Di­plo­ma­ti­scher Wett­streit in der UNO

Ge­ne­ral­ver­samm­lung. Am UN-Tref­fen in New York neh­men 150 Staats- und Re­gie­rungs­chefs teil. Wla­di­mir Pu­tin und Xi Jin­ping feh­len, für Ös­ter­reich spricht Au­ßen­mi­nis­ter Schal­len­berg.

Die Presse - - AUSLAND - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten STE­FAN RIECHER

Die An­kün­di­gung kurz vor dem jähr­li­chen Tref­fen der Staats- und Re­gie­rungs­chefs aus al­ler Welt im UN-Haupt­quar­tier ist ei­ne wei­te­re Ges­te des gu­ten Wil­lens aus Teheran, die dar­auf ab­zie­len dürf­te, die es­ka­lie­ren­den Span­nun­gen am Per­si­schen Golf zu ver­rin­gern. Erst am Sonn­tag hat­te die ira­ni­sche Re­gie­rung er­klärt, ei­ne „Ko­ali­ti­on der Hoff­nung“für Si­cher­heit und Frie­den am Golf schaf­fen zu wol­len. Irans Prä­si­dent, Has­san Ro­ha­ni, will De­tails in die­ser Wo­che in New York prä­sen­tie­ren.

Die ira­ni­schen Re­vo­lu­ti­ons­gar­den hat­ten den Tan­ker Ste­na Im­pe­ro am 19. Ju­li in der Stra­ße von Hor­muz un­ter dem Vor­wurf be­schlag­nahmt, es sei­en Vor­schrif­ten des See­rechts im Per­si­schen Golf miss­ach­tet wor­den. Der Schritt wur­de in­ter­na­tio­nal als Ver­gel­tung für die Fest­set­zung ei­nes ira­ni­schen Öl­tan­kers durch die bri­ti­schen Be­hör­den vor Gi­bral­tar in­ter­pre­tiert. Der ira­ni­sche Tan­ker, der zu­nächst Gra­ce 1 ge­hei­ßen hat und nun un­ter dem Na­men Adri­an Da­rya 1 fährt, hat Gi­bral­tar be­reits vor Wo­chen ver­las­sen.

Zu­nächst blieb un­klar, wann ge­nau die Ste­na Im­pe­ro Ban­dar Ab­bas im Sü­di­ran ver­las­sen soll­te. Die Span­nun­gen am Golf wa­ren zu­letzt nach den Luft­an­grif­fen auf sau­di­sche Öl­an­la­gen es­ka­liert. So­wohl die USA als auch Sau­di­ara­bi­en ma­chen den Iran für die­se Atta­cken ver­ant­wort­lich. Teheran be­strei­tet, et­was da­mit zu tun zu ha­ben. Of­fi­zi­ell ha­ben sich die vom Iran un­ter­stüt­zen Houthi-Re­bel­len im Je­men da­zu be­kannt. (ag./raa)

Noch Sonn­tag­nacht lan­de­te Do­nald Trump am John F. Ken­ne­dy Flug­ha­fen, am Mon­tag be­weg­te sich die Prä­si­den­ten­ko­lon­ne dann vom Trump To­wer an der Fifth Ave­nue zum East Ri­ver zu den Ver­ein­ten Na­tio­nen. Doch soll­te der US-Prä­si­dent nicht am gro­ßen Kli­ma­gip­fel teil­neh­men. Viel­mehr saß er ei­ner se­pa­ra­ten Ver­an­stal­tung zum The­ma Re­li­gi­ons­frei­heit vor. „Das ist für uns der wich­tigs­te Event des Ta­ges“, hat­te das Wei­ße Haus ver­lau­tet.

Im Vor­feld des welt­größ­ten Di­plo­ma­ten­tref­fens, der jähr­li­chen UN-Ge­ne­ral­ver­samm­lung, wur­de ein­mal mehr der Spalt zwi­schen der US-Re­gie­rung und Eu­ro­pa beim The­ma Kli­ma­schutz sicht­bar. Räum­ten vie­le Län­der der Kli­ma­kri­se Prio­ri­tät ein und schick­ten Staats- und Re­gie­rungs­chefs zu dem Gip­fel – für Ös­ter­reich nah­men Prä­si­dent Alex­an­der Van der Bel­len und Kanz­le­rin Bri­git­te Bier­lein teil –, ließ sich im Na­men des Wei­ßen Hau­ses ei­ne Vi­ze-Staats­se­kre­tä­rin bli­cken.

