Der herbst­li­che Aus­nah­me­zu­stand in Man­hat­tan

UN-Tref­fen. Die USA wol­len Part­ner- und kei­ne Feind­schaf­ten, er­klärt Trump in sei­ner Re­de vor der UNO. Iran nennt er ei­nen „Spon­sor des Ter­rors“, Ve­ne­zue­las Ma­du­ro ei­ne „Ma­rio­net­te Ku­bas“.

Die Presse - - VORDERSEIT­E - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten STE­FAN RIECHER

Die UNO-Voll­ver­samm­lung mit 150 Staats- und Re­gie­rungs­chefs sorgt in New York für den all­jähr­li­chen Aus­nah­me­zu­stand – zu­min­dest rund um die Sperr­mei­le in Mid­town Man­hat­tan um das UN-Haupt­quar­tier am East Ri­ver, wo ges­tern mit den ers­ten Red­nern die De­bat­te be­gann. Pro­tes­te rich­te­ten sich un­ter an­de­rem ge­gen USPrä­si­dent Do­nald Trump, der in sei­ner Hei­mat­stadt al­les an­de­re als be­liebt ist.

Ge­läch­ter gab es die­ses Mal kei­nes, und auch Buh­ru­fe blie­ben aus. Der drit­te Auf­tritt von Do­nald Trump beim all­jähr­li­chen Di­plo­ma­ten­tref­fen der UNO am East Ri­ver in Man­hat­tan un­ter­schied sich durch­aus von den bei­den vor­an­ge­gan­ge­nen. „Das ist die größ­te Büh­ne der Welt“, soll­te der US-Prä­si­dent gleich zu Be­ginn sa­gen, um die ver­sam­mel­te Eli­te der glo­ba­len Di­plo­ma­tie we­nig spä­ter wis­sen zu las­sen: „Wir su­chen Part­ner, kei­ne Fein­de.“

2017 mach­te Trump un­miss­ver­ständ­lich klar, dass er ins Wei­ße Haus ein­ge­zo­gen ist, um sei­ne an­ge­kün­dig­te „Ame­ri­ca First“-Po­li­tik durch­zu­bo­xen. Dass er von den Ver­ein­ten Na­tio­nen we­nig hält, kris­tal­li­sier­te sich auch 2018 her­aus, als der US-Prä­si­dent sei­nen Be­schluss, aus dem Wie­ner Nu­kle­arab­kom­men mit dem Iran aus­zu­stei­gen, ve­he­ment ver­tei­dig­te. Und eben­falls im Vor­jahr ern­te­te Trump Ge­läch­ter von an­de­ren Staats­chefs, nach­dem er be­haup­tet hat­te, kei­ne ame­ri­ka­ni­sche Re­gie­rung sei „in der Ge­schich­te“je­mals so er­folg­reich ge­we­sen wie sei­ne.

War­nung an Te­he­ran

Trump wä­re nicht Trump, hät­te er sich nicht auch die­ses Mal auf die Schul­ter ge­klopft. Er ver­wies auf die Re­kord­zah­len bei der Be­schäf­ti­gung und die Tat­sa­che, dass die USA im Ver­gleich zu den an­de­ren In­dus­trie­na­tio­nen kon­junk­tu­rell im­mer noch fel­sen­fest da­ste­hen. Er hob die In­ves­ti­tio­nen in die UST­rup­pen her­vor, nann­te sein Mi­li­tär „das mäch­tigs­te der Welt“und füg­te – in ei­ner Bot­schaft in Rich­tung Iran – hin­zu: „Wol­len wir hof­fen, dass wir die­se Kraft nie­mals ein­set­zen müs­sen.“

Das Re­gime in Te­he­ran be­zeich­ne­te Trump ein­mal mehr als „Spon­so­ren des Ter­rors“, der die Krie­ge in Sy­ri­en und Je­men be­wusst be­feue­re. Auch in Rich­tung Chi­na schoss der US-Prä­si­dent ver­bal scharf. Er wer­de nicht zu­las­sen, dass die zweit­größ­te Volks­wirt­schaft der Welt wei­ter­hin un­fai­re Han­dels­prak­ti­ken an­wen­de und US-Fir­men nach­tei­lig be­hand­le. Ei­nen schlech­ten De­al für die USA wer­de er bei Ver­hand­lun­gen mit Pe­king nie­mals ak­zep­tie­ren.

