Gold ist ge­schmack­los

Franck Rib´ery hat mit sei­nem Gold-Steak für Auf­re­gung ge­sorgt. Das ist auch die wich­tigs­te Funk­ti­on, die ess­ba­res Blatt­gold hat. Schme­cken tut es nicht.

Die Presse am Sonntag - - Essen Und Trinken - VON KA­RIN SCHUH

Ob es das über­teu­er­te Steak al­lein war, sei ein­mal da­hin­ge­stellt. Viel­leicht war es auch die Show rund­her­um, das selt­sa­me Tänz­chen und das an­ge­be­ri­sche Ge­ha­be, das der Fuß­bal­ler Franck Ri­be­ry´ und der Koch Nus­ret Gök­ce¸ in des­sen Du­bai­er Steak­lo­kal auf dem Vi­deo vor­führ­ten, das zu gro­ßer Auf­re­gung führ­te. Die bö­sen Kom­men­ta­re da­zu und die noch bö­se­re Ant­wort dar­auf, die dem Bay­ern-Mün­chen-Spie­ler auch ei­ne ho­he Geld­stra­fe ein­brach­te, heiz­ten das Gan­ze noch an. Von Sa­rah Wie­ner ab­wärts sa­hen sich so ei­ni­ge da­zu an­ge­hal­ten, die Spei­se­wahl des Fuß­bal­lers (und die Do­ku­men­ta­ti­on eben­die­ser in den so­zia­len Me­di­en) aufs Schärfs­te zu ver­ur­tei­len. Wie kön­ne man nur ein ver­gol­de­tes Steak es­sen, wenn sich an­de­re nicht ein­mal ei­nen Bruch­teil die­ses Ge­richts, das Ge­rüch­ten zu­fol­ge so­gar 1200 Dol­lar ge­kos­tet ha­ben soll, leis­ten kön­nen. Die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on nach dürf­te Herr Ri­be­ry´ so ei­ni­ges nicht, aber das ist ei­ne an­de­re Ge­schich­te. Zu­satz­stoff E175. Die Cau­sa Gold-Steak ist ein schö­nes Bei­spiel da­für, wie emo­tio­nal auf­ge­la­den Es­sen ist. Selbst Le­bens­mit­tel­zu­satz­stof­fe – und als sol­cher ist Gold im Le­bens­mit­tel­ge­setz ge­re­gelt – ha­ben ein be­stimm­tes Image. Man stel­le sich so ein Tänz­chen (nach­zu­se­hen auf dem Twit­ter-Ac­count des Fuß­bal­lers) rund um ei­ne Por­ti­on Ge­mü­se vor. Die Re­ak­tio­nen wä­ren wohl an­ders aus­ge­fal­len.

Na­tür­lich geht es da­bei vor al­lem ums Geld. Kar­tof­feln sind bil­lig, Gold teu­er. Das ist in un­se­ren Köp­fen fix ver­an­kert. Wo­bei Letz­te­res re­la­tiv ist. Ein gro­ßes Steak ist per se nicht güns­tig. In Du­bai wird es ver­mut­lich noch ein biss­chen mehr kos­ten als an­ders­wo. Aber der Gold­man­tel al­lein dürf­te bei dem stol­zen Preis kaum ins Ge­wicht ge­fal­len sein. „Der Gold­wert des Steaks liegt viel­leicht bei 25 Eu­ro, von mir aus bei 50, oder wenn es in Du­bai war, soll es hun­dert Eu­ro ge­kos­tet ha­ben“, sagt die ös­ter­rei­chi­sche Ver­gol­de­rin Wal­traud Lueg­ger, die das Ate­lier Gold­rich­tig in Wi­en be­treibt. Auch bei der Wie­ner Blatt­gold­schlä­ge­rei Alois Wam­precht­sa­mer schätzt man den Gold­wert des Steaks auf rund 20 Eu­ro.

