri­ge Er­folgs­lauf in der Eu­ro­pa Le­ague im­mer­hin rund zehn Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­bracht. Und dass er im Halb­fi­na­le zu En­de ge­hen muss, ist nicht aus­ge­macht. Geg­ner Olym­pi­que Mar­seil­le, der Salz­burgs gro­ße Red-Bull-Schwes­ter RB Leip­zig be­zwun­gen hat, wur­de in der Grup­pen­pha­se schon 1:0 be­siegt (aus­wärts gab es da­nach ein 0:0).

Es wä­re wie­der so ein Aus­ru­fe­zei­chen des ös­ter­rei­chi­schen Fuß­balls, gin­gen doch die jüngs­ten elf K.-o.-Du­el­le mit Klubs aus Frank­reich für Rot­weiß-rot ver­lo­ren. Jetzt oder nie, möch­te man mei­nen, denn ei­ne bes­se­re Mann­schaft wie je­ne, die ge­gen La­zio an ih­re ver­meint­li­chen Gren­zen ge­sto­ßen war und den­noch wie­der zu­rück in die Er­folgs­spur fand, hat es in der Salz­bur­ger Red-Bull-Ära noch nicht ge­ge­ben. Und auch ein Trai­ner mit ei­ner sol­chen Bi­lanz wird in Ös­ter­reich nicht län­ger zu hal­ten sein.

Wie Mar­co Ro­se un­längst er­zähl­te, ha­ben sie in den Bü­ros der Red-Bul­lA­re­na die an­ste­hen­den Auf­ga­ben auf ei­ne Ta­fel an die Wand ge­schrie­ben. Es war­ten vier Spie­le in den nächs­ten zwölf Ta­gen, be­gin­nend mit der Li­ga­par­tie heu­te bei der Ad­mi­ra (19 Uhr, live Sky). „Ich ler­ne in die­sem Jahr durch die Eu­ro­pa Le­ague als Trai­ner enorm und bin da­für sehr dank­bar“, sag­te Ro­se, be­vor er wie im­mer nach in­ter­na­tio­na­len Er­fol­gen das nächs­te Li­ga­spiel ins Zen­trum rück­te. „Wir müs­sen wie­der drauf­pa­cken. Wenn wir jetzt Punk­te lie­gen las­sen, dann be­kom­men wir in hin­ten raus Pro­ble­me, in die wir si­cher nicht ge­ra­ten wol­len.“Der Coach weiß, dass die­se Hart­nä­ckig­keit am En­de zum Er­folg führt und dass ein paar Pro­zent­punk­te we­ni­ger selbst in der Bun­des­li­ga be­straft wer­den. Zu­letzt er­lebt beim 0:1 ge­gen den

Tho­mas Letsch drückt die Dau­men, Goran Dju­ricin be­ein­druckt die Men­ta­li­tät.

LASK, als Salz­burg nicht ein­mal son­der­lich schlecht ge­spielt hat. Wi­en staunt. Was den Ver­bleib Ro­ses an­be­langt, hat Sport­di­rek­tor Chris­toph Freund bei­na­he schon re­si­gnie­rend er­klärt, dass man sich nach der Sai­son zu­sam­men­set­zen wer­de. Die Sta­tio­nen bis da­hin: Halb­fi­na­le in Eu­ro­pa Le­ague und Cup und die sie­ben letz­ten Li­gaRun­den, dar­un­ter Gast­spie­le bei Ra­pid und Aus­tria. De­ren Trai­ner sind von den Eu­ro­pa­cup-Auf­trit­ten der Salz­bur­ger an­ge­tan. „Ich drü­cke ih­nen die Dau­men, dass das Halb­fi­na­le noch nicht das En­de ist“, sag­te Aus­tri­as Tho­mas Letsch. Ra­pid-Coach Goran Dju­ricin mein­te: „Viel­leicht kann man sich als Spie­ler oder Trai­ner ei­ni­ges von ih­nen ab­schau­en.“

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