„Es geht um Chi­na und Russ­land“

USA. Für den Chef der Spe­zi­al­ein­heit der US Air Force, Brad­ley Webb, stand jah­re­lang der Kampf ge­gen den Ter­ror im Vor­der­grund. Nun kon­zen­triert sich das mäch­tigs­te Mi­li­tär der Welt auf den neu­en Wett­kampf der Su­per­mäch­te.

Die Presse - - AUSLAND - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten STE­FAN RIECHER (NEW YORK)

Die Pres­se: Wo­rin be­steht ak­tu­ell die größ­te Si­cher­heits­be­dro­hung für die USA? Brad­ley Webb: Un­se­re Na­tio­na­le Si­cher­heits­stra­te­gie ist ein­deu­tig: Wir se­hen die Rück­kehr ei­ner Ära, in der die Groß­mäch­te ver­stärkt im Wett­kampf ste­hen. Dar­auf fo­kus­sie­ren wir uns als Na­ti­on, ent­spre­chend pas­sen wir auch bei der Air Force und den Spe­zi­al­kom­man­dos un­se­re Stra­te­gie an.

Al­so ist der Streit mit Chi­na und Russ­land um die Vor­macht­stel­lung obers­te Prio­ri­tät? Ja, es geht um Chi­na und Russ­land. Wo­bei ich be­to­nen möch­te, dass es sich um kei­nen Krieg, son­dern um ei­nen Wett­kampf han­delt. Wir ha­ben uns jah­re­lang auf den Krieg ge­gen den Ter­ror spe­zia­li­siert. Nun ist der Wett­kampf mit den an­de­ren Su­per­mäch­ten für uns wich­ti­ger ge­wor­den.

Und was wird aus dem Kampf ge­gen den Ter­ror, ge­gen al-Qai­da und den IS? Die gro­ße Her­aus­for­de­rung für uns be­steht dar­in, „all-in“in die-

1984 trat er der Air Force bei, als He­li­ko­pter­pi­lot kämpf­te er u. a. im Irak und in Af­gha­nis­tan. Bei der Tö­tung Osa­ma bin La­dens 2011 war er fe­der­füh­rend. Webb be­feh­ligt 20.000 Per­so­nen. sem Be­reich zu blei­ben, aber gleich­zei­tig die neue Prio­ri­tät un­se­rer na­tio­na­len Si­cher­heits­stra­te­gie zu be­rück­sich­ti­gen. Wir ha­ben bei­spiels­wei­se un­se­re Prä­senz im Irak und in Sy­ri­en von 2014 an ver­stärkt, das tun wir nun nicht mehr.

Wie po­si­tio­nie­ren Sie Ih­re Flug­zeu­ge und Ein­satz­teams geo­gra­fisch an­ders? In mei­nem Job geht es im­mer dar­um, auf al­les vor­be­rei­tet zu sein. Wenn nö­tig, müs­sen wir in kür­zes­ter Zeit mög­lichst ef­fek­tiv zu­schla­gen kön­nen. Ich kann nicht zu vie­le De­tails nen­nen, aber wir ha­ben bei­spiels­wei­se die Übun­gen mit un­se­ren Part­nern in der Na­to, et­wa in Ost­eu­ro­pa, in­ten­si­viert. Ge­ra­de im Streit mit an­de­ren Su­per­mäch­ten müs­sen wir ver­stärkt auf Part­ner­schaf­ten set­zen, das macht uns glo­bal noch schlag­kräf­ti­ger. Wie dra­ma­tisch ist die Be­dro­hung durch Chi­na und Russ­land? Wir müs­sen vor­sich­tig sein, gleich­zei­tig aber, wenn nö­tig, in kür­zes­ter Zeit mit töd­li­cher Ge­walt zu­schla­gen kön­nen. Der ab­ge­än­der­te Fo­kus un­se­rer Si­cher­heits­stra­te­gie ist schlicht und ein­fach ei­ne Vor­sichts­maß­nah­me. Wir sind all­zeit be­reit für al­le Even­tua­li­tä­ten.

