Die Presse am Sonntag

»Es könnte ja auch alles schiefgehe­n«

Heute geht Andr`e Schuen sehr gern auf die Bühne hinaus. Das war nicht immer so, sagt der gefragte Bariton. Manchmal habe er auf dem Weg ins Konzert das Gefühl gehabt, zu seiner eigenen Hinrichtun­g zu gehen. Nicht nur mental arbeitet er gern an sich, sond

- VON JUDITH HECHT

...wie Sie sich verhalten, wenn ein Dirigent oder Regisseur herumschre­it?

Heute bin ich so weit, dass es mir entweder wurscht ist und es nicht an meine Substanz geht. Oder aber ich sage: „Das war’s, ich bin weg.“Aber das kam fast nie vor. Solche Leute schreien ja meist – um ein Beispiel zu nennen – mit der ganz jungen Sopranisti­n in der Nebenrolle herum. Das finde ich besonders arg, wenn Menschen, die Macht haben, das notwendig haben. Es werden immer weniger, aber es gibt sie.

...ob Ihnen Rituale im Alltag helfen?

Total, das ist für mich unglaublic­h wichtig. So sehr, dass ich manchmal versuche, dagegen anzukämpfe­n. Ich bin kein Zwangsneur­otiker, aber wenn ich nicht aufpasse, könnte ich es vielleicht werden. Ich schreibe mir am Abend für den nächsten Tag immer einen genauen Plan. Ich halte ihn nicht auf die Minute ein, aber die Struktur hilft mir. Dann habe ich das Gefühl, alles gemacht zu haben, damit alles gut funktionie­ren kann.

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