Die Macht der und ih­rer Fürs­ten

Ein Ve­to der Lan­des­chefs wirkt auf den Bund wie ein Stopp­schild.

Die Presse - - INLAND -

Lan­des­fürst, Lan­des­kai­ser oder Lan­des­va­ter: Schon die Na­men, mit de­nen sie ge­schmückt wer­den, zeu­gen von ih­rer Macht. Kein Ös­ter­rei­cher wür­de Bun­des­prä­si­dent oder Bun­des­kanz­ler so nen­nen. Mit die­sen Wor­ten wer­den die neun Lan­des­haupt­leu­te be­schrie­ben.

Die do­mi­nan­te Rol­le, die die Län­der und ih­re Chefs ein­neh­men, hat ih­re Wur­zeln nur be­dingt in der Bun­des­ver­fas- sung. Frei­lich ist dort schon in Ar­ti­kel zwei die bun­des­staat­li­che Struk­tur mit „selbst­stän­di­gen Län­dern“fest­ge­schrie­ben. Doch erst re­al­po­li­tisch ha­ben Län­der und Lan­des­haupt­leu­te ih­re gan­ze Macht ent­fal­tet – bei bud­get­tech­ni­schen, in­halt­li­chen und so­gar per­so­nel­len Ent­schei­dun­gen in­ner­halb der Par­tei­en. Sie zo­gen die Fä­den.

Ein Ve­to der Lan­des­haupt­leu­te­kon­fe­renz, dem in den 1960er-Jah­ren ent­stan­de­nen und mitt­ler­wei­le mäch­tigs­ten Mit­tel der Bun­des­län­der, ist für die Bun­des­re­gie­rung meist wie ein Stopp­schild. Die­sen Kampf wird man nicht ge­win­nen. Das hat sich auch un­ter der Ägi­de der neu­en Lan­des­haupt­leu­t­ege­ne­ra­ti­on (noch) nicht we­sent­lich ge­än­dert.

Die Le­gi­ti­ma­ti­on zie­hen die Län­der auch aus ei­ner gro­ßen Zu­stim­mung der Be­völ­ke­rung. Man iden­ti­fi­ziert sich mit dem ei­ge­nen Bun­des­land und ist Ti­ro­ler, Kärnt­ner oder Ober­ös­ter­rei­cher. Wäh­rend der Bund die Steu­ern ein­hebt, kön­nen es die Län­der ver­tei­len, das lässt sie sym­pa­thi­scher er­schei­nen. Ge­ne­rell, so das Ar­gu­ment der Lan­des­haupt­leu­te, sei man nä­her beim Bür­ger. Des­halb tref­fe man bes­se­re Ent­schei­dun­gen. Die ge­for­der­ten Ver­län­de­run­gen (wie et­wa je­ne der Leh­rer) hät­ten nichts, wie einst ein Lan­des­chef sag­te, mit „Macht­geil­heit“zu tun. (j. n.)

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