Auch wenn Van der Bel­len die Ab­we­sen­heit Trumps nicht über­be­wer­tet wis­sen will und et­wa auf die ak­ti­ve Rol­le Ka­li­for­ni­ens ver­weist: So­lan­ge die bei­den größ­ten Volks­wirt­schaf­ten, die USA und Chi­na, beim Ziel der CO2-Neu­tra­li­tät bis 2050 nicht mit­zie­hen, wird eben­die­ses glo­bal schwer zu er­rei­chen sein. Chi­nas Prä­si­dent Xi Jin­ping reis­te die­ses Mal eben­so wie Russ­lands Wla­di­mir Pu­tin gar nicht erst nach New York, und auch Bra­si­li­ens Prä­si­dent Jair Bol­so­na­ro blieb dem Kli­ma­gip­fel fern.

So ver­leg­te sich die Auf­merk­sam­keit auch auf den di­plo­ma­ti­schen Show­down der UN-Ver­samm­lung, die heu­te, Di­ens­tag, be­ginnt. Nach der Ein­lei­tung durch UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär An­to­nio Gu­ter­res wird Bol­so­na­ro den Ma­ra­thon an Re­den er­öff­nen, ge­folgt von Trump. Der US-Prä­si­dent zeig­te sich im Vor­feld un­ge­wohnt zahm, hob die Be­deu­tung der Or­ga­ni­sa­ti­on als in­ter­na­tio­na­ler Brü­cken­bau­er her­vor. Sein hoch­ge­steck­tes Ziel für die­se Wo­che: ei­ne län­der­über­grei­fen­de Al­li­anz für Sank­tio­nen ge­gen den Iran auf die Bei­ne zu stel­len.

Nach der mut­maß­lich von Teheran in­iti­ier­ten Atta­cke auf die wich­ti­ge sau­di­sche Öl­an­la­ge Ab­qaiq steht der Kon­flikt zwi­schen Wa­shing­ton und dem Iran im Zen­trum des di­plo­ma­ti­schen Aus­tauschs an der Ost­sei­te Man­hat­tans. Ei­ne ur­sprüng­lich für mög­lich ge­hal­te­ne Zu­sam­men­kunft zwi­schen Irans Prä­si­den­ten Has­san Ro­ha­ni und Trump ist in wei­te Fer­ne ge­rückt, auch wenn das Mul­lahRe­gime wei­ter­hin be­strei­tet, die Atta­cke durch­ge­führt zu ha­ben. „Wä­re der Iran in­vol­viert ge­we­sen, wür­de von der Raf­fi­ne­rie nichts mehr üb­rig sein“, sag­te Au­ßen­mi­nis­ter Ja­vad Za­rif in New York. Ein Frie­dens­an­ge­bot sieht an­ders aus.

So kann aus­ge­schlos­sen wer­den, dass wäh­rend der UN-Wo­che ein di­plo­ma­ti­scher Durch­bruch ge­lingt, zu ver­här­tet sind die Fron­ten zwi­schen dem Wei­ßen Haus und Teheran. Viel­mehr wer­den bei­de Sei­ten ver­su­chen, hin­ter den Ku­lis­sen Ver­bün­de­te zu ge­win­nen. Für Ös­ter­reich wird ab Di­ens­tag Au­ßen­mi­nis­ter Alex­an­der Schal­len­berg das Zep­ter in die Hand neh­men, Van der Bel­len und Bier­lein flie­gen in der Nacht auf Mitt­woch nach Wien zu­rück. Schal­len­berg traf am Mon­tag un­ter an­de­rem Irans Au­ßen­mi­nis­ter Za­rif und die Au­ßen­mi­nis­ter der Tür­kei und des Irak, Mev­lüt C¸avus¸og˘lu und Mo­ha­med Ali Al­ha­kim.

Die Ein­woh­ner New Yorks ver­su­chen wäh­rend des di­plo­ma­ti­schen Schau­lau­fens, das Stadt­zen­trum zu mei­den. „UN-Tref­fen: Wei­chen Sie groß­räu­mig aus“– die­ser Schrift­zug leuch­tet von den High­ways in Brook­lyn und Queens. Wie im­mer wäh­rend der UN-Wo­che lag schon am Mon­tag der Ver­kehr in Mid­town Man­hat­tan da­nie­der. Trumps Ko­lon­ne zog vom East Ri­ver an die Lex­ing­ton Ave­nue ins In­ter­con­ti­nen­tal Ho­tel wei­ter: Dort traf der Prä­si­dent un­ter an­de­rem Pa­kis­tans Staats­chef Arif Al­vi.

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