An­kla­ge ge­gen am­tie­ren­de VW-Spit­ze

Die­selskan­dal. Nicht nur Ex-VW-Chef Mar­tin Win­ter­korn muss sich vor Ge­richt ver­ant­wor­ten. Auch Kon­zern­chef Her­bert Diess und Auf­sichts­rats­chef Hans Die­ter Pötsch wer­den an­ge­klagt.

Die Presse - - ECONOMIST -

Der 18. Sep­tem­ber 2015 liegt be­reits mehr als vier Jah­re zu­rück. Da­mals mach­te die US-Um­welt­be­hör­de EPA pu­blik, dass VW bei sei­nen Die­sel­mo­to­ren il­le­ga­le Ab­schalt­ein­rich­tun­gen ein­ge­baut hat, die er­ken­nen kön­nen, ob das Au­to auf dem Prüf­stand steht oder nicht. Wirt­schaft­lich hat der größ­te Au­to­her­stel­ler der Welt den dar­auf fol­gen­den Die­selskan­dal be­reits weit­ge­hend ver­daut. So wur­den rund 30 Mil­li­ar­den Eu­ro in die Hand ge­nom­men, um Stra­fen dies- und jen­seits des At­lan­tiks zu be­zah­len. In den USA wur­den auch die Kun­den groß­zü­gig ent­schä­digt.

Ju­ris­tisch ist die Au­f­ar­bei­tung des Skan­dals aber noch im vol­len Gan­ge. Und am Di­ens­tag er­folg­te ein neu­er­li­cher Hö­he­punkt. So er­klär­te die Staats­an­walt­schaft Braun­schweig, dass sie nicht nur Ex-VW-Chef Mar­tin Win­ter­korn, son­dern auch den am­tie­ren­den Kon­zern­len­ker Her­bert Diess und den ehe­ma­li­gen Fi­nanz­vor­stand und jet­zi­gen Auf­sichts­rats­chef Hans Die­ter Pötsch an­kla­gen wol­le. Sie wirft den drei Top­ma­na­gern Markt­ma­ni­pu­la­ti­on vor, weil sie die Pflicht zur In­for­ma­ti­on des Ka­pi­tal­markts ver­letzt hät­ten.

Die Vor­wür­fe sind so­mit zwar nicht ganz so hef­tig wie bei der An­kla­ge, die be­reits im April er­ho­ben wur­de. Da­mals klag­te die Staats­an­walt­schaft Braun­schweig Win­ter­korn so­wie vier wei­te­re VW-Ma­na­ger we­gen be­son­ders schwe­ren Be­trugs, Ver­stö­ßen ge­gen das Ge­setz ge­gen un­lau­te­ren Wett­be­werb, Steu­er­hin­ter­zie­hung und mit­tel­ba­rer Falsch­be­ur­kun­dung an. Win­ter­korn wur­de im Früh­jahr zu­dem Un­treue vor­ge­wor­fen, weil er den Ein­bau der Ab­schalt­vor­rich­tun­gen wi­der bes­se­res Wis­sen nicht un­ter­sagt ha­be.

Nun geht es dar­um, dass Win­ter­korn, Diess und Pötsch die VWAk­tio­nä­re nicht so­fort über die Ma­ni­pu­la­tio­nen und die in der Fol­ge wahr­schein­li­chen Kos­ten für das Un­ter­neh­men un­ter­rich­tet ha­ben, so­bald sie selbst Kennt­nis dar­über er­lang­ten. Die Ma­na­ger hät­ten die Bör­se vor­sätz­lich zu spät über die aus der Auf­de­ckung der Ab­gas­ma­ni­pu­la­tio­nen re­sul­tie­ren­den er­heb­li­chen Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen des Kon­zerns in Mil­li­ar­den­hö­he in­for­miert und da­mit rechts­wid­rig Ein­fluss auf den Bör­sen­kurs des Un­ter­neh­mens ge­nom­men.

