Ei­ne stür­mi­sche „Wal­kü­re“, Theo Adam zu Eh­ren

Die „Ring“-Fort­set­zung in der Staats­oper ge­riet dank Dirigent und Pracht-Be­set­zung atem­be­rau­bend.

Die Presse - - FEUILLETON -

Vor Be­ginn er­schien Di­rek­tor Do­mi­ni­que Mey­er, um an den zwei Ta­ge zu­vor ver­stor­be­nen Theo Adam zu er­in­nern. Die fol­gen­de Vor­stel­lung woll­te man dem Ge­den­ken an den gro­ßen Künst­ler wid­men. Ei­ne wür­di­ge­re Wahl hät­te man nicht tref­fen kön­nen. Den „Wal­kü­ren“Wo­tan hat Adam in Wi­en 24-mal ge­sun­gen – und To­masz Ko­niecz­ny er­weist sich als wür­di­ger Nach­fah­re, hat vo­kal und dar­stel­le­risch an Sta­tur ge­won­nen, macht mit klang­vol­ler, aus­drucks­star­ker Tie­fe sei­nen Mo­no­log zum span­nen­den Schei­tel­punkt des Dra­mas.

Da­bei hat er auch Lust am Aus­spie­len si­che­rer Hö­hen: Am Akt­be­ginn setzt er ein bom­ben­si­che­res ho­hes Fis ne­ben die leuch­ten­den Hs und Cs sei­nes „küh­nen, herr­li­chen Kinds“Brünn­hil­de: Ire­ne´ Theo­rin bie­tet wa­cker Pa­ro­li, bleibt nur in der To­des­ver­kün­di­gung ne­ben dem streit­ba­ren Sieg­mund von Chris­to­pher Ven­tris man­gels so­no­ren Brust­re­gis­ters ein we­nig blass. Ven­tris, im Fi­na­le des ers­ten Akts ein we­nig ge­han­di­capt, war doch ein wür­di­ger Frei­er sei­ner strah­len­den Schwes­ter Sieg­lin­de: Mar­ti­na Sera­fins Büh­nen­im­pe­tus ist tat­säch­lich auch durch ei­nen Hun­ding vom furcht­er­re­gen­den For­ma ei­nes Tobias Keh­rer nicht zu brem­sen. Der Wi­en-De­bü­tant er­wies sich dank ker­nig-klang­vol­lem Bass und ex­qui­si­ter Wort­deut­lich­keit als will­kom­me­ner Neu­zu­gang.

Wie auch die Fri­cka So­phie Kochs un­ge­wohnt schil­lern­de Far­ben und streit­ba­re stimm­li­che Atta­cken in die Zwie­spra­che mit ih­rem Göt­ter­gat­ten bringt: Die Fall­hö­he der Tra­gö­die er­misst sich im ak­tu­el­len Wie­ner „Ring“frei­lich nicht nur vo­kal, son­dern auch or­ches­tral. Dirigent Axel Ko­ber ist für Wie­ner Wa­g­ne­ria­ner die wich­tigs­te Ent­de­ckung.

Dank of­fen­kun­di­ger ka­pell­meis­te­ri­scher Kom­pe­tenz bringt er das Orches­ter da­zu, auch ris­kan­te dra­ma­tur­gi­sche Ma­nö­ver zu wa­gen, und ge­winnt auf der gan­zen Li­nie. Es ge­lingt ihm, sän­ger­freund­li­che Pia­nis­si­mo-Klang­tep­pi­che aus­zu­le­gen, oh­ne dass Span­nung und Schwung da­bei ver­lo­ren ge­hen. Er ani­miert die phil­har­mo­ni­schen So­lis­ten im­mer wie­der zu fast im­pro­vi­sa­to­ri­schen Ein­wür­fen, die sich ganz am Ge­sang und am Büh­nen­ge­sche­hen ori­en­tie­ren, er bringt Po­sau­nen und Tu­ben da­zu, nebst macht­voll schmet­tern­den Fan­fa­ren auch im ge­heim­nis­vol­len Pia­nis­si­mo ma­kel­los aus­ta­rier­te Ak­kord-Mo­ti­ve zu set­zen – wenn es et­wa gilt, im ers­ten Akt Wo­tans In­ko­gni­to zu lüf­ten. Ein Wa­gner-Fest. (sin)

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.