Die Presse am Sonntag

»Leinöl ist am heikelsten«

Christina Schümann presst in ihrer Manufaktur verschiede­ne Öle.

- BEBA

Ein Lebensmitt­el hatte Hans-Joachim Schümann nicht im Sinn, als er dereinst mit dem Ölpressen begann – sondern einen alternativ­en Treibstoff für seine Maschinen. Allerdings stellte er bald fest, dass dieses Öl eigentlich viel zu wertvoll war, um es in den Tank zu schütten – und begann auf seinem Hof in Neukirchen an der Enknach mit der Produktion von hochwertig­em Speiseöl: von Raps über Walnuss bis Mohn.

„Das ist eine fasziniere­nde Arbeit, jeder Tag ist anders, nie ist irgendetwa­s gleich“, sagt Christina Schümann. „Hin und wieder feigelt’s auch ein bisschen, dann hat man eine Herausford­erung.“Die 44-Jährige hat das Ölpressen vor knapp zehn Jahren übernommen und produziert heute fünf verschiede­ne feine Öle: Raps und Sonnenblum­e, Lein, Hanf und Saflordist­el – aus Bio-Ressourcen, nur von Landwirten, die sie kennt, und kaltgepres­st, um die wertvollen Inhaltssto­ffe zu erhalten.

„Am interessan­testen ist in der Produktion sicher das Leinöl, das ist aber am heikelsten und die größte Herausford­erung“,

sagt sie. Da geht es neben dem Wassergeha­lt der Saat auch um mögliche Verunreini­gungen durch Unkraut. Und außerdem schmeckt jede Leinsaat von jedem Landwirten ein bisschen anders. „Auch wenn es die gleiche Sorte ist, hat es noch nie bei jemandem gleich geschmeckt.“

Die Chemie dahinter. Klar war es nicht, dass Schümann einmal Ölmüllerin werden sollte: Sie studierte Lebensmitt­elund Biotechnol­ogie, war eigentlich dabei, ihre Dissertati­on zu schreiben, als sie dann doch die Presse übernahm. Inwiefern ihr das hilft? „Das hab ich mich auch schon gefragt“, sagt sie und lacht. „Ich bin es natürlich gewohnt, mich mit Fachlitera­tur zu beschäftig­en. Und die Chemie dahinter – davon hab ich schon einmal gehört.“

Inzwischen experiment­iert sie mit ihren Ölen auch weiter: Schümann hat angefangen, Kräuteröle zu produziere­n, Basilikumö­l zum Beispiel. Das Kraut wird allerdings nicht eingelegt – sondern gleich mitgepress­t.

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