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Die Presse - - SPORT -

Die Zu­kunft des Mo­tor­sports, sie wird ei­nes Ta­ges oh­ne röh­ren­de Ben­zin­mo­to­ren ge­schrie­ben wer­den. Ei­nen Vor­ge­schmack dar­auf lie­fert die For­mel E be­reits jetzt: Scho­nend für fos­si­le Res­sour­cen, aber auch für Oh­ren und Na­se, star­tet sie am nächs­ten Sams­tag in ih­re fünf­te Sai­son. Im Ge­gen­satz zum Mil­lio­nen­spiel in an­de­ren Klas­sen hat sich die Renn­se­rie nicht al­ten Tra­di­tio­nen, son­dern dem tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt ver­schrie­ben: Sie ver­steht sich als in­no­va­ti­ver Weg­be­rei­ter für die Au­to­mo­bil­bran­che. Des­halb war­ten für die Sai­son 2018/19 so­wohl die Elek­tro­au­tos als auch das Renn­for­mat mit ent­schei­den­den Neue­run­gen auf.

Die au­gen­schein­lichs­te Ve­rän­de­rung ist das Äu­ße­re der Bo­li­den. Nach vier Jah­ren hat Spark Ra­c­ing Tech­no­lo­gy das Chas­sis ei­nem Rund­um­lif­ting un­ter­zo­gen. Das we­sent­lich schnit­ti­ge­re De­sign kommt oh­ne Heck­flü­gel aus, da­für ist der Ha­lo-Bü­gel in­te­griert. Die Au­tos die­ser zwei­ten Ge­ne­ra­ti­on sind 250 kW (340 PS) stark und be­schleu­ni­gen in 2,8 Se­kun­den von null auf hun­dert, der größ­te Fort­schritt aber steckt in der neu­en Bat­te­rie von McLa­ren. Die Ka­pa­zi­tät der Li­thi­um-Io­nen-Zel­len wur­de auf 54 kWh fast ver­dop­pelt, wo­durch der bis­lang ob­li­ga­to­ri­sche Au­to­wech­sel zur Renn­mit­te ent­fällt.

„Ma­rio Kart“in Echt. War es schon bis­her die gro­ße Kunst, mit der Bat­te­rie durch Ver­brauch und Brems­rück­ge­win­nung haus­zu­hal­ten, kom­men heu­er wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen hin­zu. Die Ren­nen dau­ern künf­tig 45 Mi­nu­ten plus ei­ne Run­de, der Ener­gie­plan muss al­so dem Tem­po des Füh­ren­den an­ge­passt wer­den, mög­li­che Sa­fe­ty-Car-Pha­sen könn­ten dies er­schwe­ren. Zwei wei­te­re Fea­tures las­sen nost­al­gi­sche Er­in­ne­run­gen an das Vi­deo­spiel „Ma­rio Kart“hoch­le­ben. Künf­tig wer­den auf den Strecken so­ge­nann­te „at­tack zo­nes“ein­ge­rich­tet, in de­nen die Pi­lo­ten ab­seits der Ide­al­li­nie drei Kon­troll­punk­te ab­fah­ren müs­sen, um ein Po­wer­up­grade der re­gu­lä­ren 200 auf 225 kW frei- zu­schal­ten. Die Durch­fahrt ist ver­pflich­tend, es gilt al­so den Um­weg (im Fern­se­hen farb­lich mar­kiert) eben­so ein­zu­be­rech­nen wie den Ex­tra-Speed für gut zwei Run­den. Zu­dem wer­den wei­ter­hin via On­li­ne-Vo­ting an fünf (bis­her drei) Fah­rer bis zu zehn Se­kun­den lan­ge Fan-Boosts von 250 kW ver­ge­ben. Die LED-Lich­ter auf dem Ha­lo zei­gen den je­wei­li­gen Mo­dus an: Blau für An­griff, Ma­gen­ta für Fan-Boost.

Den Fein­schliff für die neue Sai­son hol­ten sich die 22 Fah­rer mit ih­ren Teams bei den Test­ta­gen in Va­len­cia. Wer den Klang von F1-Bo­li­den oder Mo­toGP-Ma­schi­nen kennt, fragt sich noch bei der An­kunft an der Renn­stre­cke, ob Be­trieb herrscht. Mit sint­flut­ar­ti­gem Re­gen hat­te in Spa­ni­en nie­mand ge­rech­net, wes­halb die Gen2Bo­li­den erst ver­spä­tet auf die Stre­cke gin­gen. Das un­ver­kenn­ba­re Sur­ren der Elek­tro­au­tos ist nur 80 De­zi­bel laut (F1 120) und lässt Ge­sprä­che der Zu­schau­er in nor­ma­lem Ton­fall zu. Die Er­kennt­nis­se auf dem Rund­kurs sind je­doch nur be­dingt auf die Ren­nen zu über­tra­gen, denn die­se wer­den mit Aus­nah­me von Me­xi­ko in Städ­ten ge­fah­ren. „Die DNA der For­mel E sind Stra­ßen­ren­nen“, be­ton­te Je­an-Eric Ver­g­ne, der im Vor­jahr über­ra­schend mit dem chi­ne­si­schen Te­chee­tah-Kun­den­team den Ti­tel ge­wann. Pri­vat ist der Fran­zo­se noch nicht elek­trisch un­ter­wegs. „We­der Lon­don noch Pa­ris ist be­reit für E-Au­tos.“

Zwölf Sta­tio­nen in­klu­si­ve zwei­tä­gi­gen Fi­na­les in New York um­fasst das Pro­gramm bis Mit­te Ju­li, zum ers­ten Mal prä­miert die Voe­st­al­pi­ne den Meis­ter der fünf Eu­ro­pa­ren­nen. Der Auf­takt am Sams­tag er­folgt erst­mals in Ri­ad, ein Test­tag am Sonn­tag mit sie­ben Pi­lo­tin­nen, dar­un­ter die F1-tes­ter­fah­re­nen Ta­tia­na Cal­de­ron´ oder Car­men Jor­da,´ soll wohl auch Kri­ti­ker be­sänf­ti­gen. Denn das Ren­nen in Sau­di­ara­bi­en ist um­strit­ten, passt es doch nicht zum mo­der­nen Image, dem sich die For­mel E ver­schrie­ben hat. „Das Wet­ter wird gut sein, mehr sa­ge ich da­zu nicht“, mein­te Ver­g­ne. Sonst sieht der eins­ti­ge To­ro-Ros­so-Pi­lot die Renn­se­rie „auf dem rich­ti­gen Weg“und schließt ei­ne Rück­kehr in die Ben­zin­kö­nigs­klas­se aus. „Dort hät­te ich kei­ne Zu­kunft. In der For­mel E kann ich um den Ti­tel mit­fah­ren und mich gleich­zei­tig ge­gen den Kli­ma­wan­del en­ga­gie­ren.“

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