Nach Über­zeu­gung der Er­mitt­ler er­fuh­ren al­le drei An­ge­klag­ten schon früh von den Ab­gas­ma­ni­pu­la­tio­nen. Win­ter­korn ha­be spä­tes­tens im Mai 2015 da­von Kennt­nis ge­habt. Pötsch sei seit dem 29. Ju­ni 2015 in­for­miert ge­we­sen. Und auch Diess, der erst im Ju­li 2015 sei­ne Tä­tig­keit bei VW auf­nahm, ha­be seit dem 27. Ju­li be­reits ge­nü­gend In­for­ma­tio­nen über die Ma­ni­pu­la­tio­nen ge­habt.

Je­der für sich hät­te ab dem je­wei­li­gen Zeit­punkt die er­for­der­li­che Ad-hoc-Mit­tei­lung ver­an­las­sen müs­sen, was nicht ge­sche­hen sei. Volks­wa­gen hat­te erst im Sep­tem­ber 2015 auf Druck der EPA zu­ge­ge­ben, mil­lio­nen­fach Ab­gas­wer­te ma­ni­pu­liert zu ha­ben.

Noch am gest­ri­gen Di­ens­tag trat der VW-Auf­sichts­rat in ei­ner Te­le­fon­kon­fe­renz zu­sam­men, um das wei­te­re Vor­ge­hen zu be­spre­chen. In ei­ner ers­ten Stel­lung­nah­me da­nach hieß es, dass so­wohl Diess als auch Pötsch trotz An­kla­ge im Amt blei­ben sol­len.

Der Rechts­an­walt von Her­bert Diess teil­te auch be­reits mit, der VW-Vor­stands­chef wer­de sich mit al­len recht­li­chen Mit­teln ge­gen die Vor­wür­fe ver­tei­di­gen. We­der Fak­ten noch die Rechts­la­ge recht­fer­tig­ten die An­kla­ge. Auch die An­wäl­te von Pötsch und Win­ter­korn wie­sen die An­kla­ge als un­be­grün­det zu­rück.

Be­vor es zu ei­nem Ge­richts­ver­fah­ren kommt, muss die An­kla­ge vom Land­ge­richt Braun­schweig aber erst ge­prüft wer­den. Und das ist kei­ne Form­sa­che. So gab es laut deut­schen Me­dien­be­rich­ten zu­letzt mas­si­ve Kri­tik an der im April er­stell­ten An­kla­ge ge­gen Win­ter­korn und die vier wei­te­ren VW-Ma­na­ger. Das Ge­richt soll in ei­ni­gen Punk­ten Kon­kre­ti­sie­run­gen so­wie ein Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten ge­for­dert ha­ben, be­vor es zu ei­nem Ver­fah­ren kom­men kön­ne.

Un­ab­hän­gig vom Fall VW hat die Staats­an­walt­schaft Stutt­gart am Di­ens­tag be­kannt ge­ge­ben, dass sie ge­gen den Au­to­her­stel­ler Daim­ler ein Buß­geld in Hö­he von 870 Mio. Eu­ro ver­hängt hat.

Grund ist ei­ne fahr­läs­si­ge Ver­let­zung der Auf­sichts­pflicht in ei­ner mit der Fahr­zeug­zer­ti­fi­zie­rung be­fass­ten Ab­tei­lung. Da­durch hät­ten Die­sel­fahr­zeu­ge Ge­neh­mi­gun­gen er­hal­ten, ob­wohl der Aus­stoß von Stick­oxi­den zu hoch war.

Daim­ler kün­dig­te an, nicht zu be­ru­fen, son­dern die Stra­fe zu be­zah­len. (jaz/ag.)

nach­dem der Die­selskan­dal bei VW pu­blik ge­wor­den ist, holt das The­ma den Kon­zern ju­ris­tisch ein. So er­hob die Staats­an­walt­schaft Braun­schweig am Di­ens­tag An­kla­ge ge­gen Ex-VW-Chef Mar­tin Win­ter­korn, aber auch ge­gen den ak­tu­el­len Kon­zern­chef, Her­bert Diess, und Auf­sichts­rats­chef Hans Die­ter Pötsch. Sie sol­len sie die Bör­se und so­mit die An­le­ger zu spät über den Skan­dal in­for­miert ha­ben.

[ AFP ]

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