Kurz rech­net mit en­ge­rem Ren­nen

Wahl­kampf. Mei­nungs­for­scher se­hen die Wahl als ent­schie­den an, die Par­tei­chefs noch nicht.

Die Presse - - 24 STUNDEN -

ÖVP-Chef Se­bas­ti­an Kurz will sei­ne Par­tei nicht vor­zei­tig in die Sie­ger­rol­le für die Na­tio­nal­rats­wahl drän­gen las­sen. „Ich glau­be, dass es deut­lich en­ger wer­den wird“, sag­te er am Sonn­tag in der ORF-„Pres­se­stun­de“zu Um­fra­gen, die die Volks­par­tei mehr als zehn Pro­zent vor den Ver­fol­gern se­hen. Sei­ne Sor­ge sei, dass es ei­ne Mehr­heit an der ÖVP vor­bei ge­be. In der Ko­ali­ti­ons­fra­ge leg­te sich Kurz wie üb­lich nicht fest. Es ge­be nie­man­den in der ÖVP in ei­ner Ver­ant­wor­tungs­po­si­ti­on, der da­für sei, die FPÖ per se aus­zu­schlie­ßen, sag­te Kurz, auch wenn er skan­dal­träch­ti­ge Aus­sa­gen und Kon­tak­te von Frei­heit­li­chen mit den Iden­ti­tä­ren „graus­lig“fin­de.

SPÖ-Spit­zen­kan­di­da­tin Pa­me­la Ren­di-Wa­gner hat am Sonn­tag in­des­sen trotz des deut­li­chen und sta­bi­len Rück­stands ih­rer Par­tei in den Um­fra­gen be­tont, bei der Wahl Platz 1 er­zie­len zu wol­len.

Wien. Ei­ne Wo­che vor der Na­tio­nal­rats­wahl gibt es ei­ne brand­neue Um­fra­ge des Ha­jekIn­sti­tuts, und die­se zeigt: Die Wahl ist so gut wie ent­schie­den. 34 Pro­zent wol­len dem­nach ÖVP wäh­len, 23 SPÖ, 20 FPÖ, 13 die Grü­nen und acht Pro­zent die Ne­os. Die Lis­te Jetzt hat mit zwei Pro­zent kaum noch ei­ne Chan­ce auf den Wie­der­ein­zug in den Na­tio­nal­rat. Mit ei­nem Samp­le von 3000 Be­frag­ten ist das Er­geb­nis recht aus­sa­ge­kräf­tig. Ein­zig die zwölf Pro­zent noch Un­ent­schlos­se­nen könn­ten zu Ver­schie­bun­gen füh­ren.

Es war wohl der Wäh­ler­mo­bi­li­sie­rung ge­schul­det, dass trotz der kla­ren Vor­zei­chen so­wohl ÖVP-Chef Se­bas­ti­an Kurz als auch SPÖ-Ob­frau Pa­me­la Ren­di-Wa­gner in der Pres­se­stun­de von ei­nem noch of­fe­nen Ren­nen spra­chen. „Ich glau­be, dass es deut­lich en­ger wird“, sag­te Kurz. Sei­ne Sor­ge sei, dass es ei­ne Mehr­heit an der ÖVP vor­bei ge­be, sprach er ei­ne mög­li­che rot-grün-pin­ke Ko­ali­ti­on an.

Ren­di-Wa­gner da­ge­gen zeig­te sich be­müht, Op­ti­mis­mus für das Wahl­kampf­fi­na­le zu ver­brei­ten. „Die ein­zi­ge Um­fra­ge, die mich in­ter­es­siert, ist die am Wahl­tag“, ver­wies sie auf zahl­rei­che noch un­ent­schlos­se­ne Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler. Kein Spit­zen­sport­ler fah­re los, oh­ne ge­win­nen zu wol­len: „Al­le fah­ren mit dem Ziel Platz eins, und das ist mein Ziel.“

Par­tei­che­fin will Ren­di-Wa­gner auch blei­ben, wenn die SPÖ die Wahl nicht ge­winnt. Ihr Ziel sei, die of­fen­bar be­reits pak­tier­te Neu­auf­la­ge der tür­kis-blau­en „Ibi­zaKo­ali­ti­on“zu ver­hin­dern, be­ton­te sie. Wo­bei die SP-Che­fin ei­ne rot-blaue Ko­ali­ti­on aus­schloss. Nicht aus­schlie­ßen woll­te sie auf Nach­fra­ge, auch als Zweit­plat­zier­te Kanz­le­rin zu wer­den. Soll­ten die Ge­sprä­che in die­se Rich­tung ge­hen, kön­ne das ei­ne von vie­len Op­tio­nen sein.