Im­mer­hin ver­trei­ben bei­de auch ess­ba­res Blatt­gold, das vor­wie­gend in der Pa­tis­se­rie ein­ge­setzt wird. Bei Lueg­ger kommt ei­ne Pa­ckung Blatt­gold (25 Blatt, 65 x 65 mm) auf 32 Eu­ro. Auch bei der Fir­ma Wam­precht­sa­mer kommt ein hauch­dün­nes Stück Blatt­gold auf in et­wa ei­nen Eu­ro. Wenn man ein gan­zes Stück Fleisch da­mit ein­pa­cken will, braucht man schon meh­re­re Blät­ter.

Und man muss wis­sen, wie man da­mit um­geht. Blatt­gold ist nur we­ni­ge Zehn­tau­sends­tel Mil­li­me­ter dick, dem­ent­spre­chend ge­fin­kelt ist die Hand­ha­bung. Wür­de man ei­ne tro­cke­ne Spei­se da­mit be­streu­en, wür­de das Gold so­fort da­von­flie­gen. Blatt­gold braucht im­mer et­was, woran es kle­ben kann, Oli­ven­öl et­wa oder ei­ne erst halb ge­trock­ne­te Scho­ko­gla­sur. Will man aber nur ein biss­chen da­von über ei­ne Tor­te oder ein Kon­fekt streu­en, kommt man mit we­nig Flo­cken oder Streu­sel aus, die als Tor­ten­de­kor an­ge­bo­ten wer­den.

Im Le­bens­mit­tel­ge­setz ist der Ein­satz von Gold ge­nau ge­re­gelt. „Gold ist ein Zu­satz­stoff mit der E-Num­mer 175“, er­klärt In­grid Kie­fer von der Ös­ter­rei­chi­schen Agen­tur für Ge­sund­heit und Er­näh­rungs­si­cher­heit (Ages). Laut Ver­ord­nung darf es in Über­zü­gen und Ver­zie­run­gen von Süß­wa­ren und Pra­li­nen so­wie als Zu­satz von Li­kö­ren ver­wen­det wer­den. Auch wenn das auf den ers­ten Blick ver­wir­rend wir­ken mag, aber ech­tes Gold gilt im Le­bens­mit­tel­ge­setz als Farb­stoff. Sil­ber hat üb­ri­gens die E-Num­mer 174 und die­sel­ben Ein­satz­be­rei­che wie Gold. Der Ver­kauf von mit Blatt­gold ver­zier­ten Pro­duk­ten ist zwar ge­re­gelt, wer sich Blatt­gold kauft, kann da­heim aber da­mit ma­chen, was er möch­te: Ku­chen ver­zie­ren, Schnit­zel pa­nie­ren oder sein But­ter­brot da­mit be­streu­en. Da Blatt­gold vom Kör­per nicht re­sor­bier­bar ist, Im ös­ter­rei­chi­schen Le­bens­mit­tel­ge­setz fin­det sich Blatt­gold als Zu­satz­stoff E175, ge­nau ge­nom­men als „für be­stimm­te Zwe­cke zu­läs­si­ger Farb­stoff“. Blatt­gold darf hier­zu­lan­de nur für Über­zü­ge von Süß­wa­ren, die Ver­zie­rung von Pra­li­nen und als Zu­satz zu Li­kö­ren ver­wen­det wer­den. Das­sel­be gilt für Blatt­sil­ber (E174). Die höchst­zu­läs­si­ge Men­ge ist mit „Quan­tum sa­tis“an­ge­ge­ben („so viel wie nö­tig“). Da Schaum­wein für die Ge­schmacks­ge­bung mit Li­kör ver­setzt wer­den darf, sind auch mit Blatt­gold ver­meng­te Schaum­wei­ne im Wein­ge­setz ge­re­gelt. al­so un­ver­än­dert aus­ge­schie­den wird, ist da­von aus­zu­ge­hen, dass es kei­ne Ef­fek­te auf den Kör­per hat. „To­xi­zi­täts­da­ten feh­len al­ler­dings da­zu“, sagt Kie­fer. Wich­tig ist nur, dass das ess­ba­re Blatt­gold min­des­tens 22 Ka­rat hat. Denn schäd­lich für den Kör­per könn­ten nur die Ve­r­un­rei­ni­gun­gen sein, die sich in Gold mit ei­ner nied­ri­ge­ren Ka­rat­zahl (sie be­trägt ma­xi­mal 24) fin­den.

