1948

Die Presse - - GESCHICHTE -

Fast war es zu spät ge­we­sen. Es ging um ein Zeit­fens­ter, das 1948 ge­ra­de noch of­fen war. Die Chan­ce für ei­nen mensch­heits­ver­ei­ni­gen­den Akt war da, muss­te aber schnell ge­nützt wer­den. Das von Miss­trau­en ver­gif­te­te Kli­ma im bi­po­la­ren Mäch­te­sys­tem war be­reits be­droh­lich, die Blo­cka­de Ber­lins be­gann ge­ra­de, doch die hei­ße Pha­se des Ost-West-Kon­flikts war noch nicht er­reicht. Noch saß der Schock über die Ver­bre­chen des Kriegs tief, das muss­te man nut­zen für ei­nen ethi­schen Auf­bruch.

Nur ein paar Mo­na­te lag die Be­frei­ung von Au­schwitz zu­rück, da hat­te man 1945 die Char­ta der Ver­ein­ten Na­tio­nen un­ter­zeich­net. Doch die Grün­dung der UNO konn­te nur ei­ne Re­ak­ti­on, nicht die Ant­wort auf den Ho­lo­caust sein. Die­se sah man in der Ent­ste­hung ei­ner mo­der­nen Men­schen­rechts­ord­nung. Der Ge­dan­ke da­hin­ter war fol­gen­der: Hät­te der Krieg nicht doch ver­hin­dert wer­den kön­nen, wenn es zur Zeit des Völ­ker­bunds ei­nen wirk­sa­men Men­schen­rechts­schutz ge­ge­ben hät­te?

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