Pri­vat­sphä­re geht nur ge­mein­sam

Der Face­book-Chef wur­de zum Rap­port ge­be­ten, um sich für den Da­ten­skan­dal durch Cam­bridge Ana­ly­ti­ca zu recht­fer­ti­gen. Was wir und die EU-Kom­mis­si­on dar­aus ler­nen kön­nen.

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug - VON BAR­BA­RA GRECH

Face­books Zu­kunft steht nicht auf wa­cke­li­gen Bei­nen. Es wird auch kei­ne wer­be­freie Be­zahl­ver­si­on kom­men. Es wird sich aber et­was än­dern müs­sen. Da­bei liegt die Ver­ant­wor­tung nicht nur bei Face­book, son­dern auch bei den Nut­zern.

Das Un­ter­neh­men bie­tet ei­ne Viel­zahl an Mög­lich­kei­ten, den Zu­gang zu Da­ten und Pro­fil­in­for­ma­tio­nen zu be­schrän­ken. In ers­ter Li­nie soll­te man sich über­le­gen, wel­che De­tails man öf­fent­lich für Frem­de zu­gäng­lich ma­chen will. Au­ßer­dem kann man Grup­pen er­stel­len, so­dass nicht je­der Bei­trag auch je­dem an­ge­zeigt wird.

Auch dar­an, wel­che Wer­bun­gen man an­ge­zeigt be­kommt und ob die­se an­hand der „Ge­fällt mir“-An­ga­ben er­stellt wer­den, kann ge­schraubt wer­den. Da­zu geht man in die Ein­stel­lun­gen und wählt im lin­ken Block „Wer­be­an­zei­gen“. Au­ßer­dem wird ei­nem dort an­ge­zeigt, wel­che In­ter­es­sen Face­book glaubt, dass man hat. Wer On­li­neDi­ens­te nutzt, hat auch die Ver­pflich­tung sich da­mit zu be­schäf­ti­gen. Aber . . . In ers­ter Li­nie ist Face­book rund um Mark Zu­cker­berg ge­for­dert, die Da­ten sei­ner Nut­zer nicht wei­ter­zu­ge­ben. Au­ßer­dem soll Face­book nun end­lich die Fin­ger von je­nen Men­schen las­sen, die über­haupt nicht auf Face­book sind. Mit dem Schutz der Pri­vat­sphä­re der ei­ge­nen Nut­zer hat das Un­ter­neh­men so­wie­so ge­nug zu tun. Au­ßer­dem könn­te Zu­cker­berg sich ein Bei­spiel an App­le neh­men. Der iPho­ne-Her­stel­ler hat an­ge­kün­digt die stren­ge EU–Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung welt­weit um­zu­set­zen.

Wenn Face­book tat­säch­lich dar­an in­ter­es­siert ist, das Ver­trau­en sei­ner Nut­zer zu­rück­zu­ge­win­nen, dann wä­re das ein ers­ter gu­ter Schritt. Au­ßer­dem muss die In­for­ma­ti­ons­po­li­tik sich än­dern. Die Tat­sa­che, dass Face­book von dem Da­ten­miss­brauch durch Cam­bridge Ana­ly­ti­ca be­reits seit 2015 wuss­te und dies nicht öf­fent­lich mach­te, darf dem Un­ter­neh­men nicht schnell ver­zie­hen wer­den. Und die öf­fent­li­che Recht­fer­ti­gung, das Un­ter­neh­men auf­ge­for­dert zu ha­ben, die Da­ten zu lö­schen und sich dar­auf ver­las­sen zu ha­ben, dass das ge­sche­hen seit, ist nicht na­iv, son­dern ein­fach un­glaub­wür­dig. Stren­ge­re Re­geln. Die Po­li­tik darf sich in die­ser di­gi­ta­len „Me­na­ge´ a` trois“nicht ent­zie­hen. Die EU-Kom­mis­si­on will Zu­cker­berg per­sön­lich in Brüs­sel se­hen. Er soll sich eben­falls vor eu­ro­päi­schen Ab­ge­ord­ne­ten recht­fer­ti­gen. EU-Jus­tiz­kom­mis­sa­rin Ve­ra Jou­ro­va te­le­fo­nier­te am Don­ners­tag­abend mit Face­book-Ge­schäfts­füh­re­rin She­ryl Sand­berg zu dem Da­ten­skan­dal um Face­book und Cam­bridge Ana­ly­ti­ca.

Sie teil­te da­nach mit, sie ha­be sich da­für aus­ge­spro­chen, dass Zu­cker­berg ins Eu­ro­pa­par­la­ment kom­me. San­ders ha­be in dem Te­le­fo­nat be­stä­tigt, dass even­tu­ell noch mehr Apps per­sön­li­che Da­ten von Face­book-Nut­zern und ih­ren Freun­den ge­sam­melt ha­ben könn­ten, sag­te Jou­ro­va. Vor der An­hö­rung soll­ten sich die zu­stän­di­gen EU-Kom­mis­sa­re vor­be­rei­ten. Et­was, das bei den Ab­ge­ord­ne­ten des US-Kon­gress of­fen­sicht­lich nicht statt­ge­fun­den hat.

Mit Ruhm be­kle­ckert hat sich der US-Kon­gress nicht. Viel­mehr hat sich of­fen­bart, dass die Da­men und Her­ren nicht wis­sen, was Face­book ist. Der Re­pu­bli­ka­ner Or­rin Hatch woll­te wis­sen, wie sich Face­book fi­nan­zie­re.

Face­book muss un­ter Be­ob­ach­tung und da­mit das mög­lich ist, müs­sen die Re­gu­la­to­ren den Di­enst ver­ste­hen. Ei­ne kom­pe­ten­te Be­fra­gung könn­te In­for­ma­tio­nen zu Ta­ge för­dern, die da­zu bei­tra­gen, dass Face­book Re­geln vor­ge­legt be­kommt, die den Di­enst si­che­rer und vor al­lem kon­trol­lier­ba­rer für je­den Ein­zel­nen macht.

Reuters

Face­book muss un­ter Be­ob­ach­tung. Nicht die Nut­zer.

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