Die Ve­rän­de­run­gen im Griff be­hal­ten

Der Ve­rän­de­rungs­druck, nicht zu­letzt durch die Di­gi­ta­li­sie­rung, ver­langt nach neu­en Un­ter­neh­mens­kon­zep­ten und Struk­tu­ren. Di­ver­se FH-Lehr­gän­ge lie­fern das not­wen­di­ge Know-how.

Die Presse - - FOKUS - SAMS­TAG, 25. NO­VEM­BER 2017 VON CLAUDIA DABRINGER

Dass se­riö­se und sta­bi­le Un­ter­neh­men in Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten, hat es vor we­ni­gen Jahr­zehn­ten nur sehr sel­ten ge­ge­ben. Heute ist Ve­rän­de­rung ein gro­ßes The­ma, schon al­lein we­gen der Tech­no­lo­gi­sie­rung“, sagt Sa­rah Mei­sen­ber­ger, Lei­te­rin des Mas­ter­stu­di­en­gan­ges Wirt­schafts­be­ra­tung und Un­ter­neh­mens­füh­rung an der FH Wie­ner Neu­stadt. Um auch in stür­mi­schen Zei­ten an Bord blei­ben zu kön­nen, brau­che es vor al­lem kon­zep­tio­nel­le und so­zia­le Kom­pe­ten­zen. „Frü­her lag der Fo­kus auf Fach­ex­per­ti­sen, die­se wer­den heute vor­aus­ge­setzt“, sagt Mei­sen­ber­ger. In vier be­rufs­be­glei­ten­den Se­mes­tern wer­den den Stu­die­ren­den ent­spre­chen­de In­hal­te ge­bo­ten. Sie kön­nen sich da­bei auf Eu­ro­päi­sche Fi­nan­zie­rung und Ri­si­ko­ma­nage­ment, Im­mo­bi­li­en­ma­nage­ment, Per­so­nal-Or­ga­ni­sa­ti­on-Stra­te­gie, Un­ter­neh­mens­pla­nung und Con­trol­ling, Un­ter­neh­mens­rech­nung und Wirt­schafts­prü­fung so­wie Ver­triebs­psy­cho­lo­gie und Mar­ke­ting spe­zia­li­sie­ren.

Die Mit­ar­bei­ter mit­neh­men

Ent­schei­dend bei wirt­schaft­li­chen Ve­rän­de­run­gen sei laut Mei­sen­ber­ger, die Mit­ar­bei­ter mit­zu­neh­men. „Di­ver­si­ty ist auf al­len Ebe­nen ein The­ma, das es frü­her in die­ser Form auch nicht gab.“Füh­rungs­kräf­te von heute müss­ten sich im Kla­ren sein, dass sie es mit ei­nem „gan­zen Ge­fühls­blu­men­strauß“zu tun ha­ben, mit dem sie nur rich­tig um­ge­hen kön­nen, wenn sie ler­nen, die Po­ten­zia­le der Mit­ar­bei­ter zu er­ken­nen.

Gera­de bei Klein- und Mit­tel­be­trie­ben kom­me das häu­fig zu kurz, sagt Mei­sen­ber­ger. Hier funk­tio­nie­re Un­ter­neh­mens­füh­rung meist auf dem Prin­zip „Learning by do­ing“. An der IMC FH Krems wird gera­de für KMUFüh­rungs­kräf­te ei­ne fach­li­che Grund­la­ge ge­bo­ten. „Ei­ne der wich­tigs­ten Auf­ga­ben ist die Mit­ar­bei­ter­füh­rung, die­se wird oft un­ter­schätzt. Vie­len klei­ne­ren Un­ter­neh­men fehlt die Stra­te­gie, dar­über hin­aus man­gelt es an Stra­te­gie­über­prü­fung so­wie an et­wai­gen Kor­rek­tu­ren“, führt Franz Pil­ler aus. Er lei­tet den Ba­che­lor­stu­di­en­gang Un­ter­neh­mens­füh­rung und E-Bu­si­ness-Ma­nage­ment, der in das Mas­ter­an­ge­bot Un­ter­neh­mens­füh­rung für KMU mün­det. Wäh­rend das Grund­stu­di­um BWL, Ma­nage­ment, IT, Soft Skills, Recht und Eng­lisch ver­bin­det, bie­tet der Mas­ter­stu­di­en­gang Know-how zur Füh­rung und Steue­rung von KMU, Un­ter­neh­mens­nach­fol­ge und En­tre­pre­neurship.

