In wel­che Rich­tung geht die CDU?

Er ver­kör­pert ei­ne CDU, wie sie frü­her ein­mal war. Das könn­te Fried­rich Merz zum Mann der Zu­kunft ma­chen: Er setzt heu­te auf die Par­tei­kon­ser­va­ti­ven.

Die Presse - - VORDERSEITE - Von un­se­rer Kor­re­spon­den­tin IRIS BONAVIDA

Merz? Kramp-Kar­ren­bau­er? Spahn? Heu­te wird der neue Chef der CDU ge­wählt.

Bei zwei The­men hat sich Fried­rich Merz mitt­ler­wei­le be­son­ders ak­ku­ra­te Ant­wor­ten zu­recht­ge­legt: Wird er nach An­ge­la Mer­kel ge­fragt, die ihn 2002 von der Spit­ze der Uni­ons­frak­ti­on ver­drängt hat, setzt er ein ent­spann­tes Lä­cheln auf. Ach, das sei da­mals nicht so glück­lich ge­lau­fen, sagt er dann. „Aber ge­schenkt!“Ist es na­tür­lich nicht. Merz hat­te noch Plä­ne in der Po­li­tik, und er hat sie heu­te noch: Beim Bun­des­par­tei­tag in Ham­burg kan­di­diert er für den CDUVor­sitz. Zehn Jah­re nach sei­nem Rück­zug aus der ak­ti­ven Po­li­tik.

Spricht man ihn auf die Zeit da­zwi­schen an, drückt sich Merz auch vor­sich­tig aus: Der 63-jäh­ri­ge West­fa­le war als Wirt­schafts­an­walt und Auf­sichts­rat tä­tig. Dass ei­ni­ge Un­ter­neh­men im Ver­dacht ste­hen, zu­min­dest steu­er­scho­nen­de Ge­schäf­te ge­macht zu ha­ben, be­strei­tet Merz ve­he­ment. „In al­ler Deut­lich­keit“stel­le er klar, sol­che Tricks strikt ab­zu­leh­nen.

Sei­ne Dis­tanz zur Kanz­le­rin, die Kar­rie in der Pri­vat­wirt­schaft: Das sind Merz’ Stär­ken und Schwä­chen zu­gleich. Die CDU, 18 Jah­re lang von Mer­kel an­ge­führt, sehnt sich nach Auf­bruch. Vie­le be­kla­gen ei­ne So­zi­al­de­mo­kra­ti­sie­rung der Par­tei. Merz ist für sie die idea­le Wahl: Er ist wirt­schafts­li­be­ral, un­ter­neh­mer­freund­lich und wert­kon­ser­va­tiv. Man­che Christ­de­mo­kra­ten wün­schen sich für die Zu­kunft ei­ne Par­tei, die sich stär­ker dar­auf be­sinnt, was sie frü­her ein­mal war. Merz’ For­de­run­gen nach ei­ner Steu­er­re­form oder Ak­ti­en­käu­fe zur Al­ters­vor­sor­ge zie­len auch dar­auf ab. Mit FDP und Grü­ne könn­te er mit Si­cher­heit bes­ser als mit dem Ko­ali­ti­ons­part­ner SPD.

Die CDU wünscht sich ei­ne Eman­zi­pa­ti­on von Mer­kel, aber kei­nen völ­li­gen Bruch: Die De­le­gier­ten beim Par­tei­tag, meist Funk­ti­ons­trä­ger, könn­ten bei Neu­wah­len ih­ren Job ver­lie­ren. Merz ver­sucht, sei­ne Par­tei al­so da­von zu über­zeu­gen, mit Mer­kel zu­sam­men­ar­bei­ten zu wol­len. Nicht für je­den ist das glaub­haft, und das Image des Rach­süch­ti­gen macht Merz nicht un­be­dingt sym­pa­thisch. Mit sei­nen Be­liebt­heits­wer­ten hat Merz oh­ne­hin zu kämp­fen. Da wä­re die Sa­che mit sei­nem Lap­top, den einst Ob­dach­lo­se fan­den – und als Fin­der­lohn Merz’ neu­es Buch er­hiel­ten. Dass er zu­nächst nicht zu­ge­ben woll­te, Mil­lio­när zu sein, und sich zur „obe­ren Mit­tel­schicht“zähl­te, half sei­ner Au­ßen­wir­kung auch nicht.

Merz ist all­ge­mein ein her­vor­ra­gen­der Rhe­to­ri­ker, auch da­her hat er aus sei­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­feh­lern schnell ge­lernt. Gut mög­lich al­so, dass er beim Par­tei­tag über­zeugt, nicht nur ein Mann der Ver­gan­gen­heit zu sein.

[ Kay Niet­feld / dpa / pic­tu­re­desk ]

Der 63-jäh­ri­ge Wirt­schafts­an­walt Fried­rich Merz oder die 56-jäh­ri­ge Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er? Beim CDU-Par­tei­tag am Frei­tag wird mit ei­ner Stich­wahl ge­rech­net.

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