Rich­ter-Tweet ge­gen Gras­ser ver­bo­ten

Ver­hal­tens­re­geln. Weil er sich ab­fäl­lig über Karl-Heinz Gras­ser und Se­bas­ti­an Kurz äu­ßer­te, wur­de ein Rich­ter dis­zi­pli­nar­recht­lich ver­ur­teilt.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - VON PHIL­IPP AICHINGER

Obers­ter Ge­richts­hof ver­hängt Dis­zi­pli­nar­stra­fe ge­gen Rich­ter.

Wien. Rich­ter müs­sen sich laut ih­rer Dienst­ord­nung auch au­ßer­halb der Ar­beit so ver­hal­ten, dass das Ver­trau­en in ih­ren Be­rufs­stand nicht ge­fähr­det wird. Und da­zu ge­hört es auch, sich bei De­bat­ten im In­ter­net zu­rück­zu­hal­ten, wie nun ei­ne Ent­schei­dung des Obers­ten Ge­richts­hofs (OGH) zeigt.

In dem so­zia­len Netz­werk Twit­ter sind vie­le Jour­na­lis­ten und Po­li­ti­ker ak­tiv. Po­li­ti­sche Dis­kus­sio­nen ge­hö­ren zur Ta­ges­ord­nung, gern wer­den sie auch po­le­misch ge­führt. Der Rich­ter woll­te auf Twit­ter da­bei sein, sein (voll­jäh­ri­ger) Sohn rich­te­te ihm ei­nen Ac­count ein. Dar­auf the­ma­ti­sier­te der Rich­ter im Jahr 2015, dass die frü­he­re Jus­tiz­mi­nis­te­rin Clau­dia Ban­di­on-Ort­ner den Pro­zess ge­gen den eins­ti­gen Fi­nanz­mi­nis­ter Kar­lHeinz Gras­ser lei­ten könn­te.

„Soll­te Ban­di­on-Ort­ner der Pro­zess ge­gen Gras­ser zu­fal­len, wenn es denn je ei­nen ge­ben wird, so spricht es sich leich­ter von Mi­nis­ter zu Mi­nis­ter“, twit­ter­te der Rich­ter. Ähn­lich äu­ßer­te sich der Jus­tiz­be­diens­te­te, als er den Tweet ei­nes Jour­na­lis­ten mit den Wor­ten „Gras­ser war­tet noch auf Ban­di­onOrt­ner, weil Mi­nis­ter ein­an­der bes­ser ver­ste­hen“be­ant­wor­te­te.

„Wä­re Gras­ser in Le­bens­ge­fahr“

Be­liebt ist es auf Twit­ter auch, den TV-„Tat­ort“zu kom­men­tie­ren. Das tat der Rich­ter zu ei­ner Fol­ge, in der es um Kri­mi­nel­le ging, die we­gen Un­zu­läng­lich­kei­ten in der Straf­ver­fol­gung nicht vor Ge­richt ka­men. In der Fol­ge er­schoss ein Scharf­schüt­ze sol­che Per­so­nen im We­ge der Selbst­jus­tiz. „Gäb’s den ,Tat­ort‘ wirk­lich, wä­re Gras­ser in Le­bens­ge­fahr“, mein­te der Rich­ter laut sei­nem Twit­ter-Ac­count da­zu. Er schrieb dies aber nicht selbst, son­dern er­mäch­tig­te sei­nen Sohn, eben­die­sen Tweet über den Ac­count des Va­ters ab­zu­set­zen.

Im Mai 2017 stieg der Rich­ter auf ei­ne po­li­ti­sche De­bat­te ein, die vom Ab­ge­ord­ne­ten Pe­ter Pilz (da­mals bei den Grü­nen) in­iti­iert wur­de. „War­um ha­ben in Deutsch­land po­li­ti­sche Schnö­sel wie Gras­ser und Se­bas­ti­an Kurz kei­ne Chan­ce? An­de­re Me­di­en­kul­tur?“, frag­te Pilz. „Das wun­dert mich auch seit Han­nes An­d­rosch“, twit­ter­te der Rich­ter dar­auf. Und ließ da­mit durch­bli­cken, dass er von Gras­ser und Kurz we­nig hält.

Auf dem Twit­ter-Ac­count des Rich­ters wa­ren ab spä­tes­tens 2017 sein Vor­na­me und der ers­te Buch­sta­be sei­nes Nach­na­mens er­sicht­lich. Auch ein Fo­to des Man­nes wur­de 2017 hin­zu­ge­fügt. Das Ober­lan­des­ge­richt Graz be­fand aber, dass der Rich­ter sich kei­ner Dis­zi­pli­nar­ver­let­zung schul­dig ge­macht hat­te. Sei­ne Tweets hät­ten von den Le­sern „nicht mit der er­for­der­li­chen Si­cher­heit“dem Rich­ter zu­ge­ord­net wer­den kön­nen. Im Er­geb­nis hand­le es sich bloß um ei­ne „pri­va­te Mit­tei­lung des Be­schul­dig­ten an den Sohn“.

Ehe­frau lei­tet Gras­ser-Pro­zess

Der OGH wi­der­sprach: Um ei­ne pri­va­te Mit­tei­lung wür­de es sich nur han­deln, wenn der Sohn der Ein­zi­ge wä­re, der die Tweets hät­te le­sen kön­nen. Der Mann ha­be sich aber be­wusst sein müs­sen, dass die Äu­ße­run­gen auf Twit­ter ihm als Rich­ter zu­ge­schrie­ben wer­den könn­ten. Er ha­be ei­nen Mi­nis­ter (Kurz) be­lei­digt, ei­nen Be­schul­dig­ten (Gras­ser) vor­ver­ur­teilt und spe­ku­liert, dass ei­ne Rich­ter­kol­le­gin (Ban­di­on-Ort­ner) Gras­ser un­sach­lich be­vor­zu­gen könn­te. So dür­fe sich ein Rich­ter nicht ver­hal­ten, mahn­te der OGH (2 Ds 4/19i). Der Mann muss ei­ne Dis­zi­pli­nar­stra­fe von ei­nem Mo­nats­be­zug zah­len.

Der Fall hat des­halb für Auf­se­hen ge­sorgt, weil der Gras­serPro­zess zwar nicht Ban­di­on-Ort­ner, aber der Ehe­frau des Twit­te­rers zu­ge­teilt wur­de. Gras­sers An­wäl­te stell­ten dar­auf­hin Ab­leh­nungs­an­trä­ge, schei­ter­ten aber. Man dür­fe ihr nicht die Mei­nung des Ehe­manns um­hän­gen, sag­te die Rich­te­rin.

[ APA ]

Von Karl-Heinz Gras­ser hält der twit­tern­de Rich­ter we­nig, wie er kund­tat. Sei­ne Ehe­frau soll­te spä­ter den Vor­sitz in Gras­sers Pro­zess über­neh­men.

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