Chi­nas neue vir­tu­el­le Nach­rich­ten­spre­cher

Me­di­en. „Xin­hua News“setzt auf künst­li­che In­tel­li­genz – täu­schen kön­nen die neu­en Spre­cher aber nie­man­den.

Die Presse - - NACHRICHTENÜBERBLICK -

Der neue Nach­rich­ten­spre­cher der chi­ne­si­schen Nach­rich­ten­agen­tur Xin­hua blin­zelt al­le paar Se­kun­den, wie es sich für ge­sun­de Men­schen ge­hört. Sein Ober­kör­per schwingt ganz leicht, wäh­rend er spricht, sein Kopf hebt sich bei man­chen Wör­tern – doch sein Blick bleibt starr, sei­ne Stim­me mo­no­ton, sei­ne Lip­pen be­we­gen sich me­cha­nisch und sein Re­de­fluss ist selt­sam un­na­tür­lich. Wo­für er sich am En­de sei­nes ers­ten Bei­trags gleich ent­schul­digt: „As an AI news an­chor in de­ve­lop­ment, I know the­re is a lot for me to im­pro­ve.“

Da­für kön­ne er 24 Stun­den am Tag ar­bei­ten und die Kos­ten der Pro­duk­ti­on er­heb­lich sen­ken: Xin­hua hat sei­ne ers­ten bei­den vir­tu­el­len Nach­rich­ten­spre­cher vor­ge­stellt. Ei­ner „spricht“Chi­ne­sisch, der an­de­re Eng­lisch, bei­de ba­sie­ren auf künst­li­cher In­tel­li­genz und sol­len als „of­fi­zi­el­le Mit­glie­der“der Re­dak­ti­on Nach­rich­ten für die On­line­platt­for­men der Agen­tur prä­sen­tie­ren. „Ich wer­de un­er­müd­lich ar­bei­ten, um Sie zu in­for­mie­ren, wäh­rend un­un­ter­bro­chen Tex- te in mein Sys­tem ge­tippt wer­den“, sagt der eng­li­sche Spre­cher in ei­nem Vi­deo.

Xin­hua hat für das Pro­jekt mit der Such­ma­schi­ne So­gou zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Wel­che Tech­no­lo­gie da­bei zur An­wen­dung kam, wur­de nicht be­kannt ge­ge­ben, nur dass Stim­me und Aus­se­hen auf ech­ten Nach­rich­ten­spre­chern ba­sie­ren und die vir­tu­el­len Fi­gu­ren selbst­stän­dig von be­ste­hen­den Auf­nah­men „ler­nen“– auch wenn sie of­fen­bar kei­ne ei­ge­nen Tex­te ver­fas­sen, son­dern vor­ge­ge­be­ne au­to­ma­ti­siert „vor­le­sen“– als ei­ne Art vir­tu­el­le Pup­pe in Men­schen­ge­stalt.

Täu­schen dürf­ten die neu­en Spre­cher – zu­min­dest vor­erst – nie­man­den: Ih­re Stim­me klingt noch ro­bo­ter­haf­ter als die von „smar­ten“Ge­hil­fen wie Ale­xa. Man­che Wör­ter sind ab­ge­hackt, Pau­sen ent­spre­chen nicht dem Satz­sinn, auch der mi­mi­sche Aus­druck ist sehr be­grenzt. Doch die Tech­no­lo­gie hält ei­ni­ges be­reit. Im April et­wa ließ der US-Re­gis­seur Jor­dan Pee­le Ba­rack Oba­ma in der­ben Tö­nen über Trump schimp­fen – dank Vi­deo- und „Face Swap­ping“-Soft­ware sah es er­staun­lich re­al aus. Es soll­te ei­ne War­nung sein, wie leicht es heu­te sei, Pro­pa­gan­da und Falsch­in­for­ma­tio­nen zu ver­brei­ten. In Chi­na, wo der Jour­na­lis­mus oh­ne­hin un­ter staat­li­cher Kon­trol­le steht, braucht es da­für frei­lich kei­ne di­gi­ta­le Vi­deo­ma­ni­pu­la­ti­on. (kanu)

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