Der Wahl­kampf der Ge­werk­schaft

Ana­ly­se. Wie die so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Ge­werk­schaf­ter die SPÖ un­ter­stüt­zen: For­mal hat man die Ver­bin­dung zur Par­tei ge­kappt, über ei­nen Ver­ein wur­de sie wie­der her­ge­stellt.

Die Presse - - THEMA DES TAGES - VON MAR­TIN FRITZL

SPÖ und Ge­werk­schaft wa­ren im­mer schon eng ver­wo­ben – auch in die­sem Wahl­kampf. Rai­ner Wim­mer, Chef der So­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Ge­werk­schaf­ter, kan­di­diert auf Platz zwei der Bun­des­lis­te, et­li­che an­de­re hoch­ran­gi­ge Ge­werk­schafts­funk­tio­nä­re dürf­ten eben­falls in den Na­tio­nal­rat ein­zie­hen. Und die Fi­nan­zie­rung des Wahl­kamp­fes? Da spielt eben­falls die Ge­werk­schaft ei­ne we­sent­li­che Rol­le.

Na­tür­lich nicht der ÖGB, denn der ist ja for­mal ei­ne über­par­tei­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on, auch wenn die So­zi­al­de­mo­kra­ten dort den Ton an­ge­ben. Es ist die Frak­ti­on So­zi­al­de­mo­kra­ti­scher Ge­werk­schaf­ter (FSG), die ei­gent­lich prä­des­ti­niert wä­re, für die SPÖ in den Wahl­kampf zu zie­hen. Die fi­nan­zi­el­len Mit­tel da­für sind vor­han­den, wer­den doch die ein­zel­nen Frak­tio­nen recht üp­pig do­tiert: An­geb­lich schüt­tet der ÖGB drei Pro­zent sei­ner Mit­glieds­bei­trä­ge an die Frak­tio­nen aus, die Ar­bei­ter­kam­mer zwei Pro­zent. Den Groß­teil da­von er­hält die FSG. Selt­sa­mer­wei­se macht sie den Wahl­kampf aber nicht selbst, son­dern über ei­nen Ver­ein, der mit der FSG eng ver­wo­ben ist.

Und das kam so: Im Jahr 2012 trat ein Trans­pa­renz­ge­setz in Kraft, das neue Re­geln für die Par­tei­en­fi­nan­zie­rung vor­gab. Ein­nah­men und Aus­ga­ben müs­sen seit­her eben­so im Re­chen­schafts­be­richt der Par­tei auf­schei­nen wie das Spen­den­auf­kom­men. Und es gilt ei­ne Ober­gren­ze für die Wahl­kämp­fe − nicht nur für die Par­tei selbst, son­dern auch für Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen. Und was ist ei­ne Vor­feld­or­ga­ni­sa­ti­on? Das sind je­ne Ver­ei­ne, die laut Sta­tut ei­nen Ver­tre­ter in den Vor­stand der Par­tei ent­sen­den kön­nen, oder um­ge­kehrt.

So­mit muss bei­spiels­wei­se die ÖVP die Ge­schäfts­ge­bah­rung von Se­nio­ren­bund oder Wirt­schafts­bund in ih­ren Re­chen­schafts­be­rich­ten auf­neh­men. Die SPÖ re­agier­te auf das Trans­pa­renz­ge­setz, in­dem sie for­mal ih­re Ver­bin­dun­gen zu ih­ren bei­den wich­tigs­ten Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen, der FSG und dem Pen­sio­nis­ten­ver­band, kapp­te. Die Be­grün­dung: Die­se hät­ten mehr Mit­glie­der als die SPÖ selbst und wür­den Spen­den für ei­ge­ne Zwe­cke sam­meln. Und die woll­te man nicht in den Re­chen­schafts­be­rich­ten ste­hen ha­ben.

In der Pra­xis wur­den die Ver­bin­dun­gen aber kei­nes­wegs ge­kappt, son­dern mit ei­ner ele­gan­ten Um­ge­hungs­kon­struk­ti­on auf­recht­er­hal­ten: Bei­de Or­ga­ni­sa­tio­nen grün­de­ten Ver­ei­ne, die nun als Vor­feld­or­ga­ni­sa­ti­on der SPÖ die­nen. Im Fall der FSG sind es die „Ge­werk­schaf­terIn­nen in der SPÖ“. De­ren Mit­glie­der wie­der­um sind die FSG-Or­ga­ni­sa­tio­nen der Teil­ge­werk­schaf­ten.

Rund 300.000 Eu­ro in­ves­tie­ren die „Ge­werk­schaf­terIn­nen in der SPÖ“in die­sen Wahl­kampf. Da­mit wur­de ei­ne Groß­ver­an­stal­tung im Wie­ner Ga­so­me­ter eben­so fi­nan­ziert wie Wer­be­ma­te­ri­al. Dass da­mit die Wahl­kampf­kos­ten­ober­gren­ze um­gan­gen wür­de, wei­sen die Ge­werk­schaf­ter zu­rück: Die­ser Bei­trag wer­de in die Ober­gren­ze ein­be­rech­net. Das dürf­te nicht im­mer so ge­we­sen sein: Bei der letz­ten Na­tio­nal­rats­wahl trat Spit­zen­kan­di­dat Chris­ti­an Kern bei Be­triebs­rä­te­kon­fe­ren­zen auf. Da­mals wur­de ar­gu­men­tiert, dass dies nicht Wahl­kampf sei, son­dern nor­ma­le ge­werk­schaft­li­che Ak­ti­vi­tät. Kern ha­be eben als Bun­des­kanz­ler vor Be­triebs­rä­ten ge­spro­chen. Ähn­li­che Grenz­fäl­le zwi­schen Ge­werk­schafts­ar­beit und Wahl­kampf sind aber auch dies­mal nicht aus­zu­schlie­ßen.

Die Ver­eins­kon­struk­ti­on er­weist sich üb­ri­gens an­ge­sichts der seit Ju­li gel­ten­den neu­en Ge­set­zes­la­ge als hilf­reich. Denn mit der Be­gren­zung der Spen­den auf 7500 Eu­ro pro Spen­der und Jahr dürf­te die FSG gar nicht mehr Wahl­kampf in grö­ße­rem Aus­maß für die SPÖ ma­chen. Das wür­de näm­lich als Sach­spen­de ein­ge­stuft wer­den, die Zu­wen­dung müss­te an den Rech­nungs­hof wei­ter­ge­lei­tet wer­den. Den Ver­ein darf die FSG da­ge­gen sehr wohl fi­nan­zie­ren, denn das gilt nicht als Spen­de, son­dern als Mit­glieds­bei­trag. Und der ist in un­be­grenz­ter Hö­he mög­lich, ab 7500 muss aber je­des Mit­glied na­ment­lich dem Rech­nungs­hof ge­mel­det wer­den.

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