Der Wett­kampf mit Russ­land spielt ja doch vor al­lem in Sy­ri­en ei­ne be­son­ders gro­ße Rol­le, wo Wa­shing­ton und Mos­kau sehr un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen ver­tre­ten. Sy­ri­en ist ein gu­tes Bei­spiel, wie der Wett­kampf statt­fin­den kann, oh­ne ei­ne Es­ka­la­ti­on aus­zu­lö­sen. Wir füh­ren kei­nen Krieg mit Russ­land. Wir kom­mu­ni­zie­ren stän­dig. Das ist ei­ne Her­aus­for­de­rung, weil wir oft­mals un­ter­schied­li­che Zie­le ver­fol­gen.

Wie kann man sich die­se Kom­mu­ni­ka­ti­on, et­wa im Zu­ge der US-Bom­bar­de­ments im April, vor­stel­len? Das pas­siert auf sehr ho­her Ebe­ne, da ko­or­di­nie­ren sich in der Re­gel die rang­höchs­ten Mi­li­tärs. Da geht es um sehr viel, mehr kann ich da­zu aber nicht ver­ra­ten.

Es gibt Be­rich­te, wo­nach die USA im Vor­jahr über­legt ha­ben, Son­der­ein­satz­kräf­te nach Nord­ko­rea zu schi­cken, um Kim Jong-un zu tö­ten. War das ei­ne Op­ti­on? Mein Job ist es, mei­ne Son­der­ein­hei­ten für al­le Even­tua­li­tä­ten aus­zu­bil­den und be­reit­zu­stel­len. Ich wer­de hier nicht über Op­tio­nen spe­ku­lie­ren. Je­den­falls ist Nord­ko­rea Teil un­se­res neu­en Fo­kus auf den Wett­kampf der Su­per­mäch­te.

De­fi­nie­ren Sie Nord­ko­rea et­wa als Su­per­macht? Nein. Aber wenn wir Nord­ko­rea nicht mit Be­dacht adres­sie­ren, könn­te es zu Kon­flik­ten mit ei­ner an­de­ren Su­per­macht füh­ren.

Sie spre­chen die Rol­le Chi­nas an? Ja.

Für Prä­si­dent Trump spielt das Mi­li­tär ei­ne wich­ti­ge Rol­le, er hat das Bud­get maß­geb­lich er­höht. Steht die Air Force un­ter ihm bes­ser da? In ei­ne po­li­ti­sche Dis­kus­si­on mi­sche ich mich nicht ein. Nur so viel: Wir sind all­zeit be­reit, und wir kön­nen, wenn nö­tig, blitz­schnell, ef­fek­tiv und töd­lich ar­bei­ten.

Seit 2011 kennt die gan­ze Welt Ihr Ge­sicht, Sie ko­or­di­nier­ten die Tö­tung Osa­ma bin La­dens und sa­ßen im Si­tua­ti­on Room ne­ben Ba­rack Oba­ma – das Fo­to ging um die Welt. Wie ha­ben Sie die­sen Tag in Er­in­ne­rung? Ich bin sehr stolz dar­auf. An die­sem Tag ha­ben wir ge­zeigt, was wir kön­nen. Ich wuss­te nicht ein­mal, dass ein Fo­to­graf im Raum war, und ha­be nichts von dem Fo­to mit­be­kom­men, weil ich na­tür­lich äu­ßerst kon­zen­triert war. Aber klar, seit da­mals ste­he ich mehr im Ram­pen­licht. Wir ha­ben auch die Si­cher­heits­vor­keh­run­gen für mei­ne Fa­mi­lie ver­stärkt.

Noch ein Wort zur von Trump an­ge­dach­ten Welt­raum­trup­pe, der Space Force: Ei­ne gu­te Idee? Das ist ein wich­ti­ger Be­reich, die Air Force ist schon jetzt stark in­vol­viert. Der Welt­raum wird in der Zu­kunft für uns un­glaub­lich wich­tig sein. Des­halb müs­sen wir schon jetzt die ent­spre­chen­den Schrit­te set­zen.

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