Wo­her stammt Se­bas­ti­an Kurz?

ÖVP-Chef Se­bas­ti­an Kurz warf die SPÖ-Vor­sit­zen­de ein un­ehr­li­ches Spiel mit der Wahr­heit vor. Sie be­kräf­tig­te hier den Vor­wurf, Kurz ha­be vor ei­ner TV-Kon­fron­ta­ti­on sei­nen Spre­cher an­ge­wie­sen, Me­di­en über die Er­kran­kung von FP-Chef Nor­bert Ho­fer zu in­for­mie­ren: „Das war vor mei­nen Au­gen.“Auch dass Kurz mal an­gibt, aus Wien zu stam­men, mal aus dem Wald­vier­tel, führ­te sie ge­gen ihn ins Tref­fen. Und in Sach­fra­gen wie der Ab­schaf­fung der Mak­ler­pro­vi­si­on hält Ren­di-Wa­gner die ÖVP eben­falls für un­ver­läss­lich.

„Es ist ein pro­fes­sio­nel­les Ver­hält­nis, in­nig ist es zur­zeit nicht“, be­schrieb Ren­diWa­gner ih­re Be­zie­hung zu Kurz. Ei­ner Ko­ali­ti­on mit der ÖVP ste­he das aber nicht im We­ge, denn da brau­che es ei­ne „pro­fes­sio­nel­le Her­an­ge­hens­wei­se“: „Da ha­ben per­sön­li­che Be­find­lich­kei­ten gar nichts zu su­chen.“

Kei­ne Fest­le­gung zu Ko­ali­tio­nen

Kurz leg­te sich in der Ko­ali­ti­ons­fra­ge wie üb­lich nicht fest. Es ge­be nie­man­den in der ÖVP in ei­ner Ver­ant­wor­tungs­po­si­ti­on, der da­für sei, die FPÖ per se aus­zu­schlie­ßen, sag­te der ÖVP-Chef, auch wenn er skan­dal­träch­ti­ge Aus­sa­gen und Kon­tak­te von Frei­heit­li­chen mit den Iden­ti­tä­ren „graus­lig“fin­de. Ei­ne Min­der­heits­re­gie­rung schloss Kurz nicht aus, be­ton­te aber, dass das nicht sei­ne Lieb­lings­va­ri­an­te wä­re. Die­se wä­re viel mehr ei­ne sta­bi­le Ko­ali­ti­on mit gu­ter Ar­beit für Ös­ter­reich.

Ein­mal mehr wies er dar­auf hin, dass noch nicht klar sei, ob sich in der FPÖ das La­ger um Par­tei­chef Nor­bert Ho­fer oder je­nes um Ex-In­nen­mi­nis­ter Her­bert Kickl durch­set­zen wer­de. Ers­te­rer ha­be in der Ko­ali­ti­on im­mer Ge­mein­sa­mes über Tren­nen­des ge­stellt, bei Kickl sei ge­nau das Ge­gen­teil der Fall ge­we­sen.

Nicht äu­ßern woll­te sich Kurz da­zu, ob er Kickl in ei­ner Ko­ali­ti­on als frei­heit­li­chen Frak­ti­ons­chef ak­zep­tie­ren wür­de. Er ma­che kei­ne „,Was wä­re wenn‘-Spie­le über Klub­ob­män­ner an­de­rer Par­tei­en“. Le­dig­lich bei sei­ner Par­tei wis­se er, dass Au­gust Wögin­ger sei­nen Pos­ten als Klub­chef be­hal­ten wer­de.

Ver­är­gert zeig­te er sich über Ren­di-Wa­gner we­gen der Be­haup­tung, er hät­te sei­nen Pres­se­spre­cher an­ge­wie­sen, die Pres­se über ei­ne fieb­ri­ge Er­kran­kung von FP-Ob­mann Nor­bert Ho­fer vor TV-Du­el­len zu in­for­mie­ren: „Was hät­te ich da­von ge­habt?“, frag­te Kurz in die Run­de und mein­te, dass mitt­ler­wei­le er­wie­sen sei, dass die Aus­sa­ge Ren­diWa­g­ners nicht stim­me. Als „lä­cher­lich“be­zeich­ne­te Kurz Kri­tik, wo­nach er sich nicht ent­schei­den kön­ne, ob er Wie­ner oder Nie­der­ös­ter­rei­cher sei: „Ich füh­le mich an bei­den Or­ten zu Hau­se.“(APA/red.)

Al­le fah­ren mit dem Ziel Platz eins, und das ist mein Ziel. SPÖ-Che­fin Pa­me­la Ren­di-Wa­gner glaubt trotz der Um­fra­gen noch an ei­nen Wah­l­er­folg

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