In­ter­ner Macht­kampf: Wer führt Wi­ens FPÖ?

Ana­ly­se. Ibi­za hat ein FPÖ-Macht­va­ku­um aus­ge­löst, das drei Grup­pen fül­len wol­len. Stra­che sorgt da­bei für Är­ger.

Die Presse - - INLAND - VON MAR­TIN STUHLPFARR­ER

Und wie­der hat es die Wie­ner FPÖ er­wischt. Die Ibi­za-Af­fä­re um Heinz-Chris­ti­an Stra­che und Jo­hann Gu­de­nus hat die Füh­rungs­rie­ge der wich­tigs­ten frei­heit­li­chen Lan­des­par­tei hin­weg­ge­fegt. Nun sor­gen du­bio­se Spe­sen­ab­rech­nun­gen von Stra­che in der Wie­ner FPÖ für die nächs­ten Tur­bu­len­zen; und staats­an­walt­schaft­li­ches In­ter­es­se. Die jüngs­te Af­fä­re trifft die Wie­ner FPÖ nicht nur we­ni­ge Ta­ge vor der Na­tio­nal­rats­wahl, son­dern in ei­ner heik­len Pha­se. „Nach Stra­che ist ein gro­ßes Va­ku­um ent­stan­den, mit dem nie­mand ge­rech­net hat“, meint Da­vid La­sar. Er war bis zu sei­nem Par­tei­aus­tritt im Ju­ni we­gen „Vor­macht­stel­lung von Rechts­ex­tre­men“FPÖ-Na­tio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter.

Stra­che weg, Kron­prinz Gu­de­nus eben­falls weg, als Not­lö­sung über­nahm Wi­ens FPÖ-Vi­ze­bür­ger­meis­ter, Do­mi­nik Nepp. Er ist ein po­li­ti­scher Zieh­sohn von Gu­de­nus, war aber nicht in den al­le­rengs­ten Kreis ein­ge­bun­den.

Hört man sich bei FPÖ-Funk­tio­nä­ren um, die in die­ser heik­len Pha­se nicht na­ment­lich ge­nannt wer­den möch­ten, zeigt sich fol­gen­des Bild: Es gibt drei Macht­blö­cke. Der ers­te be­steht aus An­hän­gern von Nor­bert Ho­fers Li­nie. Al­so das freund­li­che Ge­sicht der FPÖ, die hin­ter Par­tei­aus­schlüs­sen von „Ein­zel­fäl­len“wie in Nie­der­ös­ter­reich steht. Da­ne­ben steht der Block mit Ver­fech­tern von Her­bert Kickl, die in al­len Be­rei­chen ei­nen kom­pro­miss­lo­sen Kurs fah­ren wol­len. Dann blei­ben noch die An­hän­ger von Stra­che.

In der FPÖ Wi­en ist zu hö­ren, dass der Kickl-Block der­zeit nicht die Mehr­heit hat, die Si­tua­ti­on aber ver­trackt ist. Es wird von ei­ner Sit­zung vor rund zehn Ta­gen er­zählt, in der Stra­che die Spit­zen­kan­di­da­tur für die Wi­en-Wahl be­an­sprucht hat. Auf Hin­wei­se, dass es mit Par­tei­chef Nepp ei­nen lo­gi­schen Spit­zen­kan­di­da­ten gibt, soll Stra­che ei­ne Kampf­kan­di­da­tur in den Raum ge­stellt ha­ben. Falls die Par­tei das ver­hin­dert, ven­ti­lier­te Stra­che laut FPÖ-Krei­sen ei­ne ei­ge­ne Lis­te für die Wi­en-Wahl. Stra­che hat in der Wie­ner FPÖ noch vie­le Fans, weil die Um­fra­ge­wer­te von Nepp äu­ßerst ma­ger sind.

Wie das Match der drei Blö­cke um die Füh­rung der Wie­ner FPÖ aus­geht, ist of­fen, hängt vom Wah­l­er­geb­nis und ei­ner Re­gie­rungs­be­tei­li­gung ab. Ein Frei­heit­li­cher be­schreibt das so: „Seit Re­gie­rungs­en­de sind al­lein aus die­sem Um­feld rund 200 Mit­ar­bei­ter ar­beits­los. Wenn wir nicht in die Re­gie­rung kom­men, flie­gen die Fet­zen.“ Be­gin­nen wir mit der pro­mi­nen­tes­ten Per­son, ge­gen die er­mit­telt wird: Den Ex-FPÖ-Chef und Vi­ze­kanz­ler Heinz-Chris­ti­an Stra­che. Die Staats­an­walt­schaft Wi­en geht dem Ver­dacht nach, dass er pri­va­te Spe­sen oh­ne Ab­spra­che der FPÖ Nach ei­ner Haus­durch­su­chung wur­de Stra­ches Ex-Leib­wäch­ter und Fah­rer fest­ge­nom­men. Die Staats­an­walt­schaft Wi­en woll­te das we­der be­stä­ti­gen noch de­men­tie­ren, es hand­le sich um ei­ne „Ver­schluss­sa­che“. Dem Ver­neh­men nach wird dem Mann Ver­un­treu­ung vor­ge­wor­fen. Un­klar ist, ob es wei­te­re Vor­wür­fe ge­gen ihn gibt – es gilt auch hier die Un­schulds­ver­mu­tung. Er soll jah­re­lang von den an­geb­lich fal­schen Abrech­nun­gen ge­wusst und die­se mit­ge­tra­gen ha­ben. Er ar­bei­te­te eng mit Stra­che zu­sam­men, in Re­gie­rungs­zei­ten auch in sei­nem Ka­bi­nett und war FPÖ-Be­zirks­rat in Wi­en.

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Der Ex-Si­cher­heits­mann spielt mög­li­cher­wei­se auch bei der Ent­ste­hung des Ibi­za-Vi­de­os ei­ne Rol­le. Er könn­te die Fal­le mit dem Wie­ner An­walt M. ein­ge­fä­delt ha­ben. Die Vor­ge­schich­te: Nach ei­ner schwe­ren Krank­heit soll sich der Mann 2014 von der Par­tei­spit­ze schlecht be­han­delt ge­fühlt ha­ben. Mit ge­sam­mel­ten Fo­tos von Stra­ches Be­le­gen soll er sich schon da­mals an die Be­hör­den ge­wandt ha­ben – es sind die­sel­ben Do­ku­men­te, die nun in der an­ony­men

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