Wir Un­an­stän­di­gen?!

War­um die Wer­be­bot­schaft „Wen wür­de der An­stand wäh­len?“pro­ble­ma­tisch ist und den Groß­teil der Wäh­ler be­lei­digt.

Die Presse - - DEBATTE - VON WOLF­GANG DVORAK-STOCKER Mag. Wolf­gang Dvorak-Stocker (*1966) hat Ge­schich­te und Ger­ma­nis­tik stu­diert und ist Ver­le­ger des Leo­pold-Stocker-Ver­lags in Graz.

ber ein Wahl­recht ver­fü­gen nur Men­schen, Staats­bür­ger, wes­halb sich die Par­tei­en in ih­rer Wer­bung bis­her im­mer an die­se bzw. an be­stimm­te ge­sell­schaft­li­che Grup­pen ge­wandt ha­ben, an die Ar­bei­ter, Bau­ern, Pen­sio­nis­ten. Da sich die Wäh­ler und Wäh­le­rin­nen auch ver­schie­de­nen le­bens­welt­li­chen und welt­an­schau­li­chen Grup­pen zu­ge­hö­rig füh­len, ha­ben Par­tei­en dar­über hin­aus im­mer schon ver­sucht zu sug­ge­rie­ren, dass sie die ein­zig rich­ti­ge Par­tei für ei­ne be­stimm­te Grup­pe sei­en, et­wa für gläu­bi­ge Chris­ten, Ar­bei­ter oder Fa­mi­li­en mit Kin­dern.

Ei­ne neue Qua­li­tät der Wahl­wer­bung ha­ben uns nun aber die Grü­nen be­schert. „Wen wür­de das Kli­ma wäh­len?“, so lau­tet der Slo­gan auf ei­nem ih­rer Wahl­pla­ka­te. Da­mit wird nun nicht be­haup­tet, dass die Kon­zep­te der Grü­nen am bes­ten ge­eig­net sei­en, dem Kli­ma­wan­del zu be­geg­nen, oder dass sie mei­nen, ei­ne Ant­wort auf die­sen kom­pli­zier­ten Vor­gang, des­sen Ur­sa­chen kei­nes­wegs ge­klärt sind, ge­ben zu kön­nen.

In­dem be­haup­tet wird, „das Kli­ma“selbst wür­de ei­ne Ent­schei­dung tref­fen, fin­det ei­ne un­ter­schwel­li­ge Ob­jek­ti­vie­rung statt. Es gibt nur mehr ei­ne Wahr­heit, als de­ren Grals­hü­ter sich die Grü­nen ver­ste­hen. Da­mit hat das Mer­kel’sche Dik­tum von der „Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit“bei uns Ein­zug ge­hal­ten. Wer das Kli­ma ret­ten will, muss die Grü­nen wäh­len. Nur wem das Kli­ma „so was von wurscht“ist, wer aus­schließ­lich sei­nem Ver­gnü­gen frö­nen will, kann sich an­ders ent­schei­den.

Das ist auch die Bot­schaft des af­fi­chier­ten Pla­kats „Wen wür­de un­se­re Zu­kunft wäh­len?“. Selbst­ver­ständ­lich die Grü­nen. Nur wer nicht an die Zu­kunft denkt, wem das Schick­sal künf­ti­ger Ge­ne­ra­tio­nen gleich­gül­tig ist, kann für an­de­re Par­tei­en stim­men.

Am schlimms­ten ist der Slo­gan „Wen wür­de der An­stand wäh­len?“. Auch die­sen ha­ben die Grü­nen pla­ka­tiert. Im Kl­ar­text heißt das doch, dass nur der­je­ni­ge, der sein Kreuz­chen bei den Grü­nen macht, an­stän­dig ist und al­le an­de­ren Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler eben nicht.

Wer die Ro­ten wählt, ist un­an­stän­dig. Wer die Tür­ki­sen wählt, ist noch viel un­an­stän­di­ger. Und wer die Blau­en wählt, ist über­haupt hoff­nungs­los un­an­stän­dig.

Wir Un­an­stän­di­gen! Wenn bei der nächs­ten Na­tio­nal­rats­wahl die Grü­nen zehn Pro­zent der Stim­men be­kom­men, dann be­deu­tet das im Um­kehr­schluss, dass 90 Pro­zent der ös­ter­rei­chi­schen Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler un­an­stän­dig sind.

Das er­in­nert an die Aus­sa­ge des Spit­zen­kan­di­da­ten ei­ner Gra­zer Klein­par­tei, der auf die Fra­ge nach den Wahl­chan­cen sei­ner Par­tei ge­ant­wor­tet hat: „Zwei Pro­zent. Denn 98 Pro­zent der Ös­ter­rei­cher sind Na­tur­dep­pen.“Die er­wähn­te Klein­par­tei hat bei den Gra­zer Wah­len nicht re­üs­sie­ren kön­nen. Mit Recht, hat sie doch die Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler als „Dep­pen“be­zeich­net.

Wie die nächs­te ös­ter­rei­chi­sche Na­tio­nal­rats­wahl aus­geht, wer­den wir am 29. Sep­tem­ber wis­sen. Ei­nes steht je­doch schon jetzt fest: Rund 90 Pro­zent der Ös­ter­rei­che­rin­nen und Ös­ter­rei­cher sind in den Au­gen der Grü­nen un­an­stän­dig. Ob sich die ei­ne oder an­de­re Par­tei der Un­an­stän­di­gen zu ei­ner Ko­ali­ti­on mit den ein­zi­gen An­stän­di­gen im Lan­de be­reit­fin­det, wer­den wir da­nach er­fah­ren.

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