Mit we­nig Spe­sen zu grü­nen Ren­di­ten

Öko­lo­gie. Im­mer mehr An­le­ger wol­len sich am Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del be­tei­li­gen, an den Bör­sen buh­len des­halb ver­mehrt In­dex­fonds um de­ren Gunst.

Die Presse - - FINANZEN: ALLES FÜR DEN ANLEGER - VON RAJA KORINEK

Wirt­schaf­ten um je­den Preis kann lang­fris­tig teu­er wer­den, vor al­lem dann, wenn die Um­welt da­bei auf der Stre­cke bleibt. Die Wet­ter­ex­tre­me dürf­ten noch zu­neh­men, fürch­ten Ex­per­ten. Auf der Kli­ma­kon­fe­renz, die der­zeit im pol­ni­schen Ka­to­wice statt­fin­det, wird des­halb fie­ber­haft um Lö­sun­gen ge­run­gen.

Auch im­mer mehr An­le­ger wol­len nicht ta­ten­los zu­se­hen, son­dern mit ih­ren In­vest­ment­ent­schei­dun­gen zum Kli­ma­schutz bei­tra­gen. Für sie gibt es in­zwi­schen ei­ne Viel­zahl an Pro­duk­ten mit dem An­spruch, öko­lo­gi­sche oder ganz ge­ne­rell „nach­hal­ti­ge“Kri­te­ri­en zu er­fül­len. Auch bör­sen­ge­han­del­te In­dex­fonds, so­ge­nann­te ETFs (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds), zäh­len da­zu. Sie bil­den In­di­zes mög­lichst ge­nau ab, oh­ne dass Fonds­ma­na­ger – teils recht kost­spie­li­ge – ak­ti­ve Ent­schei­dun­gen tref­fen. Des­halb punk­ten sie mit güns­ti­gen Spe­sen, wie Claus He­cher, ETF-Lei­ter bei BNP Pa­ri­bas As­set Ma­nage­ment, her­vor­hebt.

Doch es gibt noch wei­te­re Vor­tei­le. Ge­ra­de bei der Nach­hal­tig­keit wen­den vie­le ak­ti­ve Fonds­ma­na­ger haus­ei­ge­ne Kri­te­ri­en bei der Ti­tel­aus­wahl an. Da sind die Spiel­re­geln bei ETFs trans­pa­ren­ter. Bei den zu­grun­de lie­gen­den In­di­zes gibt es kla­re Vor­ga­ben für die Zu­sam­men­set­zung, die für An­le­ger leicht nach­zu­le­sen sind.

Auch die Ti­tel­s­e­lek­ti­on sei bei ei­ner In­dex­ab­bil­dung gut nach­voll­zieh­bar, be­tont Dag Ro­de­wald, Lei­ter UBS ETF Deutsch­land und Ös­ter­reich. Bei ak­ti­ven Fonds wer­den hin­ge­gen oft nur we­ni­ge Ti­tel aus den Port­fo­li­os ver­öf­fent­licht.

Be­son­ders oft grei­fen ETF-An­bie­ter auf In­di­zes vom In­dex­an­bie­ter MSCI zu. Die Ana­lys­ten hät­ten sich dort be­son­ders be­währt, fin­det Ro­de­wald und bringt ein Bei­spiel: Die MSCI-Ana­lys­ten war­fen et­wa die VW-Ak­tie schon vor dem Ab­gas­skan­dal aus den Nach­hal­tig­keits­in­di­zes. Frei­lich nicht, weil sie die­ses Er­eig­nis be­reits er­ahn­ten, son­dern weil ih­nen die Qu­er­ver- flech­tun­gen mit der Por­sche-Hol­ding nicht pass­ten. Ein Bei­spiel ist der MSCI World ESG Scree­ned In­dex, der Un­ter­neh­men aus 23 ent­wi­ckel­ten Län­dern um­fasst. ESG ist die Ab­kür­zung der eng­li­schen Be­zeich­nung für Um­welt, So­zia­les und nach­hal­ti­ge Un­ter­neh­mens­kul­tur. Aus­ge­schlos­sen wer­den hier et­wa Waf­fen-, Ta­bak- oder Koh­le­pro­du­zen­ten. An­ders als Un­ter­neh­men wie et­wa App­le, Mi­cro­soft oder Ama­zon – die­se zäh­len so­gar zu den größ­ten Ind­ex­po­si­tio­nen.

Dem Kampf ge­gen Treib­haus­ga­se wid­met sich BNP Pa­ri­bas AM mit dem Low Car­bon 100 Eu­ro­pe UCITS ETF. Um die da­für fest­ge­leg­ten Aus­schluss­kri­te­ri­en zu meis­tern, soll­ten Un­ter­neh­men vor al­lem ei­nen mög­lichst ge­rin­gen CO2-Aus­stoß ver­ur­sa­chen.

Auch ins­ge­samt steht die Um­welt­po­li­tik der Fir­men im Fo­kus, selbst in we­ni­ger nach­hal­ti­gen Bran­chen, die nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen sind. Ne­ben rei­nen ÖkoAk­ti­en, wie Ves­tas Wind Sys­tems, ent­hält der In­dex auch Ti­tel wie Re­nault, To­tal oder Adi­das.

Um­welt­freund­lich in­ves­tie­ren kann man aber auch im Ren­ten­be­reich. Vor we­ni­gen Wo­chen wur­de der UBS Sustainable De­ve­lop­ment Bank Bonds ETF lan­ciert. Der zu­grun­de lie­gen­de In­dex setzt sich aus Dol­lar­an­lei­hen von Ent­wick­lungs­ban­ken zu­sam­men, wie et­wa der Welt­bank oder der Eu­ro­päi­schen Bank für Wie­der­auf­bau und Ent­wick­lung. Schwer­punkt der Mit­tel­ver­wen­dung liegt auf In­fra­struk­tur- und Um­welt­pro­jek­ten in Ent­wick­lungs­län­dern.

Ein Wäh­rungs­ri­si­ko ist beim Amun­di In­dex Bar­clays Eu­ro Ag­gre­ga­te Cor­po­ra­tes SRI ETF aus­ge­schlos­sen, ge­nau­so wie Emit­ten­ten, die et­wa im Ge­schäft mit Al­ko­hol, Ta­bak, dem Glücks­spiel oder ge­ne­tisch mo­di­fi­zier­ten Or­ga­nis­men tä­tig sind. Ban­ken und eu­ro­päi­sche Te­le­kom­fir­men wer­den hin­ge­gen hoch ge­wich­tet.

ETFs sind ei­ne in­ter­es­san­te Al­ter­na­ti­ve zu ak­tiv ge­ma­nag­ten Fonds. An­le­ger müs­sen aber selbst ent­schei­den, wo­mit sie – und ihr Ge­wis­sen – sich wohl­füh­len. Und sich klar dar­über sein, dass auch „grü­ne“In­vest­ments kräf­tig schwan­ken kön­nen.

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