Die Presse am Sonntag

»Ich war ein Niemand«

»Castle Falls« heißt der jüngste Action-Film, bei dem Dolph Lundgren Regie führt. Im Interview mit der »Presse am Sonntag« erzählt der gebürtige Schwede von seiner schwierige­n Kindheit, seinem gewalttäti­gen Vater – und wie er spät seinen Frieden gefunden

- VON MARIAM SCHAGHAGHI

Der Altmeister der Actionkrac­her ist wieder da: Dolph Lundgren. Er spielt nicht nur eine der Hauptrolle­n, sondern führt auch Regie in „Castle Falls“(ab 26. Mai 2022 auf Blu-ray und DVD). Als Sylvester Stallones Gegner Ivan Drago feierte er in „Rocky IV“1985 seinen Durchbruch und wurde zu einem der gefragtest­en Actiondars­teller der Achtziger. „Castle Falls“ist schon der siebte Film unter Lundgrens Regie.

Dolph, gibt es Leute, die Sie mit Ihrem eigentlich­en Vornamen ansprechen?

Dolph Lundgren: Ja, einige Freunde in Nordschwed­en. Dort habe ich gelebt, weil ich mit 13 Jahren zu meinen Großeltern zog. Mein Vater hat mich hochgeschi­ckt, weil ich zu Hause in Stockholm Probleme in der Schule hatte. Einige Leute aus der Zeit nennen mich heute noch Hans.

Wie sind Sie auf „Dolph“gekommen?

Das kam zu der Zeit, als ich in „Rocky IV“mitgespiel­t habe. Ich kam damals frisch nach New York, hatte Unterricht bei einem Schauspiel­lehrer, der für mich auch ein Mentor war. Er war derjenige, der Sylvester Stallone einfach ein Foto von mir im Boxer-Outfit schickte – woraufhin mich Stallone sofort anheuerte. Ich erzählte diesem Lehrer eine Lebensgesc­hichte, wie ich nach Amerika kam und warum ich ein neues Leben anfangen wollte. Ich wollte von vorn anfangen, und das mit einem neuen Namen. Zusammen sind wir dann auf Dolph gekommen.

Sie sprechen sechs Sprachen, machten Ihren Schulabsch­luss mit einer Rekordnote und erhielten mehrere Stipendien, sogar für die Elite-Uni MIT. Warum haben Sie Ihre Karriere als Chemieinge­nieur aufgegeben?

Bevor mein Vater zur Polizei ging, war er Ingenieur. Auch mein älterer Bruder wurde Chemieinge­nieur. Ich habe diesen Beruf nur gewählt, um meinem Vater zu gefallen, zu dem ich ein sehr schwierige­s Verhältnis hatte. Mit den Stipendien konnte ich außerdem nach Amerika und Australien reisen.

Waren die Auslandsst­ipendien also auch ein Vehikel zur Flucht vor zu Hause?

Ja, kann man so sagen. Ich wusste bald, dass ich in meinem Herzen kein Ingenieur bin. Ich war zwar gut darin, aber es hätte mich total unglücklic­h gemacht. Ich hätte ernsthafte Probleme bekommen, weil ich nicht gewusst hätte, wie ich mit dem umgehen sollte, was in mir geheilt werden musste. Ich bin durch das Leben dieser kreativen Welt mit Mediation und Therapie in Berührung gekommen. Im Showgeschä­ft ist es normal, zum Psychologe­n zu gehen. Ob ich das in meinem alten Leben als Ingenieur geschafft hätte, bezweifele ich. Ich hätte mich vorher selbst zerstört.

Meinen Sie mit der „kreativen Welt“auch Ihre Beziehung zu Grace Jones?

Ja, Grace Jones hatte einen großen Einfluss auf mich. Ich traf sie in Australien, dort modelte ich ein bisschen und jobbte neben dem Studium als Türsteher. Ich sah damals gut aus und wurde bei einem von Grace Jones’ Konzerten eingesetzt. Sie kam damals auf mich zu und schleppte mich ab. Wir verliebten uns ineinander und ich zog zu ihr nach New York. Durch sie kam ich ins berühmte Studio 54, wo ich Michael Jackson und Andy Warhol kennenlern­te, all diese Legenden . . .

Und das MIT?

Ich fuhr dort zu Semesterbe­ginn mit einem fetten Motorrad vor und nach drei Wochen war mir klar: Ich wollte kein MIT und vor allem kein Leben als

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„Ich war kein guter Vater,
Zeit vor seiner Therapie.
Lundgren über die schwierige
2.
Getty Images / Dave Hogan Dolph dauernd Affären“: Actionstar trank zu viel und hatte „Ich war kein guter Vater, Zeit vor seiner Therapie. Lundgren über die schwierige 2.

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