War­um der DAX jetzt reizt

Zer­ti­fi­ka­te. Deutsch­lands ab­flau­en­de Kon­junk­tur schreckt man­che An­le­ger von ei­nem DAX-In­vest­ment ab. Zu Un­recht, fin­den Ex­per­ten.

Die Presse - - MEIN GELD - VON RAJA KORINEK

Noch zu Jah­res­be­ginn hät­ten die we­nigs­ten An­le­ger dem DAX ei­nen der­art po­si­ti­ven Kurs­ver­lauf zu­ge­traut – das sag­te zu­min­dest un­längst Mar­tin Hüf­ner, Chef­volks­wirt bei der Münch­ner In­vest­ment­bou­tique As­sena­gon. Grund sei die all­ge­mei­ne Bör­sen­kor­rek­tur En­de 2018 ge­we­sen, von der deut­sche Ak­ti­en nicht ver­schont ge­blie­ben sind. „Da­bei hat sich der deut­sche Ak­ti­en­in­dex so gut wie schon lang nicht mehr ent­wi­ckelt“, sagt Hüf­ner mit Blick auf die ver­gan­ge­nen Mo­na­te.

Al­lein seit Jah­res­be­ginn leg­te der DAX rund 18 Pro­zent zu. Die bis­he­ri­ge Ent­wick­lung stimmt den Öko­no­men je­den­falls zu­ver­sicht­lich. Da­bei hät­te das Um­feld kaum schlech­ter sein kön­nen, so Hüf­ner, der auf die ab­ge­schwäch­te Kon­junk­tur ver­weist. „Ei­ne Re­zes­si­on ist nicht mehr aus­zu­schlie­ßen. Und die Zahl der welt­wei­ten Kri­sen­her­de war sel­ten so groß.“

Aber nun lo­ckern die No­ten­ban­ken die geld­po­li­ti­schen Zü­gel wei­ter. Die Fol­gen der Tief­zins­po­li­tik sind vor al­lem in Eu­ro­pa seit Län­ge­rem sicht­bar. Denn die Ren­di­ten vie­ler si­che­rer Staats­an­lei­hen sind in­zwi­schen ins Mi­nus ge­rutscht. Ge­nau das macht ein Ak­ti­en­in­vest­ment um­so at­trak­ti­ver.

Auch sei die Kon­junk­tur nicht so schlecht wie von man­chen Ana­lys­ten dar­ge­stellt, meint Hüf­ner. Die USA sei­en weit von ei­ner Re­zes­si­on ent­fernt. Für den Eu­ro­raum rech­net der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds mit ei­ner Zu­nah­me des rea­len BIPs um gut 1,3 Pro­zent. Hüf­ner: „Vor al­lem Frank­reich hält sich we­gen der Re­for­men un­ter Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron gut.“Auch in der deut­schen Wirt­schaft tue sich mehr, als aus den volks­wirt­schaft­li­chen Zah­len er­kenn­bar sei. Grund sei et­wa ei­ne Rei­he von An­pas­sungs­maß­nah­men zahl­rei­cher Un­ter­neh­men. „Die Deut­sche Bank hat ein Re­struk­tu­rie­rungs­pro­gramm in Gang ge­setzt. BMW hat den Vor­stands­chef aus­ge­tauscht. Und Bay­er er­greift Maß­nah­men ge­gen das De­ba­kel mit Gly­pho­sat.“

An­le­ger, die dem DAX wei­te­res Kur­s­po­ten­zi­al zu­trau­en, dar­auf aber lie­ber mit ei­nem Ver­lust­puf­fer set­zen wol­len, kön­nen dies et­wa mit ei­nem Bo­nus­zer­ti­fi­kat tun. Bei die­sem Pro­dukt winkt An­le­gern zu Lauf­zeit­ende ei­ne fest­ge­leg­te Bo­nus­zah­lung, die zu­gleich die ma­xi­ma­le Ge­winn­chan­ce ist. Zu­dem be­kom­men An­le­ger am En­de ihr Ka­pi­tal zu­rück. Nach un­ten hin hat man ei­nen Ver­lust­puf­fer, und zwar bis zu ei­ner fest­ge­leg­ten Bar­rie­re. Bis da­hin kann der Ba­sis­wert wäh­rend der Lauf­zeit ru­hig ein we­nig schwan­ken, oh­ne dass sich am Aus­zah­lungs­pro­fil zu Lauf­zeit­ende et­was ver­än­dert.

Wird al­ler­dings die Bar­rie­re be­rührt oder un­ter­schrit­ten, ver­fällt die Bo­nus­zah­lung zu Lauf­zeit­ende, und der wei­te­re Kurs­ver­lauf des Zer­ti­fi­kats rich­tet sich 1:1 nach je­nem des Ba­sis­werts. Dann sind auch Ver­lus­te mög­lich, wäh­rend das Ge­winn­po­ten­zi­al nach oben bis zum Cap be­grenzt ist.

Frei­lich, je nä­her die Bar­rie­re am ak­tu­el­len Kurs des DAX ist, des­to güns­ti­ger ist das Zer­ti­fi­kat zu kau­fen. Al­ler­dings steigt dann auch das Ri­si­ko, dass die Bar­rie­re ver­letzt wird. So bie­tet et­wa die UniCre­dit ein Cap­ped-Bo­nus-Zer­ti­fi­kat an (DE000HZ2KK­B3). Hier ist der Ab­stand zur Bar­rie­re (11.200 Punk­te) von der­zeit rund zehn Pro­zent re­la­tiv ge­ring. Der Cap liegt bei 40.000 Punk­ten. Und letz­ter Han­dels­tag ist der 18. Sep­tem­ber 2020.

Ei­nen grö­ße­ren Puf­fer zur Bar­rie­re – da­für mit ei­ner ge­rin­ge­ren Er­trags­chan­ce – bie­tet das Cap­pe­dBo­nus-Zer­ti­fi­kat von Gold­man Sachs (DE000GB1Z2­B3). Ak­tu­ell liegt er bei rund 18 Pro­zent. Denn hier wur­de die Bar­rie­re bei 10.200 Punk­ten ein­ge­zo­gen, der Cap bei 30.200 Punk­ten. Letz­ter Han­dels­tag ist der 17. Sep­tem­ber 2020. Kon­junk­tur bes­ser als ge­dacht

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