In­ves­tie­ren in die Frau­en lohnt sich

Stu­di­en be­le­gen, dass Kurs­maß­nah­men zur Re­in­te­gra­ti­on in den Ar­beits­markt bei Frau­en bes­ser wir­ken.

Die Presse - - DEBATTE - VON MA­NUE­LA VOLLMANN Mag. Ma­nue­la Vollmann ist Geschäftsführerin des 1992 ge­grün­de­ten, nicht ge­winn­ori­en­tiert wirt­schaf­ten­den Ver­eins Abz*aus­tria zur För­de­rung von Frau­en.

Durch den An­stieg der Zu­wan­de­rung im Jahr 2015 wur­de Ös­ter­reichs Ar­beits­markt vor neue Her­aus­for­de­run­gen ge­stellt. Um ei­ne ef­fi­zi­en­te und nach­hal­ti­ge In­te­gra­ti­on auf dem Ar­beits­markt zu er­mög­li­chen, muss­ten Qua­li­fi­ka­tio­nen und Kom­pe­ten­zen der Zu­ge­wan­der­ten sicht­bar ge­macht wer­den. Abz*aus­tria un­ter­stützt die­se An­for­de­rung im Rah­men des Pro­jekts Kom­pe­tenz­check und ar­bei­tet spe­zi­ell mit Frau­en.

Schlüs­sel­fak­to­ren für die er­folg­rei­che Um­set­zung sind die Mehr­spra­chig­keit des An­ge­bots und in­ten­si­ve Ko­ope­ra­tio­nen mit Un­ter­neh­men. Sieht man sich die Fak­ten an, wird schnell klar, dass hier ein wirt­schaft­li­ches Po­ten­zi­al brach­liegt und dass es sich be­son­ders lohnt, in Frau­en zu in­ves­tie­ren. Die Fak­ten, die für ein In­vest­ment spre­chen:

Die Hälf­te al­ler Ge­flüch­te­ten welt­weit sind Frau­en. 40 Pro­zent al­ler Asyl­an­trä­ge in Ös­ter­reich wer­den von Frau­en ge­stellt, und Stu­di­en be­le­gen die bes­se­re Wir­kung von Kurs­maß­nah­men auf die Re­in­te­gra­ti­on in den Ar­beits­markt für Frau­en als für Män­ner. Bei der ter­tiä­ren Bil­dung gibt es mehr Frau­en als Män­ner aus Sy­ri­en, Irak und Af­gha­nis­tan, die beim AMS ge­mel­det sind und hö­he­re Aus­bil­dung vor­wei­sen.

Der Zeit­punkt, in ge­flüch­te­te Frau­en zu in­ves­tie­ren, ist ge­nau jetzt. Nicht nur weil es sich für Un­ter­neh­men rech­net, son­dern auch weil je­de be­rufs­tä­ti­ge Frau ein Rol­len­mo­dell für ih­ren ei­ge­nen Fa­mi­li­en­ver­bund ist.

Kom­pe­tenz­er­fas­sung ist nur ein Teil des gro­ßen Gan­zen: Beim Kom­pe­tenz­check geht es um mehr als nur um die Er­fas­sung der Qua­li­fi­ka­tio­nen und Kom­pe­ten­zen. Im Vor­der­grund steht, un­ter an­de­rem, die Hand­lungs­fä­hig­keit von Frau­en zu stär­ken und de­mo­kra­tie- und gleich­stel­lungs­ori­en­tier­te Wer­te pra­xis­ori­en­tiert ent­lang ih­rer Le­bens­rea­li­tä­ten zu ver­mit­teln.

Ei­ne der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen ist das feh­len­de Kom- pe­tenz­be­wusst­sein von Frau­en. Auf Nach­fra­ge ist die Re­so­nanz bei den nied­rig qua­li­fi­zier­ten Frau­en oft, dass sie kei­ne Qua­li­fi­ka­tio­nen ha­ben. In die Tie­fe ge­fragt, stellt sich dann her­aus, dass sie Klei­dung für ein gan­zes Dorf ge­näht oder für über 200 Men­schen ge­kocht ha­ben.

Die Trai­ne­rin­nen spre­chen so­wohl Deutsch als auch die je­wei­li­ge Mut­ter­spra­che der Teil­neh­me­rin­nen, Far­si, Da­ri oder Ara­bisch. Denn über die ei­ge­nen Kom­pe­ten­zen spricht es sich oft leich­ter in der Mut­ter­spra­che. Die Un­ter­la­gen sind trotz­dem al­le auf Deutsch, es wird auch ge­mein­sam über­setzt und so gleich­zei­tig Deutsch ge­lernt. Ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus Grup­pen­set­tings und Ein­zel­coa­chings er­mög­licht so­wohl über das Bil­dungs­sys­tem in Ös­ter­reich, sei­ne Kul­tur und Ge­sell­schaft zu spre­chen als auch auf die spe­zi­fi­sche Si­tua­ti­on der Frau ein­zu­ge­hen.

Stell­ver­tre­tend für die vie­len Teil­neh­me­rin­nen, die bei Abz*aus­tria den Kom­pe­tenz­check ab­sol­viert ha­ben, ist ei­ne Frau aus dem Irak, die 2014 nach Ös­ter­reich ge­kom­men ist. In ih­rer Hei­mat hat­te sie ein Che­mie­stu­di­um ab­ge­schlos­sen und war zwölf Jah­re als Che­mie- und Ma­the­ma­tik­leh­re­rin tä­tig. Spä­ter war sie La­bor­lei­te­rin in ei­nem Gym­na­si­um. Trotz gu­ter Deutsch­kennt­nis­se er­hielt sie auf Grund feh­len­der An­er­ken­nung ih­rer Ab­schlüs­se „nur“ein An­ge­bot als Kü­chen­hil­fe. Durch den Kom­pe­tenz­check hat sie ei­nen Job als Trai­ne­rin ge­fun­den, der ihr mehr ent­spricht.

Ei­ne an­de­re Teil­neh­me­rin woll­te Pfle­ge­rin wer­den, hat Deutsch­kur­se be­sucht, ih­ren Pflicht­ab­schluss nach­ge­holt und ab­sol­viert nun ei­ne Aus­bil­dung zur Pfle­ge­as­sis­ten­tin. Der­ar­ti­ge An­ge­bo­te sind al­so so­wohl bei ge­ring wie hoch qua­li­fi­zier­ten Frau­en über­aus ef­fek­tiv.

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