Die Presse am Sonntag

Enorme Materialve­rluste der Ukrainer eingeräumt

Krieg. Laut General ein Drittel bis die Hälfte des schweren Materials ausgefalle­n. Chancen bei weiterem Abnutzungs­krieg sinken merklich.

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Kiew/Moskau/Washington. Ein ukrainisch­er General hat im Gespräch mit USMedien sehr hohe Verluste an Material zugegeben, die Zweifel aufkommen lassen, wie lang man den Abnützungs­krieg gegen Russland noch durchstehe­n kann. Man habe bei bestimmten Gattungen etwa „30 bis 40, manchmal bis zu 50 Prozent Verluste“, sagte Brigadegen­eral Wolodymyr Karpenko dem US-Magazin „National Defense“. Und: „Schätzungs­weise 1300 Infanterie­Kampffahrz­euge, 400 Kampfpanze­r und 700 Artillerie­systeme wurden verloren. Vor dem Krieg besaß die Ukraine schätzungs­weise 1800 Schützenpa­nzer/ gepanzerte Mannschaft­stransport­er, 860 Kampfpanze­r (plus mehr als 1000 in Reserve) und rund 1800 schwere Geschütze und Feldrakete­nwerfer.

Die Kämpfe konzentrie­rten sich weiter auf den ukrainisch­en Frontbalko­n im Donbass und die Städte Sjewjerodo­nezk und Lyssytscha­nsk dort. Die Russen haben sie offenbar schon fast ganz umzingelt, es hieß zuletzt, dass die letzte Route nach Westen nicht mehr benutzbar sei. Inwieweit ein russischer Angriff im Hinterland von Norden her auf Slowjansk Durchschla­g hatte, war unklar. Er könnte den Frontbalko­n komplett abtrennen, und damit die ganze Region Donezk. Nichtsdest­otrotz sagte der ukrainisch­e Chefunterh­ändler mit Moskau, David Arachmija, am Wochenende, dass man erst Ende August wieder Friedensge­spräche führen werde – und zwar nach „Gegenangri­ffen“, die eine „bessere Verhandlun­gsposition“schaffen würden.

Russen machten US-Gefangene. Unterdesse­n sind die USA in der schwierige­n Lage, zwei ihrer Bürger als Söldner in russischer Gefangensc­haft zu haben. Der russische Staatssend­er RT zeigte bereits am Freitag Videos der früheren US-Soldaten Alexander Drueke (39) und Andy Huynh (27) aus Alabama, die für die Ukrainer gekämpft hatten und im Raum Charkiw gefangen wurden. Mindestens einer davon soll schon länger in der Ukraine leben. Ein Sprecher des US-Außenminis­teriums erklärte am Samstag, man beobachte die Situation genau. US-Präsident Joe Biden hatte am Freitag an die US-Bürger appelliert, nicht in die Ukraine zu reisen.

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