We­sent­lich für Un­ter­neh­mer sei es, „die rich­ti­gen Werk­zeu­ge zu wäh­len. Für die Un­ter­neh­mens- füh­rung ist es wich­tig, ana­ly­tisch und kri­tisch zu den­ken, Prio­ri­tä­ten zu set­zen, über den Tel­ler­rand zu schau­en, Mut zu ha­ben, die Kom­fort­zo­ne zu ver­las­sen und not­wen­di­ge Chan­ge-Pro­zes­se um­zu­set­zen“, sagt Pil­ler. Die gro­ße Her­aus­for­de­rung in sei­nen Au­gen: die Or­ga­ni­sa­ti­on an sich än­dern­de Ge­schäfts­mo­del­le an­zu­pas­sen.

Ent­wick­lun­gen im Blick hal­ten

Un­ter­neh­men müss­ten dy­na­misch auf den stän­dig prä­sen­ten Ve­rän­de­rungs­druck re­agie­ren und sich an stän­dig wech­seln­de Um­welt­be­din­gun­gen an­pas­sen. „Für die Un­ter­neh­mens­füh­rung be­deu­tet dies, dass das gro­ße Bild stän­dig im Blick blei­ben muss, um kei­ne Ve­rän­de­run­gen zu ver­pas­sen“, er­läu­tert Ve­ra St­ei­ner, Lei­te­rin der Ba­che­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge Un­ter­neh­mens­füh­rung der FH Wi­en der WKW. Die zwei­jäh­ri­ge, be­rufs­be­glei­ten­de post­gra­dua­le Aus­bil­dung will Stu­die­ren­de auf Füh­rungs­funk­tio­nen im Ma­nage­ment von Un­ter­neh­men vor­be­rei­ten, vor al­lem mit fä­cher­über­grei­fen­den Lehr­ver­an­stal­tun­gen und Pro­jek­ten. Da­durch sol­len sie ler­nen, die Zu­sam­men­hän­ge zwi­schen al­len be­trieb­lich re­le­van­ten Be­rei­chen zu er­ken­nen und auf die­ser Ba­sis ein Un­ter­neh­men oder ei­nen Un­ter­neh­mens­be­reich ak­tiv zu steu­ern.

„Wer wei­ter­hin kom­pe­ti­tiv und nach­hal­tig er­folg­reich sein möch- te, muss be­ste­hen­de Stra­te­gi­en und Ge­schäfts­mo­del­le viel häu­fi­ger und in viel kür­ze­ren Ab­stän­den auf den Prüf­stand stel­len und an­pas­sen“, meint auch Ma­rio Situm, Lei­ter des Ba­che­lor­stu­di­en­gangs Un­ter­neh­mens­füh­rung an der FH Kuf­stein. Die Schwer­punk­te lie­gen in den Be­rei­chen Stra­te­gie, Markt­ori­en­tie­rung und Pro­zes­se, ma­nage­men­tori­en­tier­te Be­triebs­wirt­schafts­leh­re und in­ter­na­tio­na­le Kom­pe­tenz.

Fach­wis­sen und Team­fä­hig­keit

Grund­sätz­lich ge­be es Kom­pe­ten­zen, die KMU und gro­ße Un­ter­neh­men glei­cher­ma­ßen ha­ben soll­ten, näm­lich Ver­ständ­nis für be­triebs­wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­hän­ge, recht­li­ches Wis­sen so­wie in­ter­per­so­nel­le und kom­mu­ni­ka­ti­ve Kom­pe­ten­zen. „Die­se The­men­be­rei­che müs­sen in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den kön­nen, um Pro­blem­stel­lun­gen aus der be­trieb­li­chen Pra­xis zu lö­sen. Ne­ben der in­di­vi­du­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit stellt auch die Team­fä­hig­keit ei­nen we­sent­li­chen Er­folgs­fak­tor dar. In­so­fern wer­den Skills der Wirt­schafts- und Or­ga­ni­sa­ti­ons­psy­cho­lo­gie an Be­deu­tung ge­win­nen“, sagt der Ex­per­te.

[ Fo­to­lia/Af­ri­ca Stu­dio ]

Auf Neue­run­gen re­agie­ren und da­bei die Mit­ar­bei­ter in­for­mie­ren sind we­sent­li­che Er­folgs­re­zep­te in Zei­ten des Wan­dels.

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