BVT: Haupt­be­las­tungs­zeu­gen im Vi­sier der Jus­tiz

Ver­fas­sungs­schutz. Zeu­gin P. will die Ein­la­dung in den U-Aus­schuss nicht an­neh­men – sie könn­te vor­ge­führt wer­den. Ex-Ab­tei­lungs­lei­ter W. sprach von il­le­ga­ler Da­ten­samm­lung – er wird be­schul­digt, selbst Der­ar­ti­ges an­ge­ord­net zu ha­ben.

Die Presse - - INLAND - VON AN­NA THALHAMMER

Vor ei­nem Jahr wa­ren es die Aus­sa­gen von vier Haupt­be­las­tungs­zeu­gen, die schließ­lich zur Haus­durch­su­chung im Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung (BVT) ge­führt hat­ten. Das sag­te die füh­ren­de Staats­an­wäl­tin, Ur­su­la Schmu­der­may­er, im par­la­men­ta­ri­schen Un­ter­su­chungs­aus­schuss aus.

Die­se Haupt­be­las­tungs­zeu­gen ge­ra­ten nun selbst un­ter Be­schuss und sind im Vi­sier von Po­li­zei und Jus­tiz. Zeu­gin P. wä­re für mor­gen, Di­ens­tag, wie­der für den U-Aus­schuss ge­la­den. Al­ler­dings ver­wei­ger­te sie bis­her kon­se­quent, die La­dung ent­ge­gen­zu­neh­men. Auch ein Bo­te war er­folg­los.

Laut „Pres­se“-In­for­ma­tio­nen wur­den Te­le­fon­an­ru­fe sei­tens der Par­la­ments­di­rek­ti­on so­fort ab­ge­bro­chen. Der U-Aus­schuss hat nun meh­re­re Mög­lich­kei­ten, die von Buß­geld bis hin zur zwangs­wei­sen Vor­füh­rung durch die Po­li­zei rei- chen. P.s ers­ter Auf­tritt sorg­te bei den Ab­ge­ord­ne­ten für Er­stau­nen. Sie hat­te kaum Sub­stan­zi­el­les bei­zu­tra­gen, da­für kris­tal­li­sier­te sich al­ler­dings her­aus, dass sie selbst durch po­li­ti­sche In­ter­ven­ti­on über­haupt erst zu ei­nem Pos­ten im BVT ge­kom­men war.

Ver­bo­te­ne Lis­ten

Haupt­be­las­tungs­zeu­ge W. war Ab­tei­lungs­lei­ter im BVT. Er stell­te un­ter an­de­rem in den Raum, dass Da­ten nicht kor­rekt ge­löscht be­zie­hungs­wei­se il­le­gal ko­piert wor­den sein könn­ten.

Nun wird W. von ei­ner Zeu­gin schwer be­las­tet. Sie gibt an, in ih­rem Re­fe­rat ei­ne Lis­te ge­führt zu ha­ben, in der Personen nach Staats­zu­ge­hö­rig­keit und ih­rer Tä­tig­keit bei ei­ner aus­län­di­schen Be­hör­de evi­dent ge­hal­ten wur­den. Aus ei­nem Mail­ver­kehr geht her­vor, dass sie selbst der Mei­nung war, dass es recht­lich nicht zu­läs­sig sei, die­se Lis­te zu füh­ren. Ab­tei­lungs­lei­ter W. ha­be sie aber an­ge- wie­sen, die Lis­te wei­ter­zu­füh­ren. Und er ha­be ihr ge­sagt, sie sol­le den Datei­na­men auf ei­nen „un­ver­fäng­li­chen Na­men“än­dern. Die Zeu­gin gibt an, dem nicht Fol­ge ge­leis­tet zu ha­ben.

Trotz die­ser Aus­sa­ge hat die Wirt­schafts- und Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft (WKStA) bis­her kei­ne in­ten­si­ven Er­mitt­lun­gen ge­gen W. an­ge­stellt. Da­für liegt ge­gen ihn ei­ne An­zei­ge bei der Staats­an­walt­schaft Kor­neu­burg vor. W. wird auch als Schrei­ber je­nes an­ony­men Pam­phlets ver­mu­tet, das im Som­mer 2017 über­haupt erst An­lass für die WKStA war, Er­mitt­lun­gen auf­zu­neh­men. In dem Pa­pier fin­den sich et­li­che An­schul­di­gun­gen ge­gen Be­am­te des BVT und des In­nen­mi­nis­te­ri­ums. Die meis­ten Vor­wür­fe stell­ten sich mitt­ler­wei­le als halt­los her­aus. Ge­gen meh­re­re Be­schul­dig­te wur­den die Er­mitt­lun­gen dar­um be­reits ein­ge­stellt.

Die WKStA hat wei­ters ein Rechts­hil­fe­er­su­chen an die USA ge­stellt, um den Schrei­ber des Pam­phlets aus­fin­dig zu ma­chen. Die­ses war per Mail an die Be­hör­de über­mit­telt wor­den, man macht sich dar­um Hoff­nung, dass es rück­ver­folg­bar ist. Ein Ant­wort­schrei­ben der US-Be­hör­den legt na­he, dass da­zu tat­säch­lich Da­ten vor­lie­gen – die Be­hör­de frag­te nach, war­um die­se Da­ten begehrt wür­den. Die WKStA schick­te ih­rer­seits ei­ne Be­grün­dung – jetzt heißt es wie­der war­ten.

Al­te und neue Zeu­gen

In der Zwi­schen­zeit geht der Un­ter­su­chungs­aus­schuss wei­ter. Die­se Wo­che wird noch ein­mal In­nen­mi­nis­te­ri­ums­ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Gold­gru­ber aus­sa­gen so­wie ei­ni­ge we­ni­ger be­kann­te Zeu­gen. Dar­un­ter ei­ne Zeu­gin, die von der Op­po­si­ti­on ge­la­den wur­de und de­ren Rol­le un­klar ist. Sie ar­bei­te­te im In­nen­mi­nis­te­ri­um und war un­ter an­de­rem für Ab­schie­bun­gen zu­stän­dig. Im In­ter­net fällt sie durch frem­den­feind­li­che Pos­tings auf.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.