Auch die po­si­ti­ven Ei­gen­schaf­ten, die Gold ha­ben soll, sind nicht be­legt. Die Ge­schich­te, dass schon Pa­ra­cel­sus Gold als Me­di­zin ein­ge­setzt ha­be, hört man den­noch im­mer wie­der. Eben­so, dass es blut­rei­ni­gend und herz­stär­kend wir­ken sol­le. Ge­schmack­lich hat Gold nicht ein­mal der Le­gen­de nach et­was bei­zu­tra­gen. Es hat kei­nen Ei­gen­ge­schmack, es sind al­so aus­schließ­lich die Op­tik und das Wis­sen um den fi­nan­zi­el­len Wert, die uns fas­zi­nie­ren.

Gold wird vom Kör­per un­ver­än­dert aus­ge­schie­den und hat kei­nen Ge­schmack.

Aro­ma­ti­sier­tes Ge­tränk. Dass Gold aber nicht nur in Li­kö­ren, son­dern auch in Sekt ver­wen­det wird, liegt an ei­ner Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung. Aro­ma­ti­sier­ten wein­hal­ti­gen Ge­trän­ken darf zur Ge­schmacks­ge­bung Li­kör zu­ge­setzt wer­den, und die­ser darf eben auch den Zu­satz­stoff E175, al­so Blatt­gold, ent­hal­ten. Al­ler­dings darf das Pro­dukt dann nicht als Sekt, son­dern nur als aro­ma­ti­sier­tes wein­hal­ti­ges Ge­tränk ver­kauft wer­den. Die Sekt­kel­le­rei In­führ nennt ih­ren mit Blatt­gold ver­setz­ten Schaum­wein des­halb Ös­ter­reich Gold (mit 23-ka­rä­ti­gem Gold).

1997 wur­de das Pro­dukt ent­wi­ckelt, um et­was Be­son­de­res zur Jahr­tau­send­wen­de an­zu­bie­ten. Drei Jah­re ha­be die Ent­wick­lung ge­dau­ert, er­klärt Tho­mas Sch­lat­te von der Sekt­kel­le­rei In­führ in Klos­t­er­neu­burg. Es sei nicht so ein­fach ge­we­sen, ein Ver­fah­ren zu ent­wi­ckeln, bei dem die Gold­par­ti­kel we­der oben schwim­men noch sich am Bo­den der Fla­sche sam­meln. Des­halb füllt In­führ auch für an­de­re An­bie­ter Sekt mit Blatt­gold ab. Das Pro­dukt hat sich weit über die Jahr­tau­send­wen­de ge­hal­ten, die Nach­fra­ge sei sta­bil, heißt es.

Und auch ein Blick in die Ge­schich­te macht deut­lich, dass Gold im­mer wie­der auf Spei­sen lan­de­te, vor­wie­gend, um zu zei­gen, dass man es sich leis­ten konn­te. Gold gilt auch als Ur­sprung der Pa­nier des Wie­ner Schnit­zels. Weil es sich ein­fa­che Men­schen nicht leis­ten konn­ten, Fleisch mit Gold zu pa­nie­ren (wie es im 15. und 16. Jahr­hun­dert in der Lom­bar­dei Mo­de war), wur­de die gold­gel­be Brö­sel­pa­nier er­fun­den. Es sieht nicht da­nach aus, als wür­de das Gold-Steak von Ri­be­ry´ ein ähn­li­ches Schick­sal er­ei­len.

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