Die un­ro­man­ti­sche Seite der Lust

Die ita­lie­ni­sche Au­to­rin Va­le­ria Par­rel­la ent­wirft in »Die En­zy­klo­pä­die der Frau. Up­date« das Pro­to­koll ei­ner selbst­be­wuss­ten Fe­mi­nis­tin. Sprach­lich flott, aber in­halt­lich ent­täu­schend.

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - VON AN­NA-MA­RIA WALL­NER

Viel­leicht kommt Ih­nen das be­kannt vor. Viel­leicht fand sich auch im Bü­cher­schrank Ih­rer El­tern oder Groß­el­tern ein so­ge­nann­tes Auf­klä­rungs- und Haus­halts­buch, in dem Fa­mi­li­en lan­ge vor dem Rat­ge­ber­zeit­al­ter, ge­schwei­ge denn vor In­ter­net und Wi­ki­pe­dia, er­klärt wur­de, wie das Haus­halts- und Frei­zeit­le­ben so funk­tio­niert. Ge­nau ein sol­ches Buch be­fand sich auch in Aman­das Fa­mi­lie, al­ler­dings wur­de sie von ih­ren fort­schritt­li­chen El­tern nicht vor, son­dern auf „Die En­zy­klo­pä­die der Frau“ge­setzt. Aus ih­rer Sicht taug­te die­se tra­di­tio­nel­le Schrift eher als Sitz­pols­ter denn als ernst zu neh­men­des Nach­schla­ge­werk.

Aman­da, das ist die 53-jäh­ri­ge Prot­ago­nis­tin und Ar­chi­tek­tur­do­zen­tin im neu­en Ro­man der nea­po­li­ta­ni­schen Au­to­rin Va­le­ria Par­rel­la. Ei­ne eman­zi­pier­te, selbst­stän­di­ge Frau, die vom Va­ter or­dent­lich was zu hö­ren be­kam, wenn sie als Pu­ber­tie­ren­de wü­tend auf die Mut­ter war, weil die­se nicht recht­zei­tig ih­ren neu­en Rock fer­tig­ge­näht hat­te: „Schäm dich, Ma­ma ist ei­ne be­rufs­tä­ti­ge Frau“, sag­te er dann. Aman­da wuchs al­so in ei­ner Fa­mi­lie auf, in der im­mer der ein­kau­fen ging, den Ab­wasch mach­te oder nach­mit­tags mit den Kin­dern Haus­auf­ga­ben er­le­dig­te, der ge­ra­de Zeit hat­te. „Ich ha­be ge­glaubt, dass es über­all so sei.“Das klingt nach ei­ner gu­ten Kind­heit. Ka­ta­log der Män­ner. Längst ist Aman­da er­wach­sen, Mut­ter von Zwil­lin­gen und ver­fasst ei­nen Fort­set­zungs­band für die „En­zy­klo­pä­die“, in dem es um Se­xua­li­tät geht. „Up­date“nennt sie den Band. Und wir hö­ren ihr da­bei zu, wie sie über Sex zwischen Mann und Frau denkt, über Be­frie­di­gung der Lust und über das Recht auf ei­nen Or­gas­mus (und die Un­lust, dem Ge­gen­über das­sel­be Recht zu­zu­ge­ste­hen). Das ist sprach­lich flott er­zählt und dank der wun­der­ba­ren deut­schen Über­set­zung kurz­wei­lig und stre­cken­wei­se amü­sant, bleibt aber in­halt­lich teil­wei­se be­fremd­lich. Denn schon bald geht ei­nem Aman­das Hal­tung zu Sex, der nur mit Lust, nie et­was mit Ge­füh­len zu tun hat, auf die Ner­ven. Sie teilt Män­ner und ihr Ge­mächt in ver­schie­de­ne Ka­te­go­ri­en ein: Die Un­si­che­ren tau­gen nur für Frau­en mit Hel­fer­syn­drom Va­le­ria Par­rel­la: »En­zy­klo­pä­die der Frau – Up­date« Über­setzt von Gu­drun Jä­ger und Ca­thri­ne Hor­nung Fo­lio Ver­lag 160 Seiten 20 Eu­ro

Gi­lio­la Chis­te

Va­le­ria Par­rel­la hat ei­ne ziem­lich nüch­ter­ne Lie­bes­er­klä­rung an die weib­li­che Lust ge­schrie­ben.

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