Auf der Wies’n

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I n Deutsch­lands süd­lichs­ter Lan­des­haupt­stadt, dem Selbst­ver­ständ­nis sei­ner Be­woh­ner nach der nörd­lichs­ten Me­tro­po­le Ita­li­ens, in Mo­na­co di Ba­vie­ra al­so, ist die Wies’n-Zeit an­ge­bro­chen. Der zwei­wö­chi­ge Aus­nah­me­zu­stand läuft un­ter der Tra­de­mark „Ok­to­ber­fest“, welt­weit ko­piert, doch nur das Ori­gi­nal ist ver­se­hen mit dem Eti­kett des Rein­heits­ge­bots. Bay­ern und Bier, das ist eins.

Die Kun­di­gen re­den nur von der Wies’n und dar­über, dass sie auf die Wies’n ge­hen. Ob­wohl: Das Prä­di­kat „ge­hen“trifft den Vor­gang nicht wirk­lich. Eher: hin­stol­zie­ren in vol­ler Tracht und Pracht – und heim­wan­ken und -schwan­ken. In der Bier­zelt-Sau­na und un­term blau-wei­ßen Him­mel ho­len sich man­che ei­ne blu­ti­ge Na­se oder han­deln sich noch Schlim­me­res ein. Und die The­re­si­en­wie­se ver­wan­delt sich in ei­ne Blut­wie­se und in ein Frei­luft­pis­soir.

Um das al­les zu über­ste­hen – das Grö­len, das Auf-den-Ti­schenTan­zen, das Klat­schen, Stamp­fen und Pros­ten zu „Mar­mor, St­ein und Ei­sen bricht“– braucht es ei­ne ro­bus­te Kon­sti­tu­ti­on. Nur gut, dass das US-Kon­su­lat in Mün­chen ei­nen Rat­ge­ber her­aus­ge­bracht hat: „Plea­se don’t for­get: Ge­man beer is strong.“Ba­rack Oba­ma, ge­wöhnt an hei­mi­sches Ge­bräu, soll­te vor­ge­warnt sein, wenn er sich am Wo­che­n­en­de auf die Wies’n wagt. Wie in Las Ve­gas gilt oh­ne­hin das Mot­to: What hap­pens in Mu­nich, stays in Mu­nich. (vier)

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