Und doch: Ge­ra­de im Zu­ge des Kon­flikts mit dem Iran mach­te Trump bei­na­he schon ei­ne Kehrt­wen­de und gab sich als Freund des Mul­ti­la­te­ra­lis­mus: Ei­nen Krieg kön­ne je­der an­zet­teln, aber nur die Mu­tigs­ten wür­den wei­ter den Frie­den su­chen. Na­tür­lich ver­tei­dig­te der US-Prä­si­dent die Sank­tio­nen ge­gen Te­he­ran. Al­ler­dings deu­te­te er zum wie­der­hol­ten Mal an, dass er ei­ne mi­li­tä­ri­sche Kon­fron­ta­ti­on ab­lehnt. Viel­mehr will er ei­ne glo­ba­le Al­li­anz ge­gen den Iran bil­den: „Al­le Na­tio­nen ha­ben ei­ne Ver­ant­wor­tung zu han­deln.“

Vor­sich­ti­ge Rü­cken­de­ckung be­kam Trump am Di­ens­tag von den wich­tigs­ten eu­ro­päi­schen Län­dern: Deutsch­land, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en er­klär­ten, dass sie eben­so wie die USA zu dem Schluss ge­kom­men sei­en, dass Te­he­ran hin­ter der Atta­cke auf sau­di­sche Öl­fel­der ste­cke. Für ei­nen UN-Be­schluss ge­gen den Iran wird das nicht rei­chen, da­ge­gen sträubt sich vor al­lem Russ­land. Doch wächst im Wei­ßen Haus die Hoff­nung, dass sich auch Eu­ro­pa Sank­tio­nen ge­gen Te­he­ran an­schlie­ßen könn­te.

„Zu­kunft ge­hört den Pa­trio­ten“

Den Re­de­ma­ra­thon der UN-Di­plo­ma­ten­mes­se hat­te am Di­ens­tag tra­di­tio­nell der bra­si­lia­ni­sche Prä­si­dent, Jair Bol­so­na­ro, er­öff­net, ge­folgt von Trump. Bis zum Wo­che­n­en­de wird das Tref­fen der Staats­und Re­gie­rungs­chefs so­wie der Au­ßen­mi­nis­ter noch dau­ern, die ira­ni­sche Ant­wort auf Trump ist für den heu­ti­gen Mitt­woch an­ge­setzt. Der Re­de Trumps am Di­ens­tag lausch­ten auch Ös­ter­reichs Prä­si­dent Alex­an­der Van der Bel­len und Kanz­le­rin Bri­git­te Bier­lein.

Trump mag sich für sei­ne Ver­hält­nis­se un­ge­wohnt zahm ge­zeigt ha­ben, von ei­nem Sin­nes­wan­del ist kaum zu spre­chen. Er be­ton­te das Recht der USA, sei­ne Gren­zen zu schüt­zen, for­der­te die an­de­ren Na­tio­nen eben­falls da­zu auf, und er rich­te­te den „Freun­den der of­fe­nen Gren­zen“aus, dass ih­re “Po­li­tik grau­sam und bös­ar­tig” sei. „Die Zu­kunft ge­hört nicht den Glo­ba­lis­ten, sie ge­hört den Pa­trio­ten“, glaubt Trump.

Am ag­gres­sivs­ten zeig­te er sich ge­gen­über Ni­co­las Ma­du­ro,´ dem Prä­si­den­ten Ve­ne­zue­las. Die­ser sei „ei­ne Ma­rio­net­te Ku­bas, be­schützt von ku­ba­ni­schen Bo­dy­guards“. Seit Mo­na­ten ver­su­chen die USA Ma­du­ro´ zu stür­zen, als Prä­si­den­ten ha­ben sie längst Juan Guai­do´ an­er­kannt. Er, Trump, war­te dar­auf, dass in Ca­ra­cas die De­mo­kra­tie wie­der her­ge­stellt wer­de. „Rie­si­ge Hilfs­lie­fe­run­gen von un­se­rer Sei­te ste­hen für die­sen Tag be­reit.“

[ AFP ]

Do­nald Trump auf der gro­ßen Welt­büh­ne. Der Prä­si­dent er­klär­te wie­der ein­mal, wie groß­ar­tig die USA sind.

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