Kunst­wer­te

WEG­WEI­SER FÜR AUK­TIO­NEN, MES­SEN UND GALERIEN

Die Presse am Sonntag - - Kunstmarkt - VON EVA KO­MAREK

Sa­laam Bom­bay. Sothe­by’s setzt auf den wach­sen­den Markt in In­di­en und macht im De­zem­ber die ers­te Auk­ti­on in Mum­bai. Chris­tie’s hat im Vor­jahr wie­der auf­ge­hört.

In­di­ens Kunst­markt ist im Auf­schwung. Zu­min­dest gibt es An­zei­chen da­für. Nach dem Ein­stieg der Mes­se­be­trei­ber der Art Ba­sel bei der In­dia Art Fair im Herbst 2016 hat Sothe­by’s die­se Wo­che be­kannt ge­ge­ben, dass das Auk­ti­ons­haus im De­zem­ber im Taj Mahal Pa­lace Ho­tel in Mum­bai die ers­te Li­veauk­ti­on ver­an­stal­ten wird. „In den ver­gan­ge­nen Jah­ren ha­ben wir ei­ner­seits ei­ne stei­gen­de Prä­senz von in­di­schen Samm­lern bei den in­ter­na­tio­na­len Auk­tio­nen von Sothe­by’s be­ob­ach­tet, und an­de­rer­seits se­hen wir ei­ne wach­sen­de lo­ka­le Kunst­sze­ne“, sagt Jan Pra­sens, Sothe­by’s Ma­na­ging Di­rec­tor für Eu­ro­pa, Nah­ost, Russ­land und In­di­en. Das Auk­ti­ons­haus hat 2016 ein Bü­ro in Mum­bai auf­ge­sperrt. Kon­kur­rent Chris­tie’s hat 2013 mit Auk­tio­nen in In­di­en be­gon­nen, sie aber im Vor­jahr wie­der ein­ge­stellt. Es ist nicht der ers­te Ver­such von Sothe­by’s in In­di­en Fuß zu fas­sen. Schon 1992 hat das Haus in Mum­bai ei­ne Auk­ti­on ab­ge­hal­ten, aber ent­schie­den, dass der Markt für re­gel­mä­ßi­ge Ver­stei­ge­run­gen noch nicht reif war. Ge­frag­te Klas­si­ker. Der Markt für in­di­sche Meis­ter wie Ty­eb Meh­ta oder Fran­cis New­ton Sou­za, die aber vor al­lem im Wes­ten ver­kauft wer­den, ist ro­bust. Sie ge­hö­ren zur Pro­gres­si­ve Ar­tists Group, je­ner Künst­ler­be­we­gung, die, in­spi­riert von den Ex­pres­sio­nis­ten, nach der Un­ab­hän­gig­keit des Lan­des 1947 mit in­di­schen The­men den An­schluss an die west­li­che Kunst such­ten. So er­ziel­te Chris­tie’s im Vor­jahr in Lon­don für Meh­ta mit 2,3 Mil­lio­nen Pfund ei­nen neu­en Re­kord, der höchs­te Preis für Sou­za da­tiert ins Jahr 2015 mit 3,5 Mil­lio­nen Dol­lar. Das To­plos bei der Sothe­by’s-Auk­ti­on im De­zem­ber wird ein Haupt­werk von Ty­eb Meh­ta sein.

Et­was an­ders sieht es bei der jün­ge­ren Ge­ne­ra­ti­on aus, mit Künst­lern wie Su­bo­dh Gupta, Shi­bu Na­tesan oder An­jun und Atul Do­diya, die ab Mit­te der Nul­ler­jah­re auch im Wes­ten zu Shoo­ting­stars wur­den. Die in­di­sche Kunst­sze­ne er­leb­te ei­nen Boom, der aber nicht nach­hal­tig war. Nach der in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­kri­se ka­men die­se Künst­ler nicht mehr an die Höchst­prei­se von 2008 her­an. Zu­dem kau­fen dem ak­tu­el­len KPMG-Be­richt „Vi­su­al arts in­dus­try in In­dia: Pain­ting the fu­ture“zu­fol­ge die heu­te 40- und 50-Jäh­ri­gen we­ni­ger Ge­gen­warts­kunst, son­dern lie­ber die Klas­si­ker. Zu­dem sei­en In­der kei­ne en­thu­si­as­ti­schen Kunst­käu­fer. Laut KPMG ha­ben we­ni­ger als 0,02 Pro­zent der Be­völ­ke­rung je­mals Kunst ge­kauft und das, ob­wohl die Zahl der high-net-worth in­di­vi­du­als ra­pi­de zu­nimmt. 2016 lag In­di­en bei der Zahl der HNWI in Asi­en an vier­ter Stel­le. Viel­leicht war Chris­tie’s Stra­te­gie, die Auk­tio­nen wie­der ein­zu­stel­len, be­grün­det.

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