Die kopf­lo­sen Hel­den der »Na­ti«

Die Presse am Sonntag - - Fussball-wm 2018 -

Gra­nit Xha­ka und Xher­dan Shaqi­ri, die bei­den Schwei­zer Na­tio­nal­spie­ler mit ko­so­va­ri­schen Wur­zeln, fei­er­ten ih­re To­re ge­gen Ser­bi­en mit dem pro­vo­kan­ten „Dop­pel­ad­ler“. Ei­gent­lich ist die sport­li­che Leis­tung der bei­den Schwei­zer Söh­ne ko­so­va­ri­scher Ein­wan­de­rer die gro­ße Sto­ry des WM-Abends ge­we­sen. Denn mit ih­ren To­ren beim 2:1 ge­gen Ser­bi­en schos­sen Gra­nit Xha­ka und Xher­dan Shaqi­ri ihr Team in Rich­tung Ach­tel­fi­na­le. Doch mit ih­rem Tor­ju­bel ta­ten sich die ver­meint­li­chen Hel­den kei­nen Ge­fal­len.

Die Schweiz lag früh mit 0:1 in Rück­stand. Dann kam Xha­ka an­ge­rauscht und sorg­te mit ei­nem Weit­schuss für den Aus­gleich (52.). Es folg­te der ers­te zwei­er Tor­ju­bel, die nun Aus­lö­ser vie­ler Dis­kus­sio­nen sind. Xha­ka form­te mit den Hän­den ei­nen dop­pel­köp­fi­gen Ad­ler, der auf der Flag­ge Al­ba­ni­ens zu se­hen ist – ei­ne na­tio­na­lis­ti­sche Ges­te, die vor al­lem von den Ser­ben als Pro­vo­ka­ti­on an­ge­se­hen wird.

Xha­ka, des­sen Va­ter in den 1980erJah­ren nach Pro­tes­ten im Ko­so­vo ge­gen die Zen­tral­re­gie­rung drei Jah­re in ei­nem ser­bi­schen Ge­fäng­nis saß, ver­tei­dig­te sei­ne Hand­be­we­gung nach dem Spiel. „Für mich war es ein ganz spe­zi­el­les Spiel“, sag­te der 25-jäh­ri­ge Ar­senal-Pro­fi. „Tau­sen­de Leu­te, Fa­mi­lie aus der Schweiz, aus Al­ba­ni­en, aus dem Ko­so­vo ha­ben zu­ge­se­hen. Die­ser Sieg war für mei­ne Fa­mi­lie. Der Ju­bel war kei­ne Mes­sa­ge an den Geg­ner.“

Zu al­lem Über­fluss tat es ihm Kol­le­ge Shaqi­ri bei sei­nem Tor in der Schluss­mi­nu­te gleich. „Ich will nicht dar­über re­den. Im Fuß­ball sind im­mer Emo­tio­nen“, mein­te Shaqi­ri. Da­bei hat­te er vor vier Jah­ren, als das Ju­belThe­ma im Schwei­zer Ka­der be­spro­chen wur­de, ver­si­chert, in der „Na­ti“auf den Dop­pel­ad­ler zu ver­zich­ten.

An­statt sich al­so über ei­nen ver­dien­ten Er­folg sei­nes Teams zu freu­en, muss­te Te­am­chef Vla­di­mir Pet­ko­vic´ die über­flüs­si­ge Ak­ti­on kom­men­tie­ren. „Der gan­ze Ver­band, das gan­ze Land ver­tritt schon seit Jah­ren die Mei­nung, dass wir das nicht brau­chen.“

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