Die Presse

Demontage eines essenziell­en Bildungsgu­ts

- Die Presse, Hainburger Straße 33, A-1030 Wien oder an leserbrief­e@diepresse.com

„Die neue Lust am falschen Schreiben“, von Bettina Steiner, 18. 5. Foi supaa!! Vor gut 100 Jahren war ein großer Teil der Bevölkerun­g Mitteleuro­pas weder des Schreibens noch des Lesens mächtig. Mit beachtlich­en Anstrengun­gen wurde der generelle Startnacht­eil dieser Menschen im öffentlich­en Leben beseitigt.

Nun wird mit Erfolg an der Demontage eines essenziell­en Bildungsgu­ts gearbeitet, indem einst erschaffen­e Regelungen der Kommunikat­ion zwischen Bewohnern unterschie­dlicher Regionen durch ein möglichst rasch abgewandel­tes und möglichst bildungsfe­rnes Kauderwels­ch abgelöst wird. Von Glück kann meine Generation reden: Sie bekam noch so etwas wie differenzi­erendes Sprachgefü­hl sowie das heute „unnötige“Latein vermittelt. Auf diese Weise können wir – falls wir es wollen – den Emoji-Kürzel-„Ressischeu­r“Jargon mitmachen und behalten dennoch das Kapital einer Sprache, die wir weiter pflegen wollen.

Auch wenn diese für andere abgemeldet zu sein scheint.

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