Muss Van der Bel­len um „Van“zit­tern?

Adels­auf­he­bung. Als Fol­ge meh­re­rer Ent­schei­dun­gen des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs zum Adels­auf­he­bungs­ge­setz be­kämp­fen die Be­hör­den ver­stärkt Adels­na­men und sol­che, die nur so klin­gen.

Die Presse - - RECHTSPANORAMA - VON CLEMENS GRÜNZWEIG Dr. Clemens Grünzweig ist Partner bei Ei­sels­berg Rechts­an­wäl­te (am VfGHVer­fah­ren E 4432/2018 be­tei­ligt).

Im­mer mehr Ös­ter­rei­cher sind von Na­mens­än­de­run­gen we­gen ver­bo­te­ner Adels­zei­chen be­trof­fen. Dies geht auf meh­re­re Ent­schei­dun­gen des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs zum Adels­auf­he­bungs­ge­setz 1919 zu­rück, die von den Stan­des­äm­tern nach Vor­ga­ben des In­nen­mi­nis­te­ri­ums um­ge­setzt wer­den. Vor al­lem äl­te­re Personen trifft dies hart, weil ih­re Na­men da­vor jahr­zehn­te­lang in Ös­ter­reich ak­zep­tiert wa­ren. Durch die Än­de­rung wer­den den Be­trof­fe­nen Unan­nehm­lich­kei­ten und Kos­ten zu­ge­mu­tet. Dop­pel­staats­bür­ger müs­sen ver­schie­de­ne Na­men in ver­schie­de­nen EU-Län­dern füh­ren.

Durch ein Ver­fas­sungs­ge­richts­ho­fer­kennt­nis vom März 2018 (E 4354/2017) wird der Kreis der Be­trof­fe­nen noch er­wei­tert: Im An­lass­fall ging es um ei­nen Schwei­zer Na­men, der laut Be­schwer­de­füh­rer bür­ger­li­chen Ur­sprungs ist und auf ei­ne Her­kunfts­re­gi­on im Kan­ton Zü­rich hin­weist. In die­ser Ent­schei­dung be­züg­lich „von der Alm“hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof aus­ge­spro­chen, dass ein „von“vor dem Na­men schon we­gen des da­mit ver­bun­de­nen An­scheins ei­ner ade­li­gen Her­kunft ver­bo­ten ist. Auf ei­nen his­to­ri­schen Adels­be­zug kom­me es nicht an, son­dern nur auf die ob­jek­ti­ve Wahr­neh­mung der­je­ni­gen, die das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot schüt­zen wol­le.

Da ei­ne be­hörd­li­che Na­mens­än­de­rung in die Pri­vat- und Per­sön­lich­keits­sphä­re ein­greift und meist auch An­ge­hö­ri­ge mit­be­trof­fen sind, ist es kei­nes­wegs selbst­ver­ständ­lich, dass ein „An­schein“als Recht­fer­ti­gung ge­nügt. Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof legt je­doch of­fen­bar den Wort­laut des Adels­auf­he­bungs­ge­set­zes nach dem his­to­ri­schen Norm­zweck im wei­test­mög­li­chen Um­fang aus.

Das Ver­bot gilt üb­ri­gens auch, wenn das „von“Ver­bin­dungs­wort in ei­nem mehr­glied­ri­gen Nach­na­men ist (z. B. „X von Y“). Das Ar­gu­ment ei­nes Be­schwer­de­füh­rers, dass es ei­nen Un­ter­schied ma­che, ob es um ein vor­an­ge­stell­tes Zei­chen ge­he oder ob in ei­nen mehr­glied­ri­gen Fa­mi­li­en­na­men ein­ge- grif­fen wer­de, wur­de von den Be­hör­den nicht be­rück­sich­tigt. Ei­ne Be­schwer­de da­ge­gen wur­de vom Ver­fas­sungs­ge­richts­hof ab­ge­lehnt (E 4432/2018). Frag­lich ist, ob dann auch an­de­re ver­bin­den­de Wor­te (z. B. „und“) in ei­nem mehr­glied­ri­gen Na­men ver­bo­ten sind.

Mitt­ler­wei­le wer­den von den Be­hör­den auch Na­men ge­än­dert, die fremd­spra­chi­ge Zu­sät­ze ent­hal­ten (et­wa ein fran­zö­si­sches „de“, wel­ches in Frank­reich nicht un­be­dingt Adels­zei­chen ist). An­ge­sichts die­ser Pra­xis ist zu fra­gen, wo die Gren­zen zu zie­hen sind. Er­we­cken fremd­spra­chi­ge Na­mens­tei­le tat­säch­lich den Ein­druck ei­nes Stan­des­vor­ran­ges in Ös­ter­reich? Was gilt für Adels­zei­chen, die in man­chen Län­dern Na­men als Suf­fix bei­ge­fügt wer­den (et­wa das un­ga­ri­sche „y“)? Kommt es bei der Beur­tei­lung auf Sprach­kennt­nis­se der Ös­ter­rei­cher oder auf die Be­deu­tung in den Her­kunfts­län­dern an? Wenn ein „de“ver­bo­ten ist, müss­te dies je­den­falls (gleich­heits­kon­form!) auch für das nie­der­län­di­sche „van“gel­ten.

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof wird sich ver­mut­lich mit wei­te­ren Fäl­len zu be­fas­sen ha­ben. Die vom Au­tor im Rechtspanorama vom 25. Sep­tem­ber 2017 ge­äu­ßer­te An­sicht, dass der am­tie­ren­de Bun­des­prä­si­dent nicht um sei­nen Na­men fürch­ten müs­se, war vi­el­leicht zu op­ti­mis­tisch.

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