Acht Ant­wor­ten zur neu­en Kur

Mehr Be­we­gung, we­ni­ger Mas­sa­gen: Die Ge­sund­heits­vor­sor­ge ak­tiv wird nun flä­chen­de­ckend ein­ge­führt und setzt auf Prä­ven­ti­on und Selbst­ver­ant­wor­tung. Wir er­klä­ren, was bei der neu­en Kur an­ders ist, wie viel sie kos­tet und was sie bringt.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON CLAU­DIA RICH­TER

Er­näh­rung, Be­we­gung und men­ta­le Ge­sund­heit sind die drei Säu­len, auf de­nen die Ge­sund­heits­vor­sor­ge der Pen­si­ons­ver­si­che­rungs­an­stalt auf­baut. Die Kur neu heißt Ge­sund­heits­vor­sor­ge ak­tiv (GVA) und ist ei­ne Idee der Pen­si­ons­ver­si­che­rungs­an­stalt (PVA). Man will da­mit ei­ner­seits auf die ge­än­der­ten Le­bens­um­stän­de der Men­schen re­agie­ren. Be­we­gungs­ar­mut, Über­ge­wicht und Stress sind be­deu­ten­de Krank­ma­cher von heu­te, da­her be­ruht das Drei­säu­len­mo­dell der GVA auf Be­we­gung, Er­näh­rung und men­ta­ler Ge­sund­heit. An­de­rer­seits soll die al­te Kur auf­ge­frischt und vom Image des „be­zahl­ten Ur­laubs“ge­löst wer­den. Die Ge­sund­heits­vor­sor­ge ak­tiv gilt nun für Ver­si­cher­te der PVA im Be­reich des Be­we­gungs- und Stützap­pa­rats. Das sind im­mer­hin rund 80 Pro­zent al­ler ös­ter­rei­chi­schen Kur­gäs­te pro Jahr. (Noch) nicht im Boot der GVA sind der­zeit un­ter an­de­rem die Be­am­ten­ver­si­che­rung, die Bau­ern­ver­si­che­rung so­wie die meis­ten Bun­des­län­der­kran­ken­kas­sen.

War­um gibt es über­haupt ei­ne neue Va­ri­an­te der Kur? Er­hal­ten al­le, die auf Kur ge­hen, die neue Va­ri­an­te?

Grob ge­sagt: we­ni­ger Pas­si­ves (Mas­sa­gen, Mo­or­pa­ckun­gen und Co.), mehr Ak­ti­ves (Aus­dau­er­trai­ning, Kraft­trai- ning und der­glei­chen). Das heißt, der Ein­zel­ne wird we­sent­lich mehr ge­for­dert, es gibt ein re­la­tiv dich­tes Pro­gramm, der The­ra­pie­um­fang wur­de um 400 Mi­nu­ten auf 1400 Mi­nu­ten aus­ge­dehnt. Die­ses Ba­sis­mo­dul gilt für al­le, wo­bei die In­ten­si­tät an die Mög­lich­kei­ten des Ein­zel­nen an­ge­passt wer­den soll. Zu­dem gibt es, je nach per­sön­li­chem Be­darf, Auf­bau­mo­du­le mit ei­nem Schwer­punkt auf Be­we­gung oder Er­näh­rung oder men­ta­le Ge­sund­heit. Zu­sätz­lich wer­den Ein­zel­the­ra- pi­en, Er­gän­zungs­mo­du­le oder Work­shops, zum Bei­spiel zur Burn-out-Prä­ven­ti­on, ge­bo­ten.

Was bringt die Neue­rung für den Ein­zel­nen? Was soll das neue Mo­dell kon­kret brin­gen?

GVA setzt stark auf Prä­ven­ti­on. Der Kur­gast soll zu ei­ner Le­bens­sti­län­de­rung ani­miert wer­den, hin zu ei­nem ge­sün­de­ren Leben. Mit ei­nem Team aus Ärz­ten, Sport­wis­sen­schaft­lern, Diä­to­lo­gen und Psy­cho­lo­gen soll ein Kon­zept er­ar­bei­tet wer­den, das die Ge­sund­heits­kom­pe­tenz des Ein­zel­nen er­höht. Man will auch, wie es Gün­ther Wie­sin­ger, Arzt und Mit­ent­wick­ler der neu­en Kur­va­ri­an­te, aus­drückt, den Jah- ren mehr Leben ver­lei­hen. Wohl ist die Le­bens­er­war­tung in Ös­ter­reich auf­grund der teu­ren Re­pa­ra­tur­me­di­zin sehr hoch, doch mit der An­zahl der ge­sun­den Jah­re sieht es eher trau­rig aus: In Schwe­den be­trägt sie 73, Ös­ter­rei­cher ha­ben da­ge­gen le­dig­lich 57 ge­sun­de Jah­re. Die­se Zahl will die GVA er­hö­hen, sie will qua­si die Tü­ren zu ei­nem ge­sün­de­ren Leben öff­nen. Hin­ter­grün­di­ges Ziel: län­ge­rer Ver­bleib im Be­rufs­le­ben, we­ni­ger und spä­te­re Pfle­ge­be­dürf­tig­keit.

Kann man tat­säch­lich ei­ne Le­bens­sti­län­de­rung be­wir­ken?

Die Er­fah­run­gen aus dem Pi­lot­pro­gramm, das ja be­reits 2014 ein­ge­führt und an mehr als 20.000 Per­so­nen ge­tes­tet wur­de, wa­ren groß­teils po­si­tiv. Ei­ner Eva­lua­ti­on ei­ner un­ab­hän­gi­gen For­schungs­stel­le zu­fol­ge zeig­ten sich bei den Teil­neh­mern si­gni­fi­kan­te Ver­bes­se­run­gen bei der Er­näh­rung, bei kör­per­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten und beim sub­jek­ti­ven Ge­sund­heits­zu­stand. Vie­le wol­len nach dem Auf­ent­halt wei­ter­ma­chen – ein­fach, weil sie er­kannt und ge­spürt ha­ben, dass ih­nen ein ge­än­der­ter Le­bens­stil mehr Le­bens­qua­li­tät bringt. Wie nach­hal­tig aber der Wil­le zu ei­nem ge­sün­de­ren Leben wirk­lich ist, wird erst die Zu­kunft zei­gen.

Per­so­nen

ha­ben das Pi­lot­pro­gramm ge­tes­tet.

ge­sun­de Jah­re

er­lebt der Durch­schnitts­ös­ter­rei­cher, ein Schwe­de je­doch 73.

Eu­ro

wird die neue Kur der PVA pro Jahr mehr kos­ten als die al­te Va­ri­an­te.

Nullp­lus/Westend61/ pic­tu­re­desk.com

Be­we­gung ist ei­nes der zen­tra­len Zie­le der neu­